Bahnhofsverein zum Scheitern des Hotel-Projektes in Vlotho
„Sind schockiert und enttäuscht“

Vlotho (WB). „Wir sind schockiert und total enttäuscht über die aktuelle Entwicklung“, sagen die Mitglieder des Vereins Bürgerbahnhof Vlotho, nachdem sie beim WESTFALEN-BLATT vom Scheitern der aktuellen Planungen zur Bahnhofssanierung erfahren haben.

Mittwoch, 20.05.2020, 07:13 Uhr aktualisiert: 20.05.2020, 11:12 Uhr
Das letzte Kapitel der Geschichte des Vlothoer Bahnhof ist noch nicht geschrieben: Mitglieder des ehemaligen Bahnhofvereins, verweisen darauf, dass sie seit Jahren ein Nutzungskonzept haben. Foto: Jürgen Gebhard
Das letzte Kapitel der Geschichte des Vlothoer Bahnhof ist noch nicht geschrieben: Mitglieder des ehemaligen Bahnhofvereins, verweisen darauf, dass sie seit Jahren ein Nutzungskonzept haben. Foto: Jürgen Gebhard

Der Verein war 2013 mit dem Motto „Retten statt abreißen“ angetreten, um dem maroden Empfangsgebäude neues Leben einzuhauchen. Als vier Jahre später ein Investor das Gebäude für den symbolischen einen Euro von der Stadt übernahm und seine millionenschweren Planungen vorlegte, zogen sich der Verein Bürgerbahnhof Vlotho und die von ihm initiierte Genossenschaft zurück.

„Zum Scheitern verurteilt“

„Hotel-Projekt gescheitert“ lautete nun nach der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses die Schlagzeile. Und „Stadt und Investoren suchen Alternativen zum drohenden Abriss“.

Das Vorhaben des Investors, im Bahnhof ein kleines Hotel zu errichten, sei wie zuvor das Projekt Tierklinik von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen, meint Vereinssprecher Dr. Jan Knoop: „Auch wir hatten anfangs über ein kleines Hotel im Bahnhof nachgedacht. Ein Hotel rechnet sich nicht. Wir haben die Idee deshalb ganz schnell verworfen.“

Auch der nicht sehr tragfähige Untergrund sei dem Verein bekannt gewesen. Um kein zusätzliches Gewicht ins Gebäude zu bringen, habe man – anders als der spätere Investor – keine dritte Etage einbauen wollen.

Fertige Alternativplanung

Die Stadt suche nun eine Alternativplanung. Die habe der Bahnhofsverein schon lange fertig in der Schulade liegen. Diese Planung sei nach wie vor realisierbar: Backshop/Gastronomie im Erdgeschoss und darüber Büros. „Diese Planung hat damals selbst die strengen Kriterien des Genossenschaftsverbands erfüllt“, sagt der zweite Vorsitzende Jochen Störmer, der als Liquidator für die Vereinsauflösung eingesetzt worden ist. Diese Planung sei zwar nicht auf „Gewinnmaximierung“ ausgelegt, aber sie trage sich. Jetzt nach dem Scheitern der aktuellen Planungen, aber auch schon nach der Übergabe des Bahnhofs an den Investor, habe niemand mit dem Verein gesprochen.

Möglicherweise könnte die unter Raumnot leidende Stadtverwaltung einziehen, auch ein Trauzimmer oder ein größerer Veranstaltungsraum für Konzerte oder im Winter für den Abendmarkt seien denkbar, sagt Vorsitzende Sabine Harthun.

Ungenügende Unterstützung

Die Mitglieder des Bahnhofsvereins beklagen, bei ihren Planungen seinerzeit nicht genügend Unterstützung von offizieller Seite erfahren zu haben. „Man hat uns offenbar nicht zugetraut, dass wir das schaffen können“, meint Architekt Achim Patz. Mit den Planungen der Investoren für das Hotel und zuvor für die Tierklinik sei viel Zeit verstrichen, um die denkmalgeschützte Substanz vor einem weiteren Verfall zu bewahren.

Der Verein habe den Eindruck, dass mit sehr wenig Professionalität gearbeitet worden sei. Es sei der falsche Weg, zunächst die Planung aufzustellen und sich dann erst um die Finanzierung zu kümmern oder zunächst drei Geschosse zu planen und sich anscheinend erst dann Gedanken über die Tragfähigkeit des Baugrunds zu machen. Achim Patz: „Das ist die falsche Reihenfolge. Und nun der Corona-Krise die Schuld am Scheitern zu geben, ist ziemlich einfach.“

Einige Mitglieder des Bahnhofsvereins seien weiterhin bereit, sich für eine neue Nutzung zu engagieren. „Wenn wir damals Unterstützung erfahren hätten, wäre der Bahnhof heute fertig“, sind sich die Mitglieder einig.

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