Mi., 14.08.2019

Finnische Idee des »Restaurant Day« erreicht Exter – Silke Linke lädt in ihren Garten ein Dieses Café öffnet nur für einen Tag

Mutter Silke Linke (links) bekommt ganz viel Unterstützung von ihrer Familie: Auch Tochter Eva Linke (20) wird am »Restaurant Day« kommenden Samstag mit dabei sein und den Gästen Kuchen und Torten und Getränke servieren.

Mutter Silke Linke (links) bekommt ganz viel Unterstützung von ihrer Familie: Auch Tochter Eva Linke (20) wird am »Restaurant Day« kommenden Samstag mit dabei sein und den Gästen Kuchen und Torten und Getränke servieren. Foto: Heike Pabst

Von Heike Pabst

Vlotho (WB). Ein eigenes Café! Das ist für viele Menschen ein unerreichbarer Traum. Auch Silke Linke spielt schon seit Jahren mit diesem Gedanken – und nun setzt sie die Idee in die Tat um. Für einen Tag eröffnet die Exteranerin ein Café in ihrem Garten.

Fast jedes Wochenende steht Silke Linke in ihrer Küche und backt. Mutters Eigenkreationen, die liebevoll gestalteten Kuchen und Torten, gehören für die ganze Familie einfach dazu.

Als die 51-jährige Steuerfachangestellte nun mit ihrem Mann Paul, der 20-jährigen Tochter Eva und dem 14-jährigen Sohn Paul auf Föhr im Urlaub war, traf sie eine Idee aus Finnland wie ein Blitz.

»Ich lag schon im Bett, da hörte ich von unten meine Mutter rufen«, erinnert sich Eva Linke und lächelt. Grund für den Aufruhr war ein Zeitungsartikel im Heft »Wir Insulaner«, den Paul Linke gefunden hatte. Darin wurde über ein Künstler-Ehepaar auf der Insel berichtet, das sich an der Aktion »Restaurant for a day« beteiligen und aus seinem Küchenfenster heraus Speisen in der Farbe Rot verteilen wollte. »Das wäre doch was für dich«, sagte Paul Linke zu seiner Frau.

Am Strand über Torten nachgegrübelt

Offenbar hat er damit nur allzu recht gehabt. Silke Linke war erwartungsgemäß Feuer und Flamme, und die ganze Familie erwärmte sich ebenfalls dafür. Eva Linke erzählt: »Wir haben uns am nächsten Tag am Strand alle zusammen überlegt, welche Torten man da anbieten könnte.«

Wieder zu Hause, recherchierten die Linkes im Internet weiter zum »Restaurant-Day« und registrierten ihre Teilnahme in einer offiziellen Datenbank der Aktion. Bei dem weltweiten »Karneval des Essens« kann sich jeder Einladende einen Tag lang selbst verwirklichen. »Manche eröffnen ihre Restaurants im Park, andere verteilen Essen aus dem Kofferraum heraus«, sagt Silke Linke. Ihre Gäste sollen es da aber deutlich kuscheliger haben. Sie lädt für Samstag, 17. August, ab 14.30 Uhr unter dem Titel »Café für einen Tag« alle Neugierigen in ihren Garten und auf die Terrasse in der Straße »Am Mühlenhof 32« ein.

Bei schlechtem Wetter im Carport

Dort können sich die Besucher auf gemütliche Gartenmöbel und sogar in einen Strandkorb setzen. »Plätze gibt es genügend«, sagt Silke Linke. »Wenn das Wetter nicht mitspielt, machen wir das Carport auf.« Eva Linke wird ihrer Mutter beim Backen helfen, Vater und Sohn kochen Kaffee. Auch andere Getränke werden ausgegeben – kostenlos. Wer mag, kann sich mit einer Spende dankbar zeigen.

Warum sie sich die ganze Mühe macht, ist für Silke Linke keine Frage: »Einfach aus Spaß und Freude.« Vielleicht könne man auf diese Weise ja auch noch neue Leute kennenlernen. »Ich hoffe nicht nur auf Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn«, so die Gastgeberin. »Vielleicht kommen auch Menschen aus dem ganzen Stadtgebiet, das wäre schön!«

Wenn das Eintags-Café besonders gut ankommt und sich die Tortenfülle dem Ende neigt, »dann kann ich schnell noch Waffelteig zaubern«. Generell gilt aber: »Wenn alle, dann alle«.

Auch für den nächsten »Restaurant-Day« am 17. November hat Silke Linke sich schon angemeldet: Dann möchte sie in Exter ihre Gäste mit Waffeln und Punsch verwöhnen.

 

Zum Hintergrund: Restaurant-Day

Timo Santala und Antti Tuomola sind schuld. Vor acht Jahren wollten die beiden Finnen ein Restaurant eröffnen, doch sie scheiterten an bürokratischen Hürden. Im Mai 2011 taten sie es aus Protest einfach trotzdem – und betrieben in Helsinki für einen Tag eine Fahrradbar. Da hatten sich ihnen bereits etliche Mitstreiter angeschlossen.

Der »Ravintolapäivä« war geboren. Seitdem hat sich die Idee weltweit verbreitet: Schon in 64 Ländern wurden so genannte »Pop-Up-Restaurants« eröffnet, die am nächsten Tag wieder verschwunden sind. Eine grundlegende Motivation dazu ist, mit bürgerschaftlichem Engagement und Kreativität öffentliche Räume zu erobern.

Inhaltlich gibt es keine Vorgaben, möglich ist, was den Mitwirkenden gefällt. Mittlerweile hat sich ein Rhythmus entwickelt: Jeweils am dritten Samstag im Februar, Mai, August, November ist »Restaurant-Day«. Teilnehmer können sich vorab auf einer Homepage registrieren, damit sie mittels einer Karte der Teilnehmer auch besser gefunden werden können.

 

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