Do., 10.10.2019

Kreis Herford will ursprünglichen Zustand im Vlothoer Naturschutzgebiet wiederherstellen Mehr Platz für die Wacholderheide

Der ursprüngliche Zustand dieser im Kreis Herford einmaligen Wacholderheide soll wieder hergestellt werden.

Der ursprüngliche Zustand dieser im Kreis Herford einmaligen Wacholderheide soll wieder hergestellt werden. Foto: Jürgen Gebhard

Von Jürgen Gebhard

Vlotho (WB). Die Wacholderheide am Hang des Kleinen Selberges soll mehr Platz erhalten, um sich besser ausbreiten zu können. Auf 10.000 Quadratmetern sollen in den nächsten fünf Jahren Birken und Fichten beseitigt werden. Der ursprüngliche Zustand dieses Gebietes soll damit wieder hergestellt werden.

Die Heide und die Heidelbeeren im Naturschutzgebiet sollen insgesamt bessere Wachstumsbedingungen erhalten. Bereites in diesem Herbst wird damit begonnen, weitere Wacholder-Büsche zu pflanzen. Diese geplanten Maßnahmen nennt der Kreis Herford in seiner Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion.

FDP-Kreistagsfraktionsvorsitzender Stephen Paul hatte die schriftliche Anfrage in den Kreistag eingebracht. Darin heißt es: »Die einzige noch erhaltene Wacholderheide im Kreis Herford befindet sich am Kleinen Selberg in Vlotho. Einst waren viele Bergkuppen im Wittekindsland mit Heide bedeckt. Die Heidefläche sollte vor 60 Jahren einer Fichten-Monokultur Platz machen.«

Eigentumsverhältnisse

Konkret erkundigt sich Stephan Paul nach den Eigentumsverhältnissen und nach Pflegemaßnahmen. In der aktuellen Kreistagssitzung wurden die folgende Antworten vorgelegt:

»Von dem circa 13,5 Hektar großen Naturschutzgebiet gehören etwa 8 Hektar dem Kreis Herford. Das Flurstück 415 wurde erst vor kurzem erworben. Die übrigen Flächen gehören ganz überwiegend einer weiteren Privatperson. Der Kreis Herford bemüht sich um den Erwerb dieser Flächen.«

Erhalt und Pflege

»Der Kreis hat in enger Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Naturschutz im Jahr 2016 eine Beweidung zur Pflege der Flächen eingerichtet. Die Pflege, Betreuung und Koordination der Herde übernimmt ein örtlicher Schäfer, der eine Heidschnucken-Herde sowie einzelne Ziegen erworben hat. Langfristig soll die Herde weiter aufgestockt werden, um eine optimale Beweidungsintensität zu erzielen.

Übermäßiger Brombeer- und Birkenaufwuchs, den die Schafe nicht zurückdrängen können, wird jedes Jahr mit Freischneider und Mulcher beseitigt. Auf etwa 7000 Quadratmetern ist ein flächiger Birkenaufwuchs vorhanden. Dieser soll in den kommenden fünf Jahren vollständig beseitigt werden, damit die Heide und Heidelbeeren optimale Wachstumsbedingungen vorfinden und die Beweidung an die Zielarten angepasst werden kann.

Um die Birken langfristig zu beseitigen, wird stellenweise eine Rodung der Birken erprobt. Die entstandenen Rohbodenflächen sollen sich zu birkenfreien Heidebeständen entwickeln und mit heimischem Heidesaatgut eingesät werden.

Zur Verjüngung der Wacholderbüsche wurden vom BUND rund 50 junge Wacholder aus Stecklingen gezogen. Diese werden zum Teil im Herbst 2019 auf die Heidefläche gepflanzt. Zudem wird im Winter 2019/2020 die bewaldete Bergkuppe/Berghang des Flurstückes 415 vollständig freigestellt und in eine Wacholderheide zurückgeführt.

Damit soll der Zustand des Gebietes um 1960 wiederhergestellt werden. Zu dieser Zeit war die gesamte Kuppenlage des Selbergs unbewaldet, beweidet und mit Wacholdern bestanden. Erst nach der Nutzungsaufgabe um 1970 wurde auf rund 3000 Quadratmeter ein Fichtenwald aufgeforstet, oberhalb der Aufforstung hat sich im Zuge der Sukzession in den zurückliegenden Jahren ein rund 3500 Quadratmeter großer Pionierwald entwickelt. Auf den neu freigestellten Flächen sollen ebenfalls Initialpflanzungen mit Wacholderstecklingen und eine Ansaat mit Heidekraut erfolgen.«

Kommentar

Das Naturschutzgebiet in Steinbründorf  ist ein Paradies. Wanderer genießen hier die Schönheit und Idylle unserer Landschaft. Schulklassen nehmen das Angebot des mit Infostafeln ausgestatteten Naturlehrpfads gerne an. Vor Jahrzehnten sollte die einmalige Wacholderheide komplett einer Fichtenanpflanzung weichen. Das konnte weitgehend verhindert werden. Nun geht es darum, den alten Zustand wieder herzustellen. Da ist es gut, dass der Kreis nicht nur die Pflege übernommen hat, sondern nachhaltig dafür sorgt, diese Kulturlandschaft zu erhalten. Jürgen Gebhard

Kommentare

Wachholderheide

erwähnt werden sollte.
Das es dieses Kleinod überhaupt noch gibt haben wir dem Natur und Heimatforscher Helmut Richter zu verdanken. Ihm wurde auch eine Gedenktafel gesetzt. Ein kleines Dankeschön für seinen uneigennützlichen, risikoreichen Einsatz.

1 Kommentare

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