Di., 20.08.2019

Verein hat in dieser Saison 3000 Gäste durch die Stollenanlage an der Porta geführt Gedenkstätte im Berg

300 Tonnen Schweröl sollten täglich im Berg in Schmieröl verarbeitet werden. Im so genannten C-Stollen war die Bandfilteranlage für die Raffinerie aufgebaut.

300 Tonnen Schweröl sollten täglich im Berg in Schmieröl verarbeitet werden. Im so genannten C-Stollen war die Bandfilteranlage für die Raffinerie aufgebaut. Foto: Jürgen Gebhard

Von Jürgen Gebhard

Porta Westfalica (WB). Tag für Tag 12 Stunden Arbeit unter Tage, zehn Grad Kälte, feuchte Luft, viel zu wenig Essen, ständige Bewachung durch die SS, Angst vor Schlägen und Hinrichtungen: Unter unmenschlichen Bedingungen haben KZ-Häftlinge ab 1944 alte Stollen im Jakobsberg für die Rüstungsindustrie ausgebaut.

»Vernichtung durch Arbeit« war die Parole . Was in den letzten 14 Monaten des Zweiten Weltkriegs in der »Untertageverlagerung Dachs 1« geschah, wurde lange verschwiegen . Nur einige Abenteurer drangen in die gewaltigen Stollen ein, um ihr Geheimnis zu erkunden. Vor zehn Jahren gründete sich der Verein »KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica e.V.«. Erster Vorsitzender ist der Bürgermeister, seine Sprecherin Babette Lissner ist auch für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zuständig.

Im Berg leben Fledermäuse. Der Verein darf deshalb nur in den Monaten Juni bis August öffentliche Führungen anbieten. Und die sind extrem beliebt, weiß Babette Lissner: »In diesem Sommer konnten an 22 Tagen in 136 Führungen mehr als 3000 Gäste durch den Gedenkort geführt werden.« Ermöglicht werde das alles durch den großen Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer des Vereins.

Anmeldungen für Führungen

Mehr als 1000 Arbeitsstunden haben Vereinsmitglieder in den vergangenen Monaten in Sicherungsmaßnahmen investiert. Die Gesamtkosten in Höhe von knapp 60.000 Euro konnten durch die Spenden der Führungsteilnehmer gedeckt werden. Der Verein möchte irgendwann aus dem Gedenkort eine Gedenkstätte machen. »Für Ausstellungen und Seminare brauchen wir dann zusätzliche Räumlichkeiten«, sagt Geschäftsführer Thomas Lange.

In den Stollen im Jakobsberg sollten Schmieröl und Flugzeugteile hergestellt werden. Die Produktionsstätte ist nie in Betrieb gegangen.

Wer Interesse an einer Führung hat, kann sich auf der Homepage www.gedenkstaette-porta.de anmelden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6860948?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514631%2F