Stadt Vlotho und Kreis Herford stellen Breitbandausbau-Konzept vor - mit Video
Haushalte sollen schneller ins Internet

Vlotho (WB). In Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung von Arbeitswelt und auch der privaten Alltagsumwelt wird ein schnelles Internet immer wichtiger. Daher treibt die Stadt Vlotho im Verbund mit dem Kreis Herford den Breitbandausbau besonders mit Blick auf die Ortsrandlagen voran.

Donnerstag, 12.07.2018, 03:30 Uhr
Gemeinsam treiben sie den Breitbandausbau voran: Bürgermeister Rocco Wilken und Stadtentwickler Michael Fißmer (von rechts) geben zusammen mit Birgit Rehberg, zuständige Koordinatorin für den Breitbandausbau im Kreis Herford, einen Überblick über das Ausbaukonzept in Vlotho. Foto: Joachim Burek
Gemeinsam treiben sie den Breitbandausbau voran: Bürgermeister Rocco Wilken und Stadtentwickler Michael Fißmer (von rechts) geben zusammen mit Birgit Rehberg, zuständige Koordinatorin für den Breitbandausbau im Kreis Herford, einen Überblick über das Ausbaukonzept in Vlotho.

»Wir sind dabei bemüht, über eine wirtschaftliche Lösung für die Stadt eine gute Grundversorgung sicherzustellen«, machte Bürgermeister Rocco Wilken die gemeinsame Handlungsmaxime deutlich. Gemeinsam mit Michael Fißmer von der Stabsstelle Stadtentwicklung und Birgit Rehberg, zuständig für die Breitbandkoordination im gesamten Kreis Herford, gab er jetzt Antworten auf Fragen, die sich die Bürger in Zusammenhang mit dem Breitbandausbau stellen.

»Wir haben die Diskussion in den sozialen Netzwerken verfolgt und auch Fragen, die Bürger uns per Mail gestellt haben, gesammelt. Mit diesem öffentlichen Sachstandsbericht wollen wir noch einmal einen Überblick geben«, erläuterten Wilken und Fißmer. Birgit Rehberg stellte dann die gemeinsamen Eckpunkte des Ausbaukonzepts vor: 

Freier Markt

»Grundsätzlich«, so betonte Birgit Rehberg, »vollzieht sich der Breitbandausbau auf einem freien Markt und stellt keine Daseinsvorsorge als Pflichtaufgabe der Kommunen dar«. Dort wo der Markt »versage«, könne der Ausbau durch die Kommunen vorangetrieben werden. Die Netzbetreiber bauten in der Regel nur aus, wo sie einen guten Absatzmarkt für ihre Endkundenprodukte erwarteten. Sei ein eigenwirtschaftlicher Ausbau nicht erfolgt oder beabsichtigt, könne die Kommune eintreten. Das sei dann als eine freiwillige Aufgabe der Kommune zu verstehen, als eine Zusatzaufgabe zu der sich die Kommune selbst verpflichte.

Förderung

Der Bund fördert diesen Ausbau mit 50 Prozent und das Land Nordrhein-Westfalen grundsätzlich zu 4o Prozent, um die Wirtschaftlichkeitslücke der Netzbetreiber zu schließen. Diese Wirtschaftlichkeitslücke ist der Betrag, der sich nach Abzug aller Gewinne als nicht gedeckte Infrastrukturkosten der Telekommunikationsunternehmen ergibt, erläuterte die Fachfrau.

Mindestaufgreifschwelle

Weiter wies Birgit Rehberg darauf hin, das bedingt durch das Marktversagen die Mindestaufgreifschwelle von 30 MBit/s noch nicht an den betreffenden Anschlüssen erreicht werde und auch kein Telekommunikationsunternehmen erklärt habe, in den nächsten Jahren dort ausbauen zu wollen. Rehberg: »Unter Beachtung der größtmöglichen Wirtschaftlichkeit hat sich der Kreis Herford deshalb entschieden, als Zielversorgung mindestens 50 MBit/s teils 100 MBit/s für alle Anschlüsse anzustreben und 1 GBit/s in den unterversorgten Gewerbegebieten.«

FTTC-Technik

Die sogenannte FTTC-Technik (Fibre to the curb) basiert auf zwei Säulen: 1. Die Glasfaserstruktur muss näher an die Hausanschlüsse gelegt werden und in den Verteilerkästen wird die sogenannte Vectoringtechnik eingesetzt. 2. Es entstehen keine Strukturen, die bei einem späteren Technologiewechsel (Upgrade) wieder beseitigt werden müssen.

Sollte erst zu einem späteren Zeitpunkt eine vollständige Glasfaseranbindung (FTTB/FTTH) erfolgen, wird dann nur noch »der letzte Meter« an das Wohngebäude und in der Straße verlegt, beziehungsweise Kupferkabel durch Glasfaser ersetzt.

Ausbau-Stufenplan

Der Kreis Herford koordiniert für alle neun Kommunen den Ausbau und den Förderprozess. Fördergelder von Bund und Land sind für das Kreisgebiet in Höhe von etwa 16 Millionen Euro bewilligt. Vlotho muss einen Eigenanteil von 10 Prozent der sogenannten Wirtschaftlichkeitslücke erbringen. »Wichtig ist dabei darauf hinzuweisen, dass der Kreis Herford einer der bestversorgtesten Kreis in Nordrhein-Westfalen ist. Es besteht bei den Haushalten kreisweit ein Unterversorgung von 5 Prozent.

Von diesen Haushalten befinden sich allerdings 25 Prozent in der Flächengemeinde Vlotho«, ergänzte Bürgermeister Wilken. Das weitere Vorgehen bei der mehrstufigen Ausschreibung im Kreis sieht laut Birgit Rehberg wie folgt aus:

1. Stufe Europaweiter Teilnahmewettbewerb.

2. Stufe Indikative Angebotsaufforderung (läuft derzeit).

3. Es folgen mehrere Verhandlungsrunden und finale Angebote.

4. Zeithorizont: Vertragsabschluss wahrscheinlich noch in 2018, Baubeginn in ersten Bereichen des Kreises Frühjahr 2019.

Problematisch seien derzeit knappe Personalressourcen bei Telko-Unternehmen und im Tiefbau und Materialengpässe, fügte Birgit Rehberg an.

Abschließend wies sie darauf hin, dass ein Upgrade auf reine Glasfasertechnik durch eine Novelle der Bundesförderung inzwischen grundsätzlich möglich sei, aber die Kostendeckung durch das Land NRW noch unklar sei.

Schulen

Schulen sollen nach dem Willen von Bund und Land bis 2022 alle mit Glasfaser angebunden sein und es soll digital gestützter Unterricht erfolgen. Der Kreis Herford hat etwa 90 Schulen, die noch nicht über ein schnelles Internet verfügen. Es wird davon ausgegangen, dass der Breitbandausbau von Schulen an Glasfaser maßgeblich durch Fördermittel von Bund und Land erfolgen kann. Hierzu gibt es aber noch keine spezifischen Richtlinien. Neben einem hochbandigen Breitbandanschluss müssen Lehrkonzepte neu gestaltet werden, Lehrkräfte geschult werden und Hard- und Software angeschafft werden.

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