Fr., 12.10.2018

»Berliner Stadtmusikanten« kehren in die Kulturfabrik zurück – mit Video Märchenfiguren werden Gangster

Pfleger Eugen (Daniel Wagner) untersucht Frau Kuh, die »so ein Pfeifen« auf der Lunge hat – mit der Melodie von »Das ist die Berliner Luft«. Die Puppenspieler vom »Theater Zitadelle« haben das Vlothoer Publikum erneut voll für sich eingenommen.

Pfleger Eugen (Daniel Wagner) untersucht Frau Kuh, die »so ein Pfeifen« auf der Lunge hat – mit der Melodie von »Das ist die Berliner Luft«. Die Puppenspieler vom »Theater Zitadelle« haben das Vlothoer Publikum erneut voll für sich eingenommen. Foto: Heike Pabst

Von Heike Pabst

Vlotho (WB). Eine kampflustige Kuh, ein Wolf mit Holzauge, ein depressiver Spatz und eine schwer verwirrte Katze haben das Publikum in der Kulturfabrik bestens unterhalten. Auch der zweite Teil des Stücks »Berliner Stadtmusikanten« hat sich als furioser Puppenspielspaß erwiesen – der für Kinder wenig geeignet gewesen wäre.

Etliche Zuschauer haben beim ersten Vlothoer Gastspiel des Theaters Zitadelle im vergangenen Jahr die verschrobenen Figuren der »Berliner Stadtmusikanten« so ins Herz geschlossen, dass die Rückkehr in die Kulturfabrik alleine schon eine gute Nachricht war. Der zweite Teil der Geschichte bietet mehr als nur eine Fortsetzung der Handlung: Vielmehr wird der märchenhaft anmutende Stoff zur Gangsterklamotte mit viel Action.

Nachdem die Tiersenioren im ersten Teil entdeckten, dass ihre herablassenden Pfleger Gisela und Eugen (Regina und Daniel Wagner) sie bestohlen hatten, vertrieben sie sie aus dem Altersheim und eroberten sich ihre Selbstbestimmung zurück.

Kriminelles Vorleben enthüllt

Nun offenbart das Theater Zitadelle das kriminelle Vorleben des Wolfs und der Katze. Sie gehörten einst zu einem Diebes-Trio, das einen wertvollen Diamanten gestohlen hat. Doch leider ist der seither verschwunden – denn nur die Katze könnte sagen, wo er sich befindet. Und die leidet an Alzheimer.

Ihr ehemaliger Diebeskumpan, der böse Fuchs, sucht den Diamanten und schickt den Altenheimbewohnern Spitzel auf den Hals: ein redseliges Kaninchen und zwei belämmerte Schafe.

 

Bis zum unvermeidlich glücklichen Ende geizt das Ensemble nicht mit spannenden Verwicklungen. Wolf und Fuchs prallen aufeinander, Schaf Knut baggert Frau Kuh an, zwei Figuren sterben und eine kehrt ins Leben zurück – und es gibt sogar Kampfszenen (»Kuh-Fu«). Zwischendurch kommen Freunde des gepflegten Wort- und Flachwitzes ausgiebig auf ihre Kosten.

Regina Wagner spielt Hartmut Hase, das Kaninchen. Foto: Heike Pabst

Trotzdem ist immer wieder auch die Verletzbarkeit der alternden Helden zu spüren. Sie sind eben keine Witz-Figuren, sondern tragen ihre individuellen Päckchen mit Würde. Und trotz aller Unterschiede und Widrigkeiten halten Wolf, Katze, Spatz und Kuh zusammen.

Puppen geben eine Zugabe

Diese Mischung sorgt dafür, dass im Zuschauerraum heftigst gelacht und applaudiert wird – Frau Kuh und ihr Verehrer müssen für eine kurze Zugabe auf die Bühne zurückkehren.

Wer das alles verpasst hat, erhält voraussichtlich im kommenden Jahr eine weitere Chance, denn es gibt einen dritten Teil der »Berliner Stadtmusikanten«.

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