Do., 21.11.2019

Anfeindungen wegen Homosexualität: Reaktionen auf Pehles Abschied von St. Stephan Vlotho »Kein Platz für Hass und Ausgrenzung«

Auch die mitgebrachten Plakate können den Pfarrer nicht umstimmen: Jörg Uwe Pehle wird Vlotho wieder verlassen.

Auch die mitgebrachten Plakate können den Pfarrer nicht umstimmen: Jörg Uwe Pehle wird Vlotho wieder verlassen. Foto: Jürgen Gebhard

Von Jürgen Gebhard

An der Gemeindeversammlung in St. Stephan nahm auch der Valdorfer Pfarrer Christoph Beyer teil. Kurz vor Schluss meldete er sich zu Wort und forderte dazu auf, sich für die Gemeinde zu engagieren: »Sie müssen jetzt Presbyter finden, die wollen, dass es hier weitergeht.«

Simon Niemann (29, Theaterpädagoge) ist in Vlotho aufgewachsen und bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Er sagt, dass er sich in seiner Heimatstadt sehr wohl und sicher gefühlt habe. Die aktuellen Vorkommnisse wertet er als Zeichen für gesellschaftlichen Veränderungen und Vorbehalte gegenüber anderen Gruppen: »Es schmerzt mich zu hören, dass so etwas in Vlotho vorkommt.« Auch ein Pfarrer dürfe nie in eine Situation gebracht werden, aufgrund seiner Homosexualität die Stadt zu verlassen. Niemann: »Nicht nur Künstler, auch Personen des öffentlichen Lebens und damit auch Pfarrer müssen diese Stadt als offen und tolerant erleben können.« Er fordert dazu, Solidarität mit all denjenigen Menschen zu zeigen, die nicht der eigenen sexuellen Orientierung entsprächen.

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Ich bin beschämt und bestürzt darüber, dass es in unserer Stadt derartige homophobe Vorurteile gibt

Bürgermeister Rocco Wilken

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Superintendent Andreas Huneke, der am Mittwoch an der Westfälischen Landessynode teilnahm, erklärt auf Anfrage: »Mir tut es schrecklich leid. Herr Pehle hat in St. Stephan viel Positives in Gang gebracht. Ich finde es sehr schade, dass es auch in Vlotho solche Formen der Ausgrenzung gibt.«

Bürgermeister Rocco Wilken zeigt sich bestürzt über die Intoleranz, die Jörg Uwe Pehle in dieser Stadt erlebt hat: Hass, Häme und Ausgrenzung gegenüber Menschen, die irgendwie anders seien – dazu gehörten die sexuelle Orientierung ebenso wie die Herkunft – hätten in unserer Gesellschaft und damit auch hier in Vlotho keinen Platz: »Ich bin beschämt und bestürzt darüber, dass es in unserer Stadt derartige homophobe Vorurteile gibt.« Pastor Pehle habe in die Gemeinde St. Stephan sehr viel neuen Schwung hineingebracht, er habe neue Leute in die Kirche geholt und habe bei verschiedenen Veranstaltungen die Kirche und die Stadt zusammengeführt: »Es kann nicht sein, dass eine Handvoll Leute das alles zunichte machen können.« Die Kirche sei gefordert, das Verhalten dieser Mitglieder aufzuarbeiten und ihnen gegenüber Konsequenzen zu ziehen.

Kein Kommentar

»Die persönliche Entscheidung von Herr Pehle, aus Vlotho zu gehen, kommentieren wir nicht«, sagt Andreas Duderstedt . Der Sprecher der Evangelischen Landeskirche von Westfalen verweist auf die eindeutige Haltung der Landeskirche zur Homosexualität. Die Landessynode habe gerade die Gleichstellung homosexueller Paare bei Hochzeiten beschlossen. Bislang konnten sich gleichgeschlechtliche Partner in den Gemeinden nur vom Pfarrer segnen lassen. In Zukunft sollen sie in einem Gottesdienst auch offiziell kirchlich getraut werden können.

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