Sa., 24.08.2019

Dr. Holger Schettler und Frank Bell erinnern sich an Dreharbeiten zum Festivalfilm Digitalisierte Nostalgie

Dr. Holger Schettler (links) und Frank Bell freuen sich auf die Wiederaufführung des Films.

Dr. Holger Schettler (links) und Frank Bell freuen sich auf die Wiederaufführung des Films. Foto: Thomas F. Starke

Von Heike Pabst

Vlotho (WB). Mit der Kamera auf der Schulter war Frank Bell 1977 in Vlotho dabei, als drei Tage lang 30.000 Menschen auf dem Amtshausberg rockten, feierten und nackt Polonaise tanzten. »Es war unser erster professioneller Film«, sagt er. »Wir haben dabei unheimlich viel gelernt und auch Lehrgeld bezahlt.«

1978 hat »Vlotho – Umsonst & Draußen 1977« in der Bielefelder »Kamera« Premiere gefeiert, jetzt kommt der restaurierte Streifen zurück auf den Bildschirm : nämlich am Montagmorgen, 0.45 Uhr, in der WDR-Sendung »Rockpalast«. Anlass für Frank Bell, Michael Wiegert-Wegener und Dr. Holger Schettler von der Stiftung »Tri-Ergon Filmwerk«, auf die Dreharbeiten zurückzuschauen.

»Wir haben schon als Kinder auf Doppel-8 Filme gemacht«, sagt Frank Bell. »Das Filmen war unser Hobby«. Mitte der 1970er Jahre arbeiteten Frank Bell und Dr. Schettler zwar in anderen Brotberufen. Schettler: »Ich war bei der Polizei und Frank arbeitete als Redakteur in Büren, Michael Wiegert-Wegener studierte noch.« Aber, ehrlich gesagt: »Unsere Berufe waren nebensächlich, wir waren filmverrückt«, so Frank Bell.

Zu wenig Geld, zu wenig Kameras

Blick ins Publikum: Es wird enthusiastisch getanzt. Foto: Peter Bünermann Stiftung Tri-Ergon Filmwerk

Nur so lässt sich die Entstehung des dokumentarischen Films über das Vlothoer Festival erklären. Denn die Amateurfilmgruppe rund um die drei Freunde hatte kaum Geld und zu wenig Kameras. Trotzdem nahmen sie den Vorschlag aus ihrem Umfeld begeistert auf, das »Umsonst & Draußen« auf Zelluloid zu bannen.

Sie schafften es, die notwendigen Mittel zusammenzukratzen. Der Film kostete sie schließlich mehr als 30.000 D-Mark. Sie schnitten ihn im Audiovisuellen Zentrum der Bielefelder Universität. Die einzige Kopie, die im Impulsfilm-Verleih von Hans-Joachim Flebbe schließlich fünf Jahre durch Kinos und Jugendzentren tingelte und dann kaputtging, ließ die Gruppe bei einer Reise in London herstellen. »Weil das billiger war.« Schettler: »Wir waren betrunken vor Engagement.«

Alle Bands gefilmt

Die Filmer sicherten sich die Dreherlaubnis der ausrichtenden Musikerinitiative Ostwestfalen-Lippe. Bedingung war: Alle Bands sollten im Film vorkommen. »Das haben wir dann auch so gemacht«, so Michael Wiegert-Wegener. Bell: »Obwohl es uns erheblich unter Stress gesetzt hat.« Der zweistündige, nicht-kommentierte Farbfilm zeigt neben der Musik auch die spezielle Atmosphäre und Interviews.

So kommt »Dorfpolizist« Karl Schwenke zu Wort, der sich ärgert, weil »sich leider niemand an die Straßenverkehrsordnung hält.« Im Film gibt es ein Wiedersehen mit dem Vlothoer Stadtdirektor Heinz Volkmann und einem winzigen »Tante-Emma-Laden«, der von Festivalbesuchern geflutet wurde.

In Vlotho habe sich »nichts verändert«

Das »Tri-Ergon Filmwerk« hat das Negativ aus einem Keller hervorgeholt und digital aufbereitet. Ein Vierteljahr lang wurden Töne und Farben korrigiert, Fehler und Kratzer entfernt. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW stellte dafür Fördergelder bereit.

Jetzt ist es soweit: 1977 erstrahlt in frischen Farben und zeigt sich in der Nacht von Sonntag auf Montag im Fernsehen. Die Stiftung ist sicher: »Der späte Sendetermin wird hartgesottene Fans und Nostalgiker kaum davon abhalten, das Werk anzuschauen.« Zumal es auch in der Mediathek zugänglich sein wird.

Frank Bell war jüngst zurück in Vlotho und hat sich auf dem Amtshausberg umgesehen. Abgesehen vom Verschwinden des Ladengeschäfts, so Bell, »hat sich da ja wirklich gar nichts verändert«.

Michael Wiegert, Frank Bell und Holger Schettler 1977 bei den Dreharbeiten. Foto: Christian Grube Stiftung Tri-Ergon Filmwerk

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