Mo., 08.10.2018

Auch Puppendoktor Thomas Dahl besucht Ausstellung in Vlotho Kindheitsträume im Heimatmuseum

Puppendoktor Thomas Dahl ist Experte für Käthe-Kruse-Puppen.

Puppendoktor Thomas Dahl ist Experte für Käthe-Kruse-Puppen. Foto: Frank D. Lemke

Von Frank D. Lemke

Vlotho (WB). Erst dachte der Heimatverein an eine kleine Ausstellung. Dann meldeten sich mehr als 100 Sammler aus ganz Deutschland an. Sogar der Puppendoktor Thomas Dahl aus Bonn kam zu Besuch, um mehr als 120 Käthe-Kruse-Puppen des Sammlers Hans Schneider im Heimatmuseum zu sehen.

»Für uns wird hier ein Kindheitstraum lebendig«, sagte Heike Wulff, die mit Freundinnen aus Hamburg und Hannover zu Besuch war. Das Heimatmuseum sei der perfekte Ort für diese Ausstellung. Als kleines Mädchen hatte sie sich immer eine Puppe von Käthe Kruse gewünscht. Damals ein unbezahlbarer Traum.

»Hier, fühlen Sie, wie weich und warm diese Puppen sind«, sagte Ingrid Malinski aus Hannover und zeigte ihr Däumlinchen, eine moderne Käthe-Kruse Puppe, die auch heute nach alter Tradition genäht wird. Der Körper des kleinen Männchens mit Stoffhose und rotem Häckelpulli gibt dem Druck der Hände nach.

Weich, warm und lebensecht

Dank eines Drahtgeflechts im Inneren lassen sich Hände und Arme in jede Form bringen. »Der kann sogar gehen«, sagte Susi Teichler aus Wangelau bei Hamburg und ahmte mit seinen Beinen einen fröhlichen Spaziergang nach. Flink drehte sie das Däumlinchen zum Betrachter und grüßte mit seinen Händen.

1904 wollte die Tochter des Ehepaars Kruse eine Puppe haben. Vater Max mochte die handelsüblichen Puppen nicht. Deswegen nähte seine Frau Käthe eine eigene aus Geschirrtuch, Kartoffel und Stroh. Sie fertigte weitere Puppen und begann sie zu verkaufen. Das Weiche, Warme, Lebensechte behielt die Puppen immer bei.

Seltene Puppen von früher

Thomas Dahl aus Bonn ist Experte für Käthe-Kruse-Puppen. Der 55-Jährige hat zwei Bücher herausgegeben: einen Katalog und Preisführer sowie eine Geschichte über das Unternehmen von Käthe-Kruse. In seiner Werkstatt in Bonn repariert er altes Spielzeug, insbesondere Puppen.»Die Sammlung von Hans Schneider ist sehr hochwertig«, sagte er.

Hans Schneiders Frau habe bis zu ihrem Tod vor allem identische Stücke gesammelt. Im Laufe der Jahre kamen etwa 150 Puppen zusammen. Im Heimatmuseum stellte ihr Witwer etwa 120 aus, darunter sehr seltene aus der 1910-er und 1920-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

»Die Puppen erzählen Geschichten. Anhand der Exemplare in der Ausstellung können wir die kulturelle Entwicklung Deutschlands sehen«, sagte Thomas Dahl. Heute würden Kinder oft mit Plastikspielzeug aus Asien überhäuft. Dennoch würden viele sich ein Lieblingsspielzeug heraussuchen, welches sie lange begleitet. Der Wunsch nach Beständigkeit sei da. Als Puppendoktor gebe er dem Lieblingsspielzeug mit einer Reparatur wieder neues Leben.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6105708?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514631%2F