Ehemaliges Gebäude des verbotenen „Collegium Humanum“ in Vlotho kostet 320.000 Euro
„Freizeitoase“ zu verkaufen

Vlotho (WB). Einst haben sich Holocaustleugner in diesem Anwesen auf dem Winterberg in Vlotho die Klinke in die Hand gegeben . Jetzt steht das ehemalige Gebäude des „Collegium Humanum“ unter dem Titel „Freizeitoase in Vlotho“ wieder zum Verkauf.

Donnerstag, 28.05.2020, 08:03 Uhr aktualisiert: 28.05.2020, 15:32 Uhr
Hinter hohen Hecken an der Bretthorststraße liegt das Gebäude des ehemaligen „Collegium Humanum“, die alte Winterberger Dorfschule. Sowohl der Bund als auch die Stadt Vlotho haben ein Interesse daran, zu verhindern, dass hier wieder Rechtsextremisten einziehen. Foto: Heike Pabst
Hinter hohen Hecken an der Bretthorststraße liegt das Gebäude des ehemaligen „Collegium Humanum“, die alte Winterberger Dorfschule. Sowohl der Bund als auch die Stadt Vlotho haben ein Interesse daran, zu verhindern, dass hier wieder Rechtsextremisten einziehen. Foto: Heike Pabst

Das Exposé der IVM Immobilien aus Steinhagen schlägt vor, die Immobilie als „Zukunftsprojekt für Schulungen, Tageseinrichtungen oder als Treffpunkt“ zu nutzen. Vor acht Jahren hatte ein Vlothoer das etwa 800 Quadratmeter große Haupthaus samt zwei leer stehenden Schuppen und den beiden Grundstücken von 2449 Quadratmetern und 5618 Quadratmetern Größe vom Bund gekauft. In dessen Eigentum war es nach dem Verbot des „Collegium Humanum“ übergegangen .

Jetzt ist die Immobilie im Internet für 320.000 Euro zum Wiederverkauf inseriert. Zu einem Gespräch mit unserer Zeitung war der derzeitige Besitzer nicht bereit.

Christliches Freizeitheim kam nie

Das von ihm geplante christliche Freizeit- und Schulungsheim für eine Baptisten-Brüdergemeinde ist an der Bretthorststraße 204 nie eröffnet worden. Auf dem Gelände sind auch von der Straße aus von Bauarbeiten übrig gebliebene Erdhaufen zu sehen. Ganz offenkundig ist der Sanierungsstau am Haupthaus.

Nach Informationen dieser Zeitung ist dort zwar viel Geld und Mühe investiert worden. Doch die Aufgabenliste war auch sehr lang: Es galt unter anderem, Brandschutzfragen zu klären und neue Fenster einzubauen. 2012 soll außerdem die Abwasserentsorgung nicht geregelt gewesen sein. Im aktuellen Exposé steht, dass das Gebäude jetzt über eine „Kleinkläranlage ohne Zentralkanalisation“ verfügt.

Laut Exposé ist das Haus etwa im Jahr 1900 gebaut worden, die Anbauten stammen aus dem Jahr 1968. „Derzeit stehen Ihnen drei große, lichtdurchflutete Schulungs- oder Gemeinschaftsräume, Küche und Spülküche, 20 Schlafräume, Duschbereiche, Bäder en Suite und Einzel-WCs zur Verfügung.“ Das Gebäude sei teilunterkellert. „Eine noch zu gestaltende großflächige Terrassenanlage mit Wasserspielen und Bänken wäre ein Magnet für alle Besucher und Naturliebhaber und könnte Kurparkatmosphäre vermitteln“, schlägt der Makler im Exposé vor. Ein Wiesenbereich könne für 20 Stellplätze hergerichtet werden.

Sicherungsklauseln gegen Extremisten

Was soll aus dem Anwesen werden? Auf Anfrage dieser Zeitung hat das Bundesverwaltungsamt mitgeteilt, dass der einst geschlossene Kaufvertrag „mit umfangreichen Sicherungsklauseln versehen“ worden sei, „um einen späteren Erwerb und Nutzung des Grundstücks durch rechtsextremistische Kreise zu unterbinden.“

Nach vorliegenden Informationen soll der jetzige Besitzer beispielsweise verpflichtet sein, einen beabsichtigten Verkauf zu melden, sobald er mit Kaufinteressenten in Verhandlungen tritt. Die Interessenten müssten bei den Bundesbehörden mit Namen und Anschrift benannt werden.

Weiterhin soll der Bund bei einem beabsichtigten Weiterverkauf ein Vorkaufsrecht haben. Das hat das Bundesverwaltungsamt weder dementiert noch bestätigt. Aber es kündigt nach den Hinweisen durch das WESTFALEN-BLATT auf den beabsichtigten Verkauf an, „in eine umfangreiche Prüfung des Sachverhalts“ einzutreten. Danach würden „weitere Schritte veranlasst“.

„Volksdeutsche“ Forderungen

Menschen aus dem Umfeld der Partei „Die Rechte“, die am 21. Mai 2019 in Vlotho eine „Mahnwache“ für Ursula Haverbeck abhielt , betrachten sich offenbar als in der Nachfolge des „Collegium Humanum“ stehend und meinen, einen Anspruch auf die Immobilie zu haben. Auf einem „volksdeutschen“ Blog ist ein Text vom 3. November 2019 zu lesen: „Anschließend fuhren wir nach Vlotho zu unserem (momentan) ehemaligen Seminarhaus ‚Collegium Humanum‘, einer ehemaligen Schule, die Ursula und Werner Haverbeck seinerzeit gekauft hatten, und das von der BRD beschlagnahmt/enteignet/entwendet wurde. Auch dort machten wir vor (nicht auf dem Grundstück) dem Haus, unserer ehemaligen langjährigen Wirkungsstätte, auf der Straße ein paar Fotos.“

Zu diesem Text gibt es ein Bild, das vier Männer vor der JVA Brackwede-Bielefeld zeigt. Sie halten ein Banner von der „Rechten“ OWL hoch. Auf weiteren Fotos stehen die gleichen Männer vor dem Gebäude in Vlotho und zeigen auch ein Schild mit der Aufschrift „Wir fordern unser Eigentum zurück“. Zum Zustand des Hauses stellt der Autor des Blogs den Vorwurf in den Raum, „die neuen ‚Besitzer‘ (oder ‚Besatzer‘?)“ hätten „unser ehemaliges Seminarhaus“ „verrotten lassen“.

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