Mi., 29.05.2019

Vlothoer Sascha Schröder meistert »Megamarsch« – 100 Kilometer in 24 Stunden »Alles Kopfsache«

Sascha Schröder (vorne links), dahinter Jens Heilmann und das übrige Uffelner Team vor dem Start in Rinteln. 100 Kilometer in 24 Stunden sollten auf dem Megamarsch erwandert werden.

Sascha Schröder (vorne links), dahinter Jens Heilmann und das übrige Uffelner Team vor dem Start in Rinteln. 100 Kilometer in 24 Stunden sollten auf dem Megamarsch erwandert werden.

Von Joachim Burek

Vlotho (WB). Erschöpft, Blasen an den Füßen, aber glücklich und stolz auf das Geschaffte. »Ein Gefühl zwischen Tortur und Euphorie«, beschreibt Sascha Schröder seine Emotionen auf den letzten Kilometern und nach der Zielankunft. 100 Kilometer ist der 45-jährige Vlothoer beim »Megamarsch Weserbergland« in weniger als 24 Stunden gewandert. – Eine »Challenge«, die ihn bis ans Limit führte.

Erstmals hatte dieser Wandermarathon am vergangenen Wochenende Station in der Region gemacht. Die Strecke sollte die 1610 Teilnehmer von Rinteln über Hameln, Emmerthal und zurück nach Rinteln führen. Aufgerufen dazu hatten das Mönchengladbacher Unternehmen »hundert24GmbH« als Veranstalter und das Touristikzentrum Westliches Weserbergland als Kooperationspartner. Seit 2017 gibt es das Wander-Event schon, das bereits in Städten wie Hamburg, München, Berlin, Frankfurt, Köln und auch auf Sylt stattgefunden hat.

Spontane Idee

»Den Vorschlag daran teilzunehmen, machte Sebastian Sellmann beim Training des TuS Jahn Uffeln«, berichtet Schröder. Anfangs noch als verrückte Idee belächelt hätten er und die anderen Fußballer sich immer mehr mit der Idee befasst. Schröder: »Dann stand fest: Wir machen mit.«

Intensive Vorbereitung

Rasch hatte sich um Sascha Schröder eine TuS-Jahn-Wandergruppe mit Sebastian Sellmann, Jens Heilmann, Björn Steinhagen, Sebastian Gerfen, Volker Hartwig und Andreas Schöps zusammen gefunden. Zur Vorbereitung hätten sie mehrere Trainingswanderungen zunächst über 25 Kilometer, später über 38 und dann über 60 Kilometer entlang der Route Emmerthal, Aerzen, Extertal und Rinteln absolviert. »Immer nachts, damit wir das mit unseren Arbeitszeiten vereinbaren konnten. Das war gewöhnungsbedürftig«, berichtet der Vlothoer Versicherungskaufmann, der sich sonst mit Fußball sowie mit Stadtläufen fit hält und auch schon beim Herrmannslauf mitgemacht hat.

Start in Rinteln

Am vergangenen Samstag war es soweit: Vom Marktplatz in Rinteln gingen die Uffelner Wanderer um 16.30 Uhr in der zweiten Startgruppe auf die Strecke, ausgerüstet mit Sporkleidung, Laufschuhen und acht Kilo Gepäck im Rucksack. »Eine Zwei-Liter-Blase mit Schlauchverbindung für die Wasserversorgung, Powerriegel, Stirnlampe, Socken zum Wechseln und Hirschtalg für die Füße hatte ich eingepackt«, so Schröder. Da die Route laut Behördenauflage doch nicht über den Weserbergland-Kamm führen durfte, ging es entlang der Weser 85 Kilometer über Beton und die restliche Strecke über Schotter- und Waldwege.

Zügiges Wandertempo

»Das Tempo war zügig. Um die Strecke in 24 Stunden zu schaffen, waren 4,16 Kilometer pro Stunde das Minimum. Um Pausen machen zu können, hatten wir uns sechs Kilometer pro Stunde zum Ziel gesetzt«, berichten Schröder und Heilmann. Im Team sei es gut voran gegangen. Alle hätten sich angefeuert. Doch bei Kilometer 60 sei für viele die Grenze erreicht gewesen. Schröder: »Da war ich plötzlich allein auf der Strecke.« Doch der Spruch auf der 60-Kilometer Marke »Wenn du heute aufgibst, weißt du morgen nicht, ob du es geschafft hättest« motivierte ihn zum Durchhalten. »Das ist alles nur Kopfsache. Dort wird über Ankommen oder Aufgeben entschieden«, weiß der Sportler.

Endspurt

Nach der Pause bei Kilometer 80 wäre es dann doch fast passiert. Auf dem 81. Kilometer sei er sehr schwer wieder in die Gänge gekommen. »Alles tat weh.« Insbesondere eine Blase am kleinen Zeh, die er dann aufgestochen habe, habe ihn behindert. Doch seine Familie und Freunde hätten ihn über Live-Tracker immer wieder angefeuert. Zehn Kilometer vor dem Ziel hätten Bekannte auf ihn mit einer Versorgungsstation gewartet. Schröder: »Das hat mir noch einmal einen Schub gegeben. Ich wollte ankommen, fühlte mich meinem Team verpflichtet.« Die letzten drei Kilometer seien aber noch mal eine richtige Quälerei gewesen. 500 Meter vor dem Ziel hätten seine Frau und die Kinder gewartet. »Am Sonntag um 15.37 Uhr sind wir dann ins Ziel gelaufen. »Das war ein überwältigender Moment, Euphorie pur.« Nach 23 Stunden und sieben Minuten hatte er die 100 Kilometer geschafft, als einer von 448. Urkunde, Medaille sowie Teilnahme- und Ankunftsstempel gab es zur Belohnung – und ein kühles Weizen.

Auch ein Gruppenerfolg

Eine erneute Teilnahme am Marathon wird es für Sascha Schröder nicht geben: »Ich habe meine Leistungsgrenze ausgetestet und die Herausforderung gemeistert, nicht zuletzt auch dank der ganzen Gruppe. Das muss reichen.« Teamkollege Jens Heilmann will dagegen noch einmal einen Anlauf unternehmen. »Wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich es noch einmal versuchen. Denn ich will die 100 Kilometer auf jeden Fall auch schaffen.«

 

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