Vlothoer Helfer nehmen Verkauf von Lebensmitteln nach vierwöchiger Pause wieder auf
Kirchenschiff wird zur Tafel

Vlotho (WB). Es ist ein ungewohntes Bild: Im Kirchenschiff von St. Stephan sind Tische aufgebaut, auf denen Lebensmittelkisten stehen. „Und so bleibt es auch erst einmal, so lange wir hier keinen gemeinsamen Gottesdienst mehr feiern können“, sagt Pfarrer Jörg Uwe Pehle. Der Grund: Zum ersten Mal seit vier Wochen konnte die „Tafel“ am Mittwoch wieder bedürftigen Menschen den Einkauf von Lebensmitteln für einen symbolischen Preis ermöglichen.

Donnerstag, 23.04.2020, 20:42 Uhr aktualisiert: 23.04.2020, 20:50 Uhr
Auch Helfer vom Netzwerk „Vlothoer*innen für Vlotho“ und vom Verein „Moral & Ethik“ bereiten den „Tafel“-Verkauf von Lebensmitteln in der Kirche St. Stephan mit vor. Einige ältere Ehrenamtliche der „Tafel“ werden zu ihrer Sicherheit von Jugendlichen vertreten. Foto:
Auch Helfer vom Netzwerk „Vlothoer*innen für Vlotho“ und vom Verein „Moral & Ethik“ bereiten den „Tafel“-Verkauf von Lebensmitteln in der Kirche St. Stephan mit vor. Einige ältere Ehrenamtliche der „Tafel“ werden zu ihrer Sicherheit von Jugendlichen vertreten.

Dafür sind die „Tafel“-Mitarbeiter und Helfer des Netzwerks von „Vlothoer*innen für Vlotho“ umgezogen – statt wie gewohnt im Gemeindehaus der St. Stephansgemeinde wird der Verkauf jetzt im Gotteshaus durchgeführt. Aus Platzgründen. „In unserem Raum im Gemeindehaus hätten wir die Abstandsregeln nicht umsetzen können“, erläutert Pfarrer Pehle.

Servierwagen als Einkaufswagen

Ein Schild erläutert die derzeit geltenden Regeln.

Ein Schild erläutert die derzeit geltenden Regeln. Foto: Heike Pabst

Die Premiere in der Kirche habe wunderbar funktioniert: Die Kunden warteten auf dem Kirchplatz, betraten St. Stephan an einem Seiteneingang, wurden mit Mundschutz und Handschuhen sowie mit einem zum Einkaufswagen umfunktionierten Servierwagen aus dem Gemeindehaus ausgestattet und verließen die Kirche nach ihrem Einkauf an der Vordertür wieder. So soll es künftig immer laufen, wenn die „Tafel“ zu ihrer gewohnten Zeit mittwochs um 14 Uhr in Vlotho ihre Pforten öffnet.

„Es sind immer nur maximal drei Kunden gleichzeitig in der Kirche erlaubt“, erklärt Pfarrer Pehle. Der Synodalbeauftragte für Diakonie freut sich sehr über die tatkräftige und unverzichtbare Hilfe des Netzwerks „Vlothoer*innen für Vlotho“: „Da sind Jugendliche dabei, Menschen auf Kurzarbeit oder im Home-Office, die einfach mit anpacken.“ Christa Westhof, Leni Niedernolte und Arina Sukkan aus der Gemeinde hätten außerdem „ganz fleißig Masken genäht“.

Ausfall traf die Kunden hart

Vor einem Monat hatte die Vlothoer „Tafel“ ihre Ausgabe vorerst eingestellt. „In erster Linie, um unsere Mitarbeiter zu schützen. Einige von ihnen sind schon über 70 und 80 Jahre alt und gehören damit zur Risikogruppe. Deren Gesundheit steht für mich an erster Stelle“, erläutert Birgit Peters, die im Kirchenkreis für die Diakonie die „Tafeln“ koordiniert.

Ein weiterer Grund war, dass die benötigten Lebensmittel zu Beginn der Corona-Krise knapp waren – Hamsterkäufer hatten daran einen großen Anteil. Aber für die Menschen, die auf die Unterstützung der „Tafel“ angewiesen sind, war der Wegfall des Angebotes sehr bitter. „Einige haben auch bei mir angerufen und mich gefragt, wann es bei der Tafel wieder losgehen kann“, sagt Pfarrer Pehle.

Einkaufsaktion mit „Moral & Ethik“

Um einigen Härtefällen helfen zu können, startete die „Tafel“ mit finanzieller Hilfe des Vereins „Moral & Ethik“ vor zwei Wochen eine gesonderte Aktion, kaufte Lebensmittel ein und belieferte die Bedarfsgemeinschaften, die es am dringendsten brauchten. Mittlerweile gibt es wieder Lebensmittelspenden, sowohl von Supermärkten als auch von anderen Spendern. „Zum Beispiel hat uns die Grillstube Hemeier viele Schnitzel gespendet“, sagt Birgit Peters. Und auch Geldspenden von Privatleuten treffen ein. „Vlotho ist da beispiellos, wirklich toll“, so Birgit Peters, die allen Spendern sehr herzlich dankt.

Sie spricht aber auch Pfarrer Jörg Uwe Pehle ein „ganz, ganz, ganz großes Lob“ aus, der nicht nur die Kirche St. Stephan zur Verfügung stelle, sondern sich generell sehr stark für die „Tafel“ und ihre Kunden ins Zeug lege.

Übrigens: Wenn sich aktuell jemand erstmals an die „Tafel“ wenden muss und dort einkaufen möchte, sollte derjenige am Verkaufstag den Nachweis einer Bedürftigkeit mitbringen, so Birgit Peters. „Einen Hartz-4-Bescheid oder einen Wohngeldbescheid zum Beispiel.“

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