Mo., 18.06.2018

Vlothoer Bündnis erinnert an das Verbot des Collegium Humanum vor 10 Jahren »Wachsam bleiben«

Zeitzeugen und Organisatoren des Vlothoer Bündnisses erinnern an das Verbot des Collegium Humanum (von links): Harald Meves von der Stätte der Begegnung, Zeitzeugin Inge Wienecke und Gerhart Schöll, Zeitzeuge und Mitarbeiter des AKE-Bildungswerks

Zeitzeugen und Organisatoren des Vlothoer Bündnisses erinnern an das Verbot des Collegium Humanum (von links): Harald Meves von der Stätte der Begegnung, Zeitzeugin Inge Wienecke und Gerhart Schöll, Zeitzeuge und Mitarbeiter des AKE-Bildungswerks Foto: Frank Lemke

Von Frank Lemke

Vlotho (WB). Am Ende ist das Bündnis der Stadt Vlotho erfolgreich gewesen: Vor zehn Jahren, am 7. Mai 2008, verbot der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble das Collegium Humanum – ein Zentrum europäischer Holocaustleugnung. Das Bündnis der Vlothoer Bürger bleibt seither weiter wachsam. In der Kulturfabrik hat das Bündnis am Samstag mit einer Ausstellung, einem Theaterstück und einer Filmvorführung auf die Gefahren von Rechtspopulismus und Rassismus hingewiesen.

»Mit der Ausstellung wollen wir daran erinnern, wie das Collegium Humanum in den 60er Jahren entstanden ist und wie Vlotho sich am Ende dagegen engagiert hat«, sagte Harald Meves, Geschäftsführer der Stätte der Begegnung in Vlotho.

CH wird 1963 gegründet

Zum Hintergrund: Der im Dritten Reich überzeugte Nationalsozialist Werner Georg Haverbeck und seine Frau Ursula Haverbeck hatten 1963 das Collegium Humanum als freie Bildungsstätte in Vlotho gegründet. »Arbeitsschwerpunkte waren völlig unverdächtig Ökologie und Friedenspolitik«, erinnerte sich die Zeitzeugin Inge Wienecke. 1979 hätten dort sogar Gespräche über die Gründung der Partei »Die Grünen« statt gefunden. Doch spätestens 1982 wurde klar, dass sich Haverbeck nicht vollständig vom nationalsozialistischem Gedankengut gelöst hatte«, sagte sie. Haverbeck gehörte zu den Erstunterzeichnern des »Heidelberger Manifests«. 1984 tagte im Collegium Humanum das »Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten des 100. Geburtstags von Adolf Hitler«. Bürgerliche und linke Gruppen zogen sich immer mehr aus dem Collegium Humanum zurück. 2003 erreichten die Aktivitäten einen Höhepunkt, als Mitglieder des Collegiums offen den Holocaust leugneten. »Spätestens da hört Toleranz auf«, sagte Inge Wienecke. In Vlotho schlossen sich Bildungseinrichtungen, Vereine, Parteien, Kirchengemeinden und Privatpersonen zusammen, um dagegen vorzugehen. Doch nach dem Verbot und dem Tod von Werner Haverbeck blieb Ursula Haverbeck weiter aktiv. Zahlreiche Gerichtsverfahren wurden gegen sie angestrengt. Nach ihrer rechtskräftigen Verurteilung wurde die uneinsichtige Holocaustleugnerin am 7. Mai 2018, genau zehn Jahre nach dem Verbot des Collegium Humanum, festgenommen. Die 89-Jährige sitzt nun im Gefängnis ihre Haftstrafe ab.

Ausstellung erinnert

»In der Ausstellung mussten wir uns auf das Wesentliche beschränken«, sagte Gerhart Schöll, Zeitzeuge und Mitarbeiter des AKE-Bildungswerks. Das Material der vergangenen 50 Jahre sei sehr umfangreich. Die Ausstellung mit dem Titel »Gemeinsam gegen das Collegium Humanum – Das Zentrum der Holocaust-Leugnung in Vlotho« könne nur Schlaglichter zeigen. Es sei sehr wichtig, dass die Erinnerung an den Nationalsozialismus wach gehalten werde, damit der Rechtsextremismus keine Chance habe.

Aktionswochen gegen Rassismus

Nach der Ausstellungseröffnung führte der Förderverein Gedenkstätte Stalag in Kooperation mit dem Vlothoer Bündnis ein biografisches Theaterstück über das Leben des Zwangsarbeiters Ferdinand Matuszek auf. Das Stück von Regina Berges basiert auf dem Buch »Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten« von Friedhelm Schäfer und Oliver Nickel. Das Stück wird im Rahmen der Aktionswochen gegen Rassimus mehrmals im Kreis Herford aufgeführt. Außerdem zeigte das Bündnis den Dokumentarfilm »I am not your negro«.

 

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