Di., 03.12.2019

Zweiter Teil des Vlotho-Films „Die Kraft der Träume“ wird noch gerade rechtzeitig fertig Premiere „auf den letzten Drücker“

Im Premierenfieber: Annegret Arnhölter, Sprecherin Stephanie Brink, Norbert Kaase, August-Wilhelm König, Ulrike Heusinger von Waldegge, Helmut Rethemeier, Hansi Obermowe, Sprecher Klaus Kauczok (hinten von links), Hans Krückemeier und Bulli Grundmann (vorne von links).

Im Premierenfieber: Annegret Arnhölter, Sprecherin Stephanie Brink, Norbert Kaase, August-Wilhelm König, Ulrike Heusinger von Waldegge, Helmut Rethemeier, Hansi Obermowe, Sprecher Klaus Kauczok (hinten von links), Hans Krückemeier und Bulli Grundmann (vorne von links). Foto: Heike Pabst

Von Heike Pabst

Vlotho (WB). Filmemacher Norbert Kaase ist mit dem zweiten Teil des Vlotho-Films der Geschichtswerkstatt Exter eine Punktlandung geglückt. Allerdings sei die Arbeit „diesmal noch stressiger“ gewesen, verrät er bei der Premiere von „Die Kraft der Träume: Vlotho 1975 – 1985“ im Weser-Gymnasium. „Wir haben noch später mit dem Schnitt beginnen können und sind erst gestern fertig geworden.“

Nach der Veröffentlichung des ersten Teils „Unruhige Zeiten – Vlotho von 1965 bis 1975“ im Dezember 2018 haben die Geschichtswerkstatt und Kaase erneut die Ärmel hochgekrempelt, in Archiven gewühlt und viele fotografische sowie filmische Dokumente gefunden, die mit aktuellen Aufnahmen und Interviews den zweiten Teil prägen. „Das alles hat uns ganz schön beschäftigt“, sagt August-Wilhelm König.

Viele Zeitzeugen im Publikum

„Zwei Vom Feinsten“ machen den Abend auch zu einem musikalisch ansprechenden Kulturerlebnis. Foto: Pabst

Umso gespannter auf das Ergebnis ist das Premierenpublikum. Auch etliche Zeitzeugen sind da. Dazu zählen Hans Krückemeier und Bulli Grundmann, die nicht nur ein neues Liebeslied an Vlotho beigesteuert haben, sondern die Premiere auch zu einem stimmigen kulturellen Gesamtpaket machen. Als Duo „Zwei Vom Feinsten“ verleihen sie dem Abend musikalische Würze. Eine wohlige Nostalgie macht sich breit, als sie Songs wie „Hey Jude“ oder das „Hallelujah“ von Leonard Cohen anstimmen.

Dann ist es Zeit für den Film, in dessen Zentrum die Erkenntnis steht: In Vlothos Geschichte haben Bürgerbeteiligung und die Lust an der politischen Debatte immer wieder den Lauf der Dinge beeinflusst. Ob es beim Bau der neuen Weserbrücke war, die ursprünglich keine Ständerbauweise, sondern eine breite Erdrampe als Auffahrt bekommen sollte, oder die dann doch nicht gebaute Trasse der A5, die sich durch Exter gefräst hätte: Man pflegte sich zu wehren.

Bagger fressen sich durch alte Häuser

„Wir sind in einer Stadt, die man gut finden kann, aber man muss auch was drum tun“, wie es König formuliert. Das zeigt auch der Abschnitt des Films, der sich mit dem „Collegium Humanum“ befasst: Die menschenverachtende Ideologie, die in diesem Schulungszentrum genährt wird, führt zu Protesten, die schließlich 2008 im Verbot des Vereins münden.

Vlotho verändert sich enorm zwischen 1975 und 1985. „Das Heidelberg des Nordens“ soll modern und autofreundlich werden. Der Film begleitet die Stadtsanierung: Bagger fressen sich durch alte Bausubstanz, zwängen den Forellenbach ins Betonbett. Es sind seltene Bilder, die auch für jüngere Vlothoer nachvollziehbar machen, wie das gegenwärtige Gesicht der Stadt entstanden ist. Eindrucksvoll ist beispielsweise die Videosequenz, die die Sprengung der alten Brücke zeigt. Aber auch die Rettung der Fachwerkhäuser am Roseneck gehört zu den geschilderten Ereignissen.

Anfänge des Festivals beleuchtet

Die Filmschaffenden machen einen Abstecher zu den Anfängen des „Umsonst & Draußen“-Festivals, beleuchten die sportliche und kirchliche Jugendarbeit, die Anfänge des Jugendzentrums, der Frauen- und Friedensbewegung. Ein Kapitel ist Reiter Helmut Rethemeier gewidmet, der eine olympische Silbermedaille mit nach Hause bringt. Er wird mit Pferde- und Autokorso in Vlotho empfangen. „Da wär’ ich am liebsten im Boden versunken“, blickt Rethemeier bescheiden zurück.

Das Sahnehäubchen setzen die „Dirty Chucks“ dem Film mit dem Musikvideo „DreiZweiSechsNullZwei“ auf: „Das ist meine Heimat, meine Stadt, mein Dorf, mein Herz“, singen sie, und das Publikum ist bewegt, spendet langanhaltenden Applaus. Viele tragen sich vor dem Heimweg noch in die ausliegende „Vlothoer Erklärung“ gegen Rassismus und Intoleranz ein.

Die DVD zum Film kostet 26 Euro und ist ab sofort im „Regenwurm“ und in der Buchhandlung von Ines Wedhorn zu haben. Erneut aufgeführt wird „Die Kraft der Träume“ am Freitag, 24. Januar, ab 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Exter.

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