Pfarrer Jörg Uwe Pehle und sein Mann werden Vlotho doch nicht verlassen
Sie bleiben!

Vlotho (WB). Pfarrer Jörg Uwe Pehle wird die evangelische-lutherische Kirchengemeinde St. Stephan Vlotho doch nicht wie angekündigt verlassen. Das hat er seiner Gemeinde im Anschluss an den Sonntags-Gottesdienst zum vierten Advent mitgeteilt. Auch sein Ehemann Thomas König ergriff das Wort. Beide erhielten spontan Applaus.

Montag, 23.12.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 23.12.2019, 11:30 Uhr
Jörg Uwe Pehle (links) und sein Ehemann Thomas König werden mit Hund Luca wieder ins Pfarrhaus einziehen. Foto: Jürgen Gebhard
Jörg Uwe Pehle (links) und sein Ehemann Thomas König werden mit Hund Luca wieder ins Pfarrhaus einziehen. Foto: Jürgen Gebhard

Nach der Ankündigung in der Gemeindeversammlung am 19. November habe es viel Unterstützung und Zuspruch gegeben. Er habe beim Lesen der vielen Zuschriften vor Rührung geweint. „Wir haben entschieden, dass wir Vlotho eine zweite Chance geben wollen“, sagte Pehle.

Viele hätten gesagt: „Wenn ihr bleibt, dann wollen wir helfen.“ Pehle bat um Unterstützung bei der Gemeindearbeit: Er nannte unter anderem den Besuchsdienst, das Erstellen und Austragen des Gemeindebriefs, die Jugendgruppe und die Kinderkirche. Er wünsche sich außerdem den Aufbau einer „Rödeltruppe St. Stephan“ mit tatkräftigen Männern und Frauen.

In Vlotho seien nach der Gemeindeversammlung „wahnsinnig viel Kraft und Energie“ freigesetzt worden, sagte Thomas König. Diese Kraft und Energie sollten nun dazu genutzt werden, das Klima in der Stadt zu verbessern. Wer zukünftig noch Verleumdungen und Anfeindungen verbreite, werde direkt angesprochen, zur Stellungnahme aufgefordert und müsse damit rechnen, öffentlich benannt zu werden.

Toleranz-Telefon wird eingerichtet

Mit Unterstützung von Stadt und Kreis solle im nächsten Jahr ein Toleranz-Telefon eingerichtet werden, an das sich Opfer von Mobbing und Ausgrenzung wenden könnten. Außerdem werde es einen „Tag der Toleranz“ geben, um auf Vlotho als offene, menschliche und tolerante Stadt aufmerksam zu machen. Thomas König: „Die Vlothoer sind aufgestanden, haben Farbe bekannt und haben gesagt: Nein, wir wollen das so nicht. Das sind nicht wir. Wir wollen Menschlichkeit, Toleranz und Offenheit.“

Bürgermeister Rocco Wilken war wie das Presbyterium bereits am Donnerstag vertraulich vom Pfarrer unterrichtet worden. Er sagte: „Ich bin froh und erleichtert. Für Vlotho und für die Gemeinde St. Stephan ist das eine sehr schöne Botschaft zum Weihnachtsfest. Der Weggang von Jörg Uwe Pehle wäre ein verheerendes Signal für unsere ganze Stadt gewesen.“

Vlotho sei tolerant und weltoffen . Er berichtete, dass Annette Kurschus, die Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen, ihm gerade zugesagt habe, Anfang nächsten Jahres zu einer Veranstaltung zum Thema Toleranz und Respekt in die Weserstadt zu kommen zu wollen.

Kommentar

Der Pfarrer wird beleidigt und verleumdet. Der Pfarrer macht das öffentlich und kündigt seinen Weggang an. Eine riesige Welle der Sympathie sorgt dafür, dass er die Entscheidung überdenkt. Der Pfarrer startet eine Toleranz-Aktion. Die Vlothoer unterschreiben für Menschlichkeit, Offenheit, Toleranz und heften Aufkleber an ihre Autos. Der Pfarrer ist überwältigt und bleibt.

Ende gut, alles gut? Nein. Denn das ist erst der Anfang. Die Vlothoer können nun beweisen, dass ihre Sympathiebekundungen mehr als nur Lippenbekenntnisse sind. Sie können das beweisen, indem sie die Stimme erheben, wenn andere Menschen beleidigt, verleumdet, ausgrenzt und gemobbt werden. Und sie können das beweisen, indem sie diejenigen zur Rede stellen, die für Unfrieden sorgen.

Pfarrer Jörg Uwe Pehle und sein Mann werden auch weiterhin in dieser Stadt bleiben. Für die vielen Vlothoer, die hinter ihnen stehen, ist das ein schönes Weihnachtsgeschenk. Und diejenigen, die dem schwulen Paar das Leben schwer gemacht haben, werden sich maßlos ärgern. Und das ist gut so.

Jürgen Gebhard

 

Kommentare

Teske  schrieb: 23.12.2019 07:28
Respekt, Pfarrer Pehle!
Ich bin beeindruckt von der Stärke von Pfarrer Pehle und seinem Mann. Sie bieten den Tyrannen die Stirn und lassen sich von denen, die zu ihnen hinauf schauen, helfen.
Ich bin erst vor kurzem nach Vlotho gezogen. Und ich bin froh, das es hier so eine starke Gemeinde gibt. Und ich bin stolz, jetzt dazu zu gehören.
1 Kommentare
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