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Fr., 07.10.2016

Nach Zwangsversteigerung soll Lange Straße 63 weiterverkauft werden Hoffnung fürs »Haeuselein«

Schlangen, die mit einem Ring aneinandergefesselt sind, christliche Spruchbänder, Ranken: Die Fassade des Häuschens an der Langen Straße begründet seinen Denkmalwert. Die Füllbohlen sind zwar vom Alter gezeichnet, aber noch erhalten.

Schlangen, die mit einem Ring aneinandergefesselt sind, christliche Spruchbänder, Ranken: Die Fassade des Häuschens an der Langen Straße begründet seinen Denkmalwert. Die Füllbohlen sind zwar vom Alter gezeichnet, aber noch erhalten. Foto: Heike Pabst

Von Heike Pabst

Vlotho (WB). Das winzige Gebäude mit der Hausnummer 63 steht schon seit 1671 an der Langen Straße. In den vergangenen Jahren verfiel der Leerstand immer mehr. Und obwohl es baufällig und windschief ist, könnte das Baudenkmal nun Aussichten auf eine bessere Zukunft haben: Es soll verkauft werden.

Die Wände sind nass, die Decken rissig, die Fenster zerstört: Die Zeit ist nicht freundlich zu diesem Haus gewesen. Ein lange unentdeckter Wasserschaden im Inneren hatte einst die Herausnahme des hölzernen Küchenfußbodens im ersten Stock notwendig gemacht – die Bohlen sollten trocknen, doch sind sie noch immer nicht wieder eingesetzt worden. Unachtsame Besucher könnten dort ein Stockwerk tief stürzen.

Nachdem die ehemaligen Besitzer lange Zeit selbst erfolglos versucht haben, es für 20 000 Euro zu verkaufen, wurde das Gebäude im September nun am Amtsgericht Bad Oeynhausen zwangsversteigert.

Eigentlich unbewohnbar

Ein Gutachten kam zu dem Schluss, das Haus sei unbewohnbar. Aufgrund des Denkmalsschutzes darf es nicht abgerissen werden. Die noch erhaltenen, historischen Füllbohlen in der Fassade zeigen Weinranken, Schlangen und Spruchbänder, die sonst in dieser Form in Vlotho und Umgebung nicht zu finden sind. Das Gebäude auf dem 91 Quadratmeter großen Grundstück wird in den Inschriften als »Haeuselein« bezeichnet.

Der Gutachter legte einen Verkehrswert von 10 000 Euro fest, wobei er sich am Bodenrichtwert orientierte und für das Haus gerade einmal einen symbolischen Wert berechnete: »Üblich ist in vergleichbaren Fällen ein Betrag von einem Euro.«

Zuschlag für 5000 Euro

Als das Haus unter den Hammer kam, wurde das niedrigste zuschlagsfähige Gebot abgegeben: 5000 Euro. Es kam von der Deutschen Haus- und Grundinvest GmbH aus Lippstadt. Nach einer kurzen Bedenkzeit willigten die Gläubigerbanken in dieses Angebot ein.

Damit beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte eines der wohl ältesten Wohnhäuser Vlothos. Denn die Lippstädter wollen keine Aufhebung des Denkmalschutzes vorantreiben und streben keinen Abriss an. »Wir verkaufen das Haus an Leute, die handwerkliches Geschick haben«, sagt Mitarbeiter Dirk Ludwig zuversichtlich.

Wer Interesse an einem Kauf habe, könne sich bei der GmbH unter 0 29 41 / 27 30 81 melden und einen Termin für eine Besichtigung vereinbaren.

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