Geschichtswerkstatt Exter beschäftigt sich mit der Herforder Messstation
Die Sammler der Wetterdaten

Vlotho (WB). Das Wetter bietet gerade in diesem Sommer jede Menge Gesprächsstoff. Dass die täglichen Wetterdaten seit 1891 in der Wetterstation Herford von einem ehrenamtlichen Meteorologen gesammelt wurden, ist kaum bekannt. Die Geschichtswerkstatt Exter hat sich in einer Veranstaltung mit diesem Thema beschäftigt.

Donnerstag, 09.08.2018, 09:58 Uhr aktualisiert: 09.08.2018, 10:40 Uhr
Annegret Arnhölter, August Wilhelm König, Karsten Adam, Heinrich Wulff, Michael Grons, Irmtraud Wulff und Klaus Kauczok (von links) beschäftigten sich in der Veranstaltung der Geschichtswerkstatt mit der Herforder Wetterstation. Foto: Gisela Schwarze
Annegret Arnhölter, August Wilhelm König, Karsten Adam, Heinrich Wulff, Michael Grons, Irmtraud Wulff und Klaus Kauczok (von links) beschäftigten sich in der Veranstaltung der Geschichtswerkstatt mit der Herforder Wetterstation.

Die Wetterstation in der Kreisstadt gab es bis zum Jahr 2007. Darüber berichtete jetzt im Exteraner Gemeindehaus Heinrich Wulff als letzte aktiver Betreuer der Wetterstation. »Wetter ist für uns hier im ländlichen Raum wegen der Bewirtschaftung der Felder ein ganz wichtiges Thema. Auf den Höfen verstand und versteht man was vom Wetter«, sagte August-Wilhelm König als Vorsitzender der Geschichtswerkstatt.

»Die nebenamtliche Klimastation Herford des Deutschen Wetterdienstes vom Wetteramt Essen existierte vom 19. Juli 1891 bis zum 31. Dezember 2007«, sagte Heinrich Wulff, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Irmtraud Wulff berichtete.

Als Station des Königlich Preußischen Meteorologischen Berliner Institut sei der Standort in Herford in Betrieb genommen worden. Später habe man dem Deutschen Wetterdienst in Essen zugearbeitet.

Drei Generationen im Dienst des Wetters

Bis zur Aufgabe der Ende 2007 führten drei Generationen der Familie Wulff die Station – insgesamt 116 Jahre lang. Von 1891 bis 1928 befand sich die »Klimastation« hoch oben am Dach der Schule Mindener Straße. »Mein Großvater war dort Schulleiter und betrieb in dem Gebäude die erste Herforder Wetterstation«, berichtete der Enkel.

Mehr als 100 Jahre seien die Wetterdaten an den unterschiedlichen Stationen des Landes von Quecksilberthermometern abgelesen, auf Papier notiert und nach Essen zum Deutschen Wetterdienst geschickt worden.

1928 zog die Wetterstation dann auf die andere Straßenseite in den Garten Ortsieker Weg 11 um. Zusätzlich wurde dort ab Juli 1992 noch eine Niederschlagsmeßstelle des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW betrieben.

»Mit der Aufgabe der Wetterstation in Herford und der Verlegung nach Bielefeld-Jöllenbeck erfolgte zum 1. Januar 2008 die Umstellung auf elektronische Geräte mit direkter Datenübertragung«, sagte Heinrich Wulff.

Sonne brennt ihre Spur in Spezialpapier

Aktuell beschert der Sommer des Jahres 2018 sehr viele tägliche Sonnenstunden. Dass bis zum Jahr 2007 die sonnige Zeit mit einer Sonnenscheinkugel ermittelt wurde, hörten die Veranstaltungsbesucher mit Staunen.

Eine solche Kugel hatte der Referent mitgebracht und demonstrierte die Funktion. In ein eingelegtes Spezialpapier brannte der Sonnenschein seine Spuren ein. Sonnenlose Stunden blieben auf dem Papier schwarz.

Angesichts der aktuellen Wärme war es für die Zuhörer interessant, aus den vergangenen zehn Jahren die Anzahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad zu erfahren: Im Jahr 2009 waren das 10 Tage, 2010 17 Tage (davon 14 im Juli), 2011 8 Tage, 2012 9 Tage, 2013 14 Tage, 2014 10 Tage, 2015 14 Tage, 2016 17 Tage, 2017 8 Tage und bis zum 10. Juli dieses Jahres 9 Tage.

Schon 2015 gab es in Herford 37,9 Grad Hitze

»Einen Temperatur-Höchstwert erreichte Herford am 4. Juli 2015 mit 37,9 Grad«, wusste Hermann Wulff. Rekordverdächtig zahlreiche Sonnenscheinstunden habe es 2003 mit 2159,3 Stunden gegeben. »2006 waren es 1870,9 Stunden und 2007 1743,3 Stunden«, fügte der Hobby-Meteorologe zum Vergleich hinzu.

Große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit gibt es immer wieder, oft nach Gewittern. Heinrich Wulff: »In den vergangenen zehn Jahren gab es zehn Mal Starkregen, der Straßen- und Kellerüberflutungen verursachte.«

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