Fr., 07.06.2019

Leiterin der Vlothoer Einrichtung gekündigt, Vorstand zerstritten Was wird aus der Wald-Kita?

An der Oberbecksener Straße zwischen Vlotho und Bad Oeynhausen hat der Verein »Waldkindergarten Vlotho e.V.« im Spätsommer 2018 eine Kita eröffnet.

An der Oberbecksener Straße zwischen Vlotho und Bad Oeynhausen hat der Verein »Waldkindergarten Vlotho e.V.« im Spätsommer 2018 eine Kita eröffnet. Foto: Jürgen Gebhard

Von Jürgen Gebhard   und Heike Pabst

Vlotho (WB). »Die friedlichen Haselmäuse« steht in großen Buchstaben auf der Eingangspforte zum Waldkindergarten. Doch friedlich geht es im Trägerverein, dem »Waldkindergarten Vlotho e.V.«, nicht mehr zu. Nach der Kündigung der pädagogischen Leiterin kam es zum Streit. Was aus der Kita wird, ist ungewiss.

Der Reihe nach: Der Waldkindergarten an der Oberbecksener Straße wurde im Spätsommer 2018 mit einer Gruppe (20 Kinder) eröffnet . Initiator Dirk Jesse wurde zum ersten Vorsitzenden des Trägervereins »Waldkindergarten Vlotho e.V.« gewählt – mit ihm im vierköpfigen Vorstand Angela Maniscalco als zweite Vorsitzende, Martin Cygon als Kassierer und eine Schriftführerin, die – so der Vorsitzende – schon länger nicht aktiv gewesen sei.

Als der Kindergartenleiterin im März per Vorstandsbeschluss (aber gegen die Stimme der zweiten Vorsitzenden) gekündigt worden sei, kam es offenbar zum Streit und zur Unruhe bei den Eltern. »Wir haben uns schwer getan mit der Kündigung«, sagt Martin Cygon auf Anfrage. Zu den Gründen dürften sich die Vorstandsmitglieder nicht öffentlich äußern.

Vermittlungsversuch im Rathaus

Die zweite Vorsitzende Angela Maniscalco habe dann im März während des Urlaubs des ersten Vorsitzenden eine Mitgliederversammlung zu der Personalangelegenheit einberufen, die später abgesagt wurde. Ein daraufhin durch die zweite Vorsitzende gestellter Antrag auf Einsetzung eines Notvorstandes sei vom Amtsgericht abgelehnt worden.

Bürgermeister Rocco Wilken wurde um Vermittlung gebeten. Am 22. Mai fand ein eineinhalbstündiges Gespräch im Rathaus statt. An ihm nahm auch Britta Koch-Linnenbeker als Fachbereichsleiterin Schule und Kindergärten teil. »Außerdem die beiden noch aktiven Vorstandsmitglieder Dirk Jesse und Martin Cygon sowie fünf Vertreter der anderen Seite«, sagt der Bürgermeister. Er regte an, über eine Übergabe des Waldkindergartens an einen neuen Träger nachzudenken.

Rocco Wilken: » Als Stadt geht es uns darum, dass das besondere Angebot des Waldkindergartens auf Dauer erhalten bleibt .« Trotz der »angespannten Situation« hätten sich beide Seiten auf einen »gemeinsamen Fahrplan« geeinigt: Bei einer Mitgliederversammlung am 4. Juni sollten Aussprache und Wahlen stattfinden. Wegen einer Erweiterung der Tagesordnung sei dieser Termin auf den 26. Juni verschoben worden, sagt Dirk Jesse: »Um dort rechtssichere Entscheidungen zu treffen, war es wichtig, die vorgeschriebene Ladungsfrist einzuhalten.«

Versammlung der Eltern

Am 4. Juni versammelten sich dennoch zahlreiche Eltern im Gemeindehaus St. Stephan. Dirk Jesse: »Ich wollte dort an dem Abend Tischtennis spielen und war deshalb zufällig auch im Geimendehaus.« Er habe die Eltern darauf hingewiesen, dass die Versammlung abgesagt sei. Die Versammlungsleiterin habe trotzdem weitergemacht. Was dort besprochen oder entschieden worden sei, wisse er nicht: »Ich vermute, dass es dort darum ging, einen neuen Trägerverein für den Waldkindergarten zu gründen.«

»Sehr verfahrene Situation«

Vorsitzender Dirk Jesse: »Die Situation ist inzwischen sehr verfahren. Ich weiß nicht, wie es jetzt mit unserem Waldkindergarten weiter geht. Mir ist nur noch wichtig, dass die Kinder weiterhin im Wald spielen können.«

Martin Cygon verweist darauf, dass Fachpersonal fehlt: »Wir haben keine Mitarbeiter mehr.« Anne Stoppe habe die Leitung übernommen, dennoch laufe der Betrieb »nur sporadisch«, personelle Lücken würden durch Improvisation überbrückt. Das Landesjugendamt werde dem Kindergarten wohl die Betriebserlaubnis entziehen, vermutet er. »Wir haben alles versucht, es zu retten, aber jetzt können wir nicht mehr weiter.« Der Verein habe jedoch keine finanziellen Probleme. »Wir haben genug Geld, um mit den Kindern da oben was Tolles zu machen.«

Angela Maniscalco wollte sich auf Anfrage nicht zur Entwicklung im Waldkindergarten äußern oder Angaben bestätigen. Sie habe mit den Eltern gesprochen. Die Eltern würden in den »nächsten Tagen« eine Stellungnahme abgeben.

Kommentar

Wenige Monate nach dem Start steht der Waldkindergarten vor einer ungewissen Zukunft. Mit dem Rauswurf der Leiterin geriet die Kita in schwere See. Es war richtig, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Der Vorschlag des Bürgermeisters, einen erfahrenen Kita-Träger ins Boot zu holen, könnte die Wogen glätten. Eine andere Alternative, hier in sicheres Fahrwasser zu kommen, könnte ein nach allen Regeln des Vereinsrechts gewählter neuer Vorstand sein. Wichtig für die Kinder ist nur, dass der Waldkindergarten nicht untergeht. Jürgen Gebhard

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