Experten aus Vlotho informieren über Erkrankungen und geben Ernährungstipps
Der Darm, ein wenig beachtetes Organ

Vlotho (WB/jg). Über die Feiertage haben die meisten Menschen gut und reichlich gegessen. Spätestens, wenn auch noch zu wenig Bewegung hinzukommt, drückt und zieht es im Bauch. Doch auch, wer in Maßen isst und Sport treibt, kennt solche Probleme. Häufig steckt der Darm dahinter. Darmgesundheit ist für viele ein Tabuthema. Das ist falsch. Das Team der Darmklinik in Vlotho-Exter weiß, warum man dem Darm mehr Beachtung schenken muss.

Mittwoch, 16.01.2019, 10:04 Uhr aktualisiert: 16.01.2019, 11:40 Uhr
Stress, falsche Ernährung oder Medikamente können das empfindliche Gleichgewicht des Darms durcheinander bringen. Betroffene scheuen oft den Gang zum Arzt. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa
Stress, falsche Ernährung oder Medikamente können das empfindliche Gleichgewicht des Darms durcheinander bringen. Betroffene scheuen oft den Gang zum Arzt. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa

Der Darm verfügt über ein eigenständiges Nervensystem mit etwa 200 Millionen Nervenzellen und sorgt dafür, dass unser Körper die Nährstoffe verwerten kann und dass es mit der Verdauung möglichst reibungslos klappt.

Darmgesundheit

Zu den Expertinnen der Darmklinik Exter gehört Dr. Nicole Steenfatt, die auf Reizdarm und Darmkrebsprävention spezialisiert ist: »Unsere Patientenstruktur belegt, dass immer mehr Menschen unter 50 Jahren unter einem Reizdarm leiden und dass Darmkrebs in der jungen Bevölkerung von 25. bis 49. Lebensjahr zunimmt.« Durch Stress, falsche Ernährung oder Medikamente könne das empfindliche Gleichgewicht des Darms durcheinandergebracht werden. Der Darm reagiere mit Krämpfen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, erklärt die Medizinerin. Zunächst werden die Symptome schulmedizinisch abgeklärt. Stuhl-, Blut- und Urinproben geben Auskunft über den Gesundheitszustand, auch eine Darmspiegelung hilft bei der Diagnostik.

Die anschließende Behandlung in ihrem Haus besteht aus mehreren Stufen: In der Ernährungsbegleitung erhält der Patient ein auf ihn individuell abgestimmtes Konzept. Mit Darmmassagen wird die Durchblutung und Darmtätigkeit zusätzlich gefördert und der Patient wird von einem »Stresscoach« kinesiologisch betreut, um Stress und Druck gezielt abzubauen und einem Blähbauch dauerhaft entgegenzuwirken. Die Kombination aus richtiger Ernährung, Stressreduktion, Bewegung und Entspannung sorge auf die Dauer für ein gesteigertes Wohlbefinden und mehr Leistungsfähigkeit, so die Expertin.

Glückshormone

Für die Verdauung ist es wichtig, dass der Speisebrei von den Zähnen gut zerkleinert wird. Nur dann können Enzyme die Nahrungsbestandteile aufschlüsseln und durch die Darmwand ins Blut schleusen. Darmbakterien helfen dabei, Nahrungsbausteine zu zerlegen, welche die Enzyme allein nicht schaffen. In der Darmflora leben aber auch solche Bakterien, die zum Beispiel für Durchfall oder Blähungen verantwortlich sind. Es ist daher sinnvoll, die »guten« Darmbakterien gezielt zu unterstützen, etwa durch den Verzicht auf Zucker, Fleisch und verarbeitete Lebensmittel. Gemüse, Kartoffeln und Vollkornprodukte unterstützen hingegen die wichtigen Darmbakterien und sorgen dafür, dass sie sich vermehren.

Der Darm ist auch verantwortlich für die Produktion des Glückshormons Serotonin. Damit fungiert er auch als »zweites Gehirn«. Entsprechend sensibel kann er auf Umwelteinflüsse, Stress und schlechte Ernährungsgewohnheiten reagieren. So lasse sich erklären, dass manche Menschen bei Aufregung ständig zur Toilette müssen oder dass schlechte Nachrichten »auf den Magen schlagen«. Umgekehrt habe ein entspannter Geist positive Auswirkungen.

Tipps für die Ernährung

Wer etwas für seine Darmgesundheit tun möchte, sollte vor allem auf die Ernährung achten. Ernährungsmedizinerin Dr. Nicole Steenfatt von der Darm-Klinik in Vlotho-Exter gibt einige Tipps:

Einen Esslöffel Flohsamenschalen unter 125 Gramm Joghurt mischen;

250 bis 500 Milliliter Kefir täglich;

1 Glas Wasser und 1 Esslöffel Apfelessig;

dreimal täglich eine Portion Gemüse (vor allem gekocht);

zweimal täglich eine Portion Obst (vor allem Beerenobst);

Weizen und Körner reduzieren, fein gemahlenen Dinkel oder Roggenbrot zu sich nehmen;

400 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche;

auf eine ausreichende Trinkmenge achten: zum Beispiel zwei Liter stilles Wasser pro Tag;

Heidelberger Sieben-Kräuter-Tee;

weniger Haushaltszucker verwenden, dafür mehr Reissirup oder Kokosblütenzucker;

zum Abendessen: kein Obst, keine Süßigkeiten, keine Rohkost

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Hämorrhoiden

Ein weiterer Behandlungsschwerpunkt der Darmklinik Exter ist die Therapie von Hämorrhoidalleiden. Jeder Mensch hat Hämorrhoiden, die Blutgefäße am After, die den Enddarm verschließen. Im Alltag machen sie sich normalerweise nicht weiter bemerkbar, doch es kann es manchmal passieren, dass sich Hämorrhoiden vergrößern, was dazu führt, dass der Anus nicht mehr richtig schließt. Dann wird die Haut am Anus gereizt, was zu den typischen Beschwerden wie Juckreiz, Brennen und Blutungen beim Stuhlgang führt. Viele Patienten mit einem Hämorrhoidalleiden haben Schamgefühle und vermeiden lange Zeit den Arztbesuch.

»Diese Betroffenen versuchen es häufig mit Salben und Zäpfchen, die zwar manchmal die Symptome – also Hautreizungen und Juckreiz – lindern, aber an der Grundproblematik nichts verändern«, weiß Privatdozent Dr. Wilhelm Brühl, Leiter der Darmklinik Exter und Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie mit Zusatzbezeichnung Colo-Proktologie. »Einige nehmen zudem Abführmittel, um harten Stuhl weicher zu machen, was aber die Verdauung erst richtig aus dem Takt bringt.« Die Experten setzen daher zunächst auf eine Regulierung des Stuhlgangs. Im zweiten Schritt gibt es unterschiedliche Maßnahmen, um vergrößerte Hämorrhoiden zu entfernen. »Dies ist fast immer ohne Operation und vollkommen schmerzfrei beispielsweise durch Verödung oder eine Gummibandligatur möglich«, so Dr. Brühl. Erst bei einem weit fortgeschrittenen Hämorrhoidalleiden setzt er auch operative Maßnahmen ein, um den Normalzustand wieder herzustellen.

»Viel klüger ist es, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen«, rät Dr. Brühl. Wer rechtzeitig mit einer darmfreundlichen Ernährung, Bewegung und Entspannung bei der Ursache ansetze, verhindere nicht nur Hämorrhoiden, sondern tue seinem Darm insgesamt etwas Gutes.

Darmkrebs

Darmkrebs ist eine schleichende Gefahr. Darmkrebs entsteht aus Vorstufen, den Polypen, die zunächst gutartig sind. Darum ist die Früherkennung so wichtig, denn so können die Vorstufen erkannt und entfernt werden, bevor der Krebs entsteht. »Selbst wenn in der Familie eine erbliche Vorbelastung für Darmkrebs besteht, gehen viele nicht rechtzeitig zur Vorsorge-Darmspiegelung. Dabei ist sie eine der sichersten Untersuchungsmethoden und heutzutage völlig schmerzfrei für den Patienten«, erläutert Dr. Steenfatt und bemängelt, dass es keine offizielle Regelung dazu gibt.

Als gesetzliche Leistung wird sie seit 2002 auf Bemühungen der Felix-Burda-Stiftung hin für Versicherte ab dem 55. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen. Aus ihrer Sicht sinnvoll sei die Darmkrebsvorsorge ab einem Alter von 40 Jahren, insbesondere bei familiärer Vorbelastung.

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