Ende der Nachtabschaltung in Vlotho gefordert: Detlef Gruhn startet Unterschriftenaktion
Mehr Licht!

Vlotho (WB). Wenn es dunkel ist, muss die Straßenbeleuchtung an sein – und nicht nur wie bisher an den Wochenenden: Detlef Gruhn setzt sich für das Ende der Nachtabschaltung in Vlotho ein. Bei Fernseh-Pollock liegen Unterschriftenlisten für seinen Bürgerantrag aus.

Mittwoch, 25.09.2019, 12:01 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 12:08 Uhr
Detlef Gruhn setzt sich dafür ein, dass die Lampen nicht nur an den Wochenenden bis zum frühen Morgen brennen. Für seinen Bürgerantrag sammelt er Unterschriften bei Fernseh-Pollock. Foto: Jürgen Gebhard
Detlef Gruhn setzt sich dafür ein, dass die Lampen nicht nur an den Wochenenden bis zum frühen Morgen brennen. Für seinen Bürgerantrag sammelt er Unterschriften bei Fernseh-Pollock. Foto: Jürgen Gebhard

»Wer mich unterstützen möchte, sollte unterschreiben«, sagt der Valdorfer. Detlef Gruhn ist kein ängstlicher Mann. Trotzdem fühlt er sich unwohl, wenn es auf den Straßen seiner Heimatstadt stockdunkel ist. Als Schichtarbeiter weiß er, wovon er spricht. Dass seit einem Jahr zumindest an den Wochenenden auf die Nachtabschaltung verzichtet wird, helfe ihm wenig.

In der Nähe seines Hauses in der Straße Hessenland seien vor einiger Zeit im Schutze der Dunkelheit sechs Autos aufgebrochen worden. »Leider sind nur zwei Fälle zur Anzeige gebracht worden, so dass die Polizeistatistik nicht stimmen kann«, bedauert er. In seiner Straße habe es außerdem mehrere Einbrüche gegeben. »Und nicht nur hier. Überall in Vlotho können Einbrecher unter der Woche nachts unbeobachtet in Wohnhäuser, Geräteschuppen und Autos eindringen«, stellt er fest. Als im vergangenen Jahr in seiner Nachbarschaft eingebrochen wurde, hat er sich einen Hund zugelegt: »Die beste Alarmanlage.«

Das generelle Ende der Nachtabschaltung sei kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, meint der 50-Jährige. Mit der Umstellung auf sparsame LED-Lampen könnten die Stromkosten auch nicht mehr das ausschlaggebende Argument sein: »Ganz abgesehen davon, dass ich als Anlieger für die Umrüstung auf LED-Leuchten zur Kasse gebeten worden bin.«

Petra Pollock unterstützt Detlef Gruhn bei seinem Kampf gegen die Nachtabschaltung. In ihrem Geschäft spricht sie die Kunden an und bittet sie um eine Unterschrift auf dem Bürgerantrag. »Die Resonanz ist bisher sehr gut«, freut sie sich.

Die aktuelle Situation

Am 11. September vorigen Jahres hatte der Rat eine Aufweichung der bis dahin konsequenten Nachtabschaltung beschlossen. »Ziel der Regelung ist der verbesserte Komfort und die Steigerung der Verkehrssicherheit an den Wochenenden, wenn viele Bürgerinnen und Bürger auch spät nachts noch unterwegs sind«, heißt es auf der Homepage der Stadt.

Der Ratsbeschluss im Wortlaut: »Vom 1. Juni bis zum 31. Juli des Jahres wird die Straßenbeleuchtung vollständig abgeschaltet. Vom 1. August bis zum 31. Mai des Folgejahres wird die Straßenbeleuchtung in der Zeit von 1 bis 5 Uhr abgeschaltet. Ausgenommen von dieser Nachtschaltung sind die Nächte von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag«. Demnach bleiben an den Werktagen in den hellen Sommermonaten Juni und Juli die Laternen vollständig abgeschaltet, an den Wochenenden leuchten diese jedoch ganzjährig nachts durchgehend.«

Mit Blick auf die städtische Haushaltssituation könne Vlotho nicht ganz auf eine Nachtabschaltung verzichten, hatte der Bürgermeister in den damaligen Beratungen festgestellt.

Nach aktueller Aussage von Christian Hohmeier, Leiter der Vlothoer Wirtschaftsbetriebe, gibt es in Vlotho etwa 2000 Straßenlampen. Davon seien bislang etwa 700 auf die sparsame LED-Technik umgerüstet worden. Die weitere Umrüstung sei geplant. Die Wirtschaftsbetriebe rechneten derzeit mit jährlich rund 100.000 Euro Stromkosten.

Hohmeier verweist im übrigen auf die aktuelle Diskussion um die Auswirkungen auf Insekten, für die Straßenlampen zu tödlichen Fallen würden.

Kommentar

Auch in Vlotho treiben sich bisweilen in der Dunkelheit lichtscheue Gestalten herum. Wer schon einmal nachts belästigt wurde oder Opfer eines Einbruchs geworden ist oder wer solche Fälle aus der Nachbarschaft kennt, der dürfte davon überzeugt sein, dass mehr Licht auch mehr Sicherheit bedeutet. Mehr Sicherheit – tatsächliche oder auch nur gefühlte – ist nicht zum Nulltarif zu bekommen. Viele Hausbesitzer haben deshalb bereits viel Geld in Alarmanlagen oder in sichere Türen und Fenster investiert.

100.000 Euro gibt die Stadt derzeit jährlich für die Straßenbeleuchtung aus. Noch ist erst jede dritte Lampe auf die sparsame LED-Technik umgestellt worden. Mit jeder neuen LED-Lampe wird die Stromrechnung weiter sinken. Da dürften dann am Ende die Kosten für die zusätzlichen Betriebsstunden nicht mehr so ins Gewicht fallen.

Vor einem Jahr hatte der Rat beschlossen, an Wochenenden auf die bis dahin regelmäßige Nachtabschaltung zu verzichten. Das war ein erster wichtiger Schritt. Der nächste Schritt sollte nun das generelle Ende der Nachtabschaltung sein. Und der Insektenschutz sollte nicht das Totschlagargument dagegen sein – dann müsste man nachts alle Lampen löschen, selbst die am Auto. Jürgen Gebhard

 

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