Di., 30.04.2019

Elisabeth Petzholdt nimmt Gäste des Heimatvereins mit auf Tour durch das alte Vlotho So kauften unsere Großeltern ein

Sie spielen einen Einkauf im Tante-Emma-Laden des Heimatmuseums nach (von links): Stadtführerin Elisabeth Petzholdt, Vereinsvorsitzender Kurt Knäble und Inge Wienecke

Sie spielen einen Einkauf im Tante-Emma-Laden des Heimatmuseums nach (von links): Stadtführerin Elisabeth Petzholdt, Vereinsvorsitzender Kurt Knäble und Inge Wienecke Foto: Frank Lemke

Von Frank Lemke

Vlotho (WB). Einst war Vlotho eine blühende Handelsstadt. Im Hafen lagen die Schiffe. Auf dem Marktplatz priesen Händler ihre Waren an. Hausfrauen sprachen in den Läden über den neuesten Klatsch. Heute ist es stiller geworden. Der Heimatverein hat mit Elisabeth Petzholdt die alte Zeit wieder aufleben lassen.

Im Tante-Emma-Laden des Heimatmuseums inszenierten die Mitglieder des Vereins eine typische Situation der 50er Jahre: »Frau Wienecke, was darf es sein? Ein Pfund Zucker?«, fragte Elisabeth Petzholdt. Sie spielte die Verkäuferin, die ihre Kundin gut kennt. Inge Wienecke trat als Hausfrau auf, die ihren wöchentlichen Einkauf macht. »Ein halbes Pfund genügt. Ich brauche dazu noch drei Löffel Senf und Essig«, antwortete sie.

Während Elisabeth Petzholdt die Waren einpackte, sprachen die beiden über die Neuigkeiten der Stadt: Der Arzt vom Haus Malz kümmert sich gut um seine Patienten, Vater isst so gerne Soleier und die Frau Gerke oben vom Berg will einen lippischen Bauern heiraten. »Ne, wirklich? Die ist doch so etepetete. Ich dachte, für die kommt nur ein Beamter in Frage«, sagte Inge Wienecke. »Jeder, was er verdient. Ach, der soll gut was an den Füßen haben. Die macht bestimmt eine gute Partie«, antwortete Elisabeth Petzholdt.

Zucker, Senf und Essig – das machte 1,70 Mark, »noch Heringe?« Die seien frisch, »nein, danke«. Die Ladentür klingelte und Kurt Knäble kam herein. Der nahm den Hering gerne. »Ich kann meine Schwiegermutter nicht ausstehen. Aber die macht so tollen Rollmops. Deswegen ist sie mir dann doch lieb und teuer«, sagte der Ehemann, der heute ausnahmsweise den Einkauf für seine kranke Frau machte.

»Schreibst du es mir an, Elisabeth? Die Woche ist für meinen Lohn einfach zu kurz.« Das Anschreiben war in alter Zeit üblich. Jede Woche bekamen die Arbeiter der Stadt ihre Lohntüten ausgezahlt. Das Leben war einfach. Die meisten mussten sich bescheiden. Rollmöpse, ein Braten oder eine gute Zigarre waren etwas Besonderes.

Das Schauspiel im Heimatmuseum war Teil einer Stadtführung, bei der Elisabeth Petzholdt den 24 Gästen die reiche Geschichte Vlothos schilderte. Die Tour ging beim Haus Malz los. Einst hatte Vlotho mehr als 20 Läden. Wer durch die Lange Straße schlenderte, konnte alles für den täglichen Bedarf finden. »Heute haben wir uns daran gewöhnt, im Internet einzukaufen«, sagte Elisabeth Petzholdt. Da sei es kein Wunder, dass die einige der letzten Geschäfte in der Innenstadt zu kämpfen hätten.

Das sei der Zeitgeist heute, so wie es vor 50 oder 100 Jahren üblich war, dass die Innenstadt voller Leben blühte: Handwerker, die ihrer Arbeit nachgingen, Hausfrauen beim Einkaufen und auf dem Straßen spielende Kinder.

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