Fr., 12.07.2019

Friseursalons suchen immer öfter nach zusätzlichen Einnahmequellen »Haare schön« reicht nicht

Zöpfe flechten, Wimpern schneiden, Haare waschen, den Bart in Form bringen: Damit allein verdienen die Inhaber von Friseursalons häufiger nicht mehr genug Geld. Sie suchen nach Wegen, mit neuen Angeboten zusätzlichen Umsatz zu schaffen.

Zöpfe flechten, Wimpern schneiden, Haare waschen, den Bart in Form bringen: Damit allein verdienen die Inhaber von Friseursalons häufiger nicht mehr genug Geld. Sie suchen nach Wegen, mit neuen Angeboten zusätzlichen Umsatz zu schaffen. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld/Vlotho  (WB). Die Haare schön zu machen ist immer noch die wichtigste Aufgabe der Friseure. Doch unter dem wirtschaftlichen Druck erweitern immer mehr ihr Angebot oder versuchen auf anderen Wegen, die Einnahmen zu erhöhen.

Dazu gehört sogar, dass Friseursalons auch in OWL offenbar verstärkt Stühle an Kolleginnen oder Kollegen untervermieten. Von denen bewegen sich einige allerdings am Rande dessen, was rechtlich zulässig ist. Wie Olaf Kraußlach aus Vlotho, langjähriger Obermeister der Friseur- und Kosmetik-Innung Herford und Vizepräsident des Unternehmerverbandes Handwerk NRW, kritisiert, »vergessen sie gern«, dass auch jemand, der nur einen Friseurstuhl in einem Salon anmiete, einen Betrieb führe und deshalb den Meisterbrief besitzen müsse.

Von 2017 bis 2018 ist der Durchschnittspreis für einen Nasshaarschnitt bei Männern von 21,20 auf 22,90 und bei Frauen von 27,20 auf 29,70 Euro gestiegen. »Die Erhöhungen sind dringend notwendig«, sagt Markus Turri, Obermeister der Friseurinnung Bielefeld, und verweist auf höhere Vergütungen für Fachkräfte und Auszubildende. Mit zehn Euro, wie manche Billigfriseure für einen Haarschnitt offerieren, könne jedenfalls kein Betrieb überleben.

Preiserhöhungen haben öfter zur Folge, dass Kunden den Zeitraum zwischen zwei Friseurterminen strecken. So springt für den Handwerker am Ende nicht viel heraus. Lohnender ist der Verkauf von Zusatzleistungen. Kopfmassagen stehen, besonders bei Männern, hoch im Kurs, heißt es. Handmassagen und kleine Make-ups können das Angebot abrunden und den Umsatz erhöhen.

Neue Färbemittel erzeugen besondere Effekte

Bettina Niese, Inhaberin eines Friseursalons in Bielefeld und Mitglied der Vollversammlung der OWL-Handwerkskammer, sieht auch beim eigentlichen Friseurdienst zusätzliche Einnahmemöglichkeiten. Unter anderem gebe es neue Färbemittel, die das Haar besser schonten oder besondere Farbeffekte erzeugten. Der Friseur müsse in diesem Fall nur seine Kompetenz ausspielen. Eine spezielle Farbe für Augenbrauen und Wimpern könne neuerdings auch fürs Barthaar eingesetzt werden – »eine Kombination, die Männer sehr mögen«, sagt Niese. Für den Salon sei dies besonders wichtig, da Männer heute mehr Geld in Körperpflege investierten als früher. Außerdem könnten die Friseure deutlich machen, dass sie auch in Sachen Bartpflege kompetent seien und die Kunden nicht noch extra einen Barber-Shop aufsuchen müssten. Deren Zahl steigt seit einiger Zeit deutlich.

Einrichtung einer Lounge

Um sich attraktiv zu machen, verfallen einige Friseure neuerdings auf Ideen weit abseits von Waschen, Schneiden und Föhnen. Dazu gehören etwa die Einrichtung einer Lounge, wo man eine Zigarre raucht. Oder Whisky verkostet. Oder Wein. Oder wo man sich ein Bierchen genehmigt. Aus Kraußlachs Sicht sollte aber das Friseurhandwerk immer noch im Mittelpunkt stehen. »Außerdem«, so erklärt er, »vergessen manche, dass sie, wenn sie etwa Getränke ausschenken, dafür auch eine Konzession benötigen.«

Dass die Friseure unter wirtschaftlichem Druck nach neuen Umsatzmöglichkeiten Ausschau halten, kommt auch bei der Industrie an. Marcel Klöpping, Pressesprecher der Dr.-Wolff-Gruppe, zu der die Friseurmarke Alcina gehört, berichtet von wachsendem Interesse an den Workshops, die das Bielefelder Unternehmen anbietet. Im Übrigen könnte sich der Friseursalon auch für den Verkauf von Haarschmuck eignen. Im Trend sind in dieser Saison dem Vernehmen nach Haarspangen, die mit Perlen besetzt sind.

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