Aufnahmen aus dem verfallenden Hotel Lütke in Vlotho tauchen im Internet auf
Ruine zieht »Urbexer« an

Vlotho (WB). Sie finden immer einen Weg hinein. Obwohl das Hotel Lütke abgesperrt ist und die Fensterhöhlen mit Brettern verschlossen sind, können sich Interessierte im Internet anschauen, wie es drinnen aussieht. So genannte »Urbexer« haben neue Fotos und ein Video aus der Ruine ins Internet gestellt.

Sonntag, 30.04.2017, 15:14 Uhr aktualisiert: 30.04.2017, 17:42 Uhr
Maxi, Eileen und Melanie haben ein Kamerastativ mitgebracht. Bei ihrer ersten illegalen Erkundung des Hotels Lütke konnten sie nur Handyfotos machen. Doch sie möchten noch Bilder in besserer Qualität aus der Ruine mitnehmen. Foto: Heike Pabst
Maxi, Eileen und Melanie haben ein Kamerastativ mitgebracht. Bei ihrer ersten illegalen Erkundung des Hotels Lütke konnten sie nur Handyfotos machen. Doch sie möchten noch Bilder in besserer Qualität aus der Ruine mitnehmen. Foto: Heike Pabst

Es geht ihnen nicht um Diebstahl oder Zerstörung. »Wir wollen die Lost Places als solche erhalten«, sagt Eileen. »Wir hinterlassen nichts als Fußspuren. Auch, wenn wir ein Fenster öffnen, machen wir es nachher wieder zu.«

Die 27-Jährige widmet sich gemeinsam mit Melanie (22) und dem 16-jährigen Maxi einem Hobby namens »Urban Exploration« (Stadterkundung). Dabei dringen sie in Leerstände ein, nehmen die Atmosphäre in sich auf, dokumentieren das Erlebte.

Eigentlich wollten sie sich den Bahnhof anschauen

Im Internet tauschen sich »Urbexer« aus und geben sich Tipps für besondere »Locations«. Eine dieser »Locations«, die von »Urbexern« besucht wird, ist das ehemalige Hotel Lütke. Eileen, Melanie und Maxi haben es im Februar zum ersten Mal erkundet. »Eigentlich wollten wir uns den Bahnhof anschauen, und das Hotel ist ja nicht weit entfernt«, beschreibt Eileen, wie sie auf die Idee gekommen sind.

Das »Team Copterflight Urbex« ist bundesweit aktiv und gut ausgerüstet. »Die Schimmelbelastung ist die größte Gefahr«, so Eileen. »Wir nehmen richtige Atemschutzmasken mit. Auch festes Schuhwerk ist superwichtig, es liegen in solchen Objekten ja überall Nägel und Scherben.«

Manche Gebäude sind einsturzgefährdet, dann zieht sich die Gruppe zurück. »Im Hotel Lütke scheint das oberste Stockwerk durchzuhängen«, sagt Eileen. »Irgendwann kriegt man ein Gespür dafür.«

Drohne liefert Luftbilder

Auch Handschuhe, Taschenlampen und Stative für Langzeitbelichtungen haben die »Urbexer« mitgebracht. Manchmal setzen sie eine Drohne ein, die Luftbilder macht. »Die Fotos spielen für mich selbst eine untergeordnete Rolle«, erzählt Eileen, »mir geht es um die Gebäude, um deren Geschichte.«

Sie weiß, dass ihr Hobby Hausfriedensbruch beinhaltet. »Das ist eben das Risiko. Man muss sich bewusst sein, dass man auch eine Anzeige kriegen kann«, sagt Eileen.

Im Hotel Lütke finden sich etliche Erinnerungsstücke aus der Historie des Hauses: Kinosessel stehen im angegliederten Saal der »Weserlichtspiele«, es liegt bergeweise zerbrochenes Porzellan herum. Auf den Fotos und im Video des Teams sind ein zerstörtes Klavier, leere Filmrollen, sogar eine alte Speisekarte zu sehen. »Zartes Poulardenbrüstchen ohne Knochen in Rahmsoße« mit mehreren Beilagen gab es bei Lütkes einst für 18,50 D-Mark.

Sie haben Kinder im verfallenden Hotel angetroffen

Die »Urbexer« indessen waren nicht allzu beeindruckt. »Es gibt Lost Places, die sind interessanter«, sagt Eileen. »Das Hotel Lütke scheint oft von Leuten besucht zu werden, die nur etwas kaputt machen wollen. Wir haben darin sogar Kinder angetroffen.« Der Kinosaal sei allerdings ein Highlight gewesen.

Was der Eigentümer von solchen ungebetenen Besuchern hält, ist unbekannt: Auf eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung äußerte sich die Geschäftsführung der Kordes KLD Wasser- und Abwassersysteme GmbH nicht.

In der Vergangenheit hat die Bauaufsicht des Kreises Herford mehrfach Absperr- und Sicherungsmaßnahmen an der Ruine angeordnet. Dass »Urbexer« das Hotel besuchen, war bei der Behörde bislang unbekannt. Nun wird die Immobilie »kurzfristig im Rahmen einer örtlichen Kontrolle überprüft«, teilt Esther Ungerland von der Pressestelle des Kreises mit.

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