Sa., 30.03.2019

Vlothoerin Tina de Meeûs tritt bei der EU-Wahl an Menschen für Europa begeistern

Tina de Meeûs ist in Vlotho-Bonneberg aufgewachsen und lebt heute in Brüssel.

Tina de Meeûs ist in Vlotho-Bonneberg aufgewachsen und lebt heute in Brüssel. Foto: Jürgen Gebhard

Von Jürgen Gebhard

Vlotho (WB). Sie ist in Vlotho aufgewachsen, hat in Düsseldorf eine Ausbildung gemacht, in Großbritannien, Italien und Frankreich studiert, lebt und arbeitet inzwischen im belgischen Brüssel. Tina de Meeûs (45) ist von Europa überzeugt. So sehr, dass sie sich vor zwei Jahren entschlossen hat, in die Politik zu gehen und nun für das EU-Parlament kandidiert.

Tina de Meeûs’ politische Heimat ist die FDP. Die liberalen Grundgedanken – Leben und Leben lassen, die Freiheit eines Jeden anerkennen und fördern, sich freiheitlich innerhalb des gesellschaftlichen Rahmens bewegen – seien auch ihre. Als Spitzenkandidatin der FDP-Auslandsgruppe (ein Zusammenschluss aller im Ausland lebender FDP-Mitglieder) tritt sie Ende Mai bei der Europawahl an. Auf der Bundesliste steht sie auf Platz 15.

Hört sich eigentlich nicht schlecht an, ist aber wenig aussichtsreich. Das weiß auch die Kandidatin: »Für Deutschland sind im EU-Parlament 96 Sitze reserviert. Da müsste die FDP schon 15 Prozent holen.« Was angesichts des 3,4 Prozent-Ergebnisses von vor fünf Jahren kaum wahrscheinlich sein dürfte. »Wir werden unser Bestes tun«, sagt Tina de Meeûs, »und ich werde auf jeden Fall weiter machen und mich für Europa engagieren«.

Klare Meinung zum Brexit

Vor einigen Tagen war sie zurück in ihrer Heimatstadt Vlotho und hat Wahlkampf für die FDP gemacht. In einer öffentlichen Kreistags-Fraktionssitzung im »Alt Heidelberg« hat sie aus eigener Erfahrung berichtet, warum Europa so wichtig für das Zusammenleben auf diesem Kontinent ist. Sie hat auch von einer Urlaubsreise nach Österreich erzählt: An der Grenze habe sie ihren staunenden Kinder von den langen Staus vor der Einreise und der Passkontrolle berichtet, die sie noch in ihrer eigenen Kindheit erlebt hatte: »Für die jungen Leute heute ist das unvorstellbar. Sie profitieren von der Freizügigkeit. Sie können recht einfach in Europa studieren und arbeiten.« Ein anderes Beispiel: die Abschaffung der hohen Roaming-Gebühren bei Handy-Telefonaten in Europa: »Noch eine Errungenschaft der EU.« Tina de Meeûs verweist dann auf »extrem hohe« einheitliche Lebensmittelstandards innerhalb der EU, so sei der Import von Hormonfleisch verboten: »Das alles nehmen wir heute ganz selbstverständlich hin.«

In der Versammlung wird sie zum Thema Brexit gefragt. Hier hat sie eine klare Meinung: Wer aus der EU austritt, könne nur verlieren. Natürlich sei noch längst nicht alles perfekt und vieles in der EU sei zu bürokratisch geregelt. Auch für die jungen Leute könnte noch mehr getan werden, Stichwort Bildungsfreiheit: »Warum sollte es nicht möglich sein, einen Teil der beruflichen Ausbildung irgendwo anders in Europa zu machen?«

Tina de Meeûs arbeitet heute als selbstständiger Coach für Teams und Führungskräfte. Am Weser-Gymnasium war sie keine besonders gute Schülerin. In der Mittelstufe hatte sie die Fünfen in Französisch und Mathe für sich reserviert. Die Abiturprüfung machte sie mit Deutsch, Pädagogik, Mathe und Sozialwissenschaften. Tina de Meeûs, die damals noch Tina Müller hieß, schaffte 2,7 als Durchschnittsnote.

Auf dem Bonneberg aufgewachsen

Die überzeugte Europäerin stammt vom Bonneberg. Ihr Großvater hatte die Möbelfabrik Sellmann gegründet. Mutter Gertrud Müller-Sellmann war bis zur Insolvenz 1987 Geschäftsführerin. Einige Jahre später wurde die Fabrik umgebaut. Das Best-Western-Hotel und einige kleinere Firmen zogen ein. Nach dem Abitur ging Tina Müller nach Düsseldorf, um Einzelhandelskauffrau für Damenmode zu werden. Die Ausbildung sei super gewesen und habe viel Spaß gemacht. Die junge Frau aus Vlotho bestand mit der Note »Sehr gut«. Sie studierte in London Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Europa und belegte Gastsemester in Italien und Frankreich. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie in London in der Unternehmens-Kommunikation. Weil sie einen »furchtbaren Chef« gehabt habe, erlernte sie einen dritten Beruf: »So bin ich zum Coaching gekommen.«

Tina de Meeûs heiratete, zog von London nach Brüssel, wo sie mit Ehemann und drei Kindern lebt und arbeitet. »Das Umziehen, das Studieren und das Arbeiten innerhalb der EU geht ganz einfach«, stellt sie fest. Ihre guten Erfahrungen möchte sie weitergeben: »Das war für mich vor zwei Jahren der Grund, in die Politik zu gehen«.

Egal, wie die Europawahl auch ausgehen wird, Tina de Meeûs will sich weiterhin für Europa einsetzen: »Ich möchte eine Stimme für die EU sein und möchte die Menschen für Europa begeistern.«

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