Mi., 15.05.2019

Bis zu 35.000 Euro für Kanal- und Straßenbau in Vlotho – Bauministerin eingeschaltet Rentner fürchtet Horror-Rechnung

In der kleinen Siedlung oberhalb des Vlothoer Weser-Gymnasiums finden Kanal- und Straßenbauarbeiten statt. Hermann Kölling aus der Königsberger Straße rechnet damit, mindestens 27.000 Euro bezahlen zu müssen – möglicherweise sogar bis zu 35.000 Euro.

In der kleinen Siedlung oberhalb des Vlothoer Weser-Gymnasiums finden Kanal- und Straßenbauarbeiten statt. Hermann Kölling aus der Königsberger Straße rechnet damit, mindestens 27.000 Euro bezahlen zu müssen – möglicherweise sogar bis zu 35.000 Euro. Foto: Jürgen Gebhard

Von Jürgen Gebhard

Vlotho (WB). Die Straßenausbaubeiträge haben sich im Prinzip bewährt. Das hat NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach vor einigen Tagen bei einer CDU-Veranstaltung in Herford festgestellt (wir berichteten). Hermann Kölling sieht das ganz anders. Das hat der Rentner aus Vlotho der Ministerin persönlich gesagt. Er rechnet damit, mindestens 27.000 Euro bezahlen zu müssen. Möglicherweise bis zu 35.000 Euro.

Der 82-Jährige wohnt in seinem Eigenheim am Ende der Königsberger Straße. Die Siedlung wurde Anfang der sechziger Jahre gebaut. Eine zentrale Kanalisation gab es dort oben auf dem Winterberg damals noch nicht. Die Häuser der neuen Siedlung wurden – ganz modern – an eine gemeinsame Klärgrube angeschlossen.

Das Eigenheim von Hermann Kölling liegt am Hang, auf der Talseite. Hinter den Häusern wurde damals eine gemeinsame Abwasserleitung verlegt. Die Leitung sei marode. Dass ein Bagger durch die liebevoll angelegten Gärten fährt, um eine neue Leitung zu verlegen, sei ausgeschlossen.

Mit dem gerade gestarteten Straßenbauarbeiten soll demnächst ein Kanal vor der Haustür von Hermann Kölling verlegt werden. Wegen der Hanglage muss das Abwasser dann vom Keller hoch zur Straße gepumpt werden. Und das wird sehr teuer. Zusammen mit einem Baustoffhändler hat der ehemalige Maurer die Kosten kalkuliert: Pumpenstation 9890 Euro, Ausschachtung 300 Euro, Hausanschluss 500 Euro, Schacht 200 Euro, Druckleitung 2100 Euro, Dichtheitsprüfung 400 Euro – insgesamt 13.390 Euro.

Zusätzliche Pumpen erforderlich

Doch das ist noch nicht alles. Denn das Wasser von der hinteren Dachfläche wird noch auf dem eigenen Grundstück versickert. Das sei nun nicht mehr erlaubt, hat Hermann Kölling überraschend erfahren. Der Umbau der Dachrinne und die neue Regenwasserleitung mit Pumpe kosten nach seiner Rechnung 5300 Euro.

»Das alles sind gewaltige Summen, die die Hauseigentümer auf der gegenüberliegen, der bergseitigen Straßenseite natürlich nicht aufbringen müssen«, stellt Hermann Kölling fest. Er bedauert, dass die öffentliche Hand diese Zusatzkosten nicht übernimmt, um für eine Gleichbehandlung unter den Anliegern zu sorgen.

Gleichbehandlung gibt es bei den Straßenausbaubeiträgen, die die Stadt den Anliegern nach Abschluss der Bauarbeiten im nächsten Herbst in Rechnung stellen wird. Noch werde hier mit zwölf Euro pro Quadratmeter kalkuliert: Für Hermann Köllings 700 Quadratmeter großes Grundstück wären das 8400 Euro.

Alles zusammen sind es 27.090 Euro, die der Rentner nach dem Straßen- und Kanalbau vor seiner Haustür aufbringen müsste.

Gespräch mit der Ministerin

»Die Baukonjunktur boomt. Die Preise steigen. Wahrscheinlich wird es noch sehr viel teurer«, befürchtet er. Bei der Veranstaltung mit Ina Scharrenbach habe er von einem Fall aus Herford erfahren, bei dem sich die Straßenausbaubeiträge von ursprünglich 7,50 Euro auf 27 Euro mehr als verdreifacht hätten: »Dann müsste ich eines Tages vielleicht 35.000 Euro aufbringen.«

Hermann Kölling fordert wie viele andere Menschen in Nordrhein-Westfalen die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge. Der Bauministerin hat er seinen Fall persönlich geschildert. Sie habe seine Adresse aufgeschrieben und wolle sich um seinen Fall kümmern.

Dass die Bauministerin nun seinetwegen an den Straßenausbaubeiträgen rütteln wird, glaubt der Rentner aus Vlotho allerdings nicht: »Vielleicht kann Frau Scharrenbach mir ja erklären, woher ein ehemaliger Maurer so viel Geld nehmen soll.

Kommentar

Es sind keine Peanuts, die die Bürger zahlen müssen, wenn in ihrer Straße der Bagger anrückt. 10.000 Euro kommen da schnell zusammen. Das ist sehr viel Geld, das viele Bürger wahrscheinlich ohne zu klagen aufbringen würden. Schließlich erhalten sie auch eine Gegenleistung: Eine neue Straße und ein neuer Kanal werten das eigene Grundstück auf. Viele betroffene Bürger wären froh, wenn es »nur« bei 10.000 Euro bleiben würde. Der Fall aus der Königsberger Straße ist sicher ein Extrembeispiel. Aber der Fall zeigt auch, dass der Straßen- und Kanalbau existenzbedrohend sein kann. Das kann so nicht im Sinne des Gesetzgebers sein. Jürgen Gebhard

 

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