Christoph Roefs will in Vlotho unabhängiger Bürgermeister in Vlotho werden
„Mehr Wir wagen”

Vlotho (WB). Nach Hans Schemel (67; Die Linke) gibt es jetzt mit Christoph Roefs (64; parteilos) einen weiteren Kandidaten, der Amtsinhaber Rocco Wilken (46; SPD) bei der Bürgermeisterwahl am 13. September herausfordern will.

Samstag, 13.06.2020, 08:47 Uhr aktualisiert: 13.06.2020, 09:00 Uhr
Christoph Roefs will als unabhängiger Bürgermeister-Kandidat bei der Wahl im September antreten. Derzeit sammelt er die notwendigen Unterstützungs-Unterschriften. Foto: Jürgen Gebhard
Christoph Roefs will als unabhängiger Bürgermeister-Kandidat bei der Wahl im September antreten. Derzeit sammelt er die notwendigen Unterstützungs-Unterschriften. Foto: Jürgen Gebhard

„Ich schließe einen Sieg nicht aus“, sagt Roefs. Am 13. September möchte er „gut 40 Prozent“ erreichen. Für den Fall, dass Amtsinhaber Rocco Wilken dann im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit erreicht, rechnet Roefs sich einige Chancen für die Stichwahl aus. Und sollte er danach als Bürgermeister erfolgreich sein, würde er auch eine zweite Amtszeit nicht ausschließen.

Anders als Hans Schemel sage er nicht: „Rocco Wilken macht als Bürgermeister einen guten Job.“ Er sage: „Rocco Wilken macht als Bürgermeister keinen schlechten Job.“ Dem Bürgermeister Fehler vorzuwerfen, sei nicht sein Stil. Ihm gehe es nicht um die Fehler der anderen, sondern um die eigenen Ziele.

Abwägen von Alternativen

In Vlotho fehle das Wir, stellt Roefs fest. Die Bürger müssten stärker sensibilisiert werden, Verantwortung zu übernehmen. Politik und Verwaltung müssten die Wünsche der Bürger wahrnehmen und die Wünsche dann bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Dem Abwägen von Alternativen sollte über Parteigrenzen hinweg die Suche nach dem bestmöglichen Kompromiss folgen.

Ein Negativbeispiel in Vlotho sei der Ausbau der Höltkebruchstraße. Dort sei die Beteiligung der Bürger nicht optimal gelaufen. „Da sind die Bürger auf die Barrikaden gegangen. Im Vorfeld hätte es mehr Gespräche und auch Alternativen geben müssen.“ Politische Entscheidungen richteten sich zu oft nach der Möglichkeit, Fördermittel zu erhalten und weniger nach den Wünschen der Bürger: „Dann wird ein Projekt realisiert unabhängig davon, ob es sinnvoll ist oder nicht. Die Verwaltung sei ein Dienstleister für die Bürger“, sagt Roefs und fordert: „Mehr Wir wagen.“

Unterstützungs-Unterschriften

Am vorigen Montag hat Christoph Roefs im Rathaus die Formulare für die notwendigen Unterstützungs-Unterschriften abgeholt. Anschließend habe er die örtlichen Fraktionen und Parteispitzen über seine geplante Kandidatur informiert und angeboten, sich vorzustellen. Insgesamt 102 wahlberechtigte Personen müssen die Bürgermeister-Kandidatur mit ihrer Unterschrift befürworten. Sobald er die Unterschriften zusammen hat, will er den Wahlkampf starten. Er wisse, dass er in der aktuellen Corona-Situation vor dem Hintergrund ausbleibender Steuereinnahmen keine finanziellen Wahlversprechungen machen könne.

Christoph Roefs stammt aus Krefeld, war Zeitsoldat, hat eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht und arbeitet inzwischen als Unternehmensberater. Seit 1992 lebt er mit seiner Familie in Vlotho. Im Jahr 1999, er arbeitete als Geschäftsführer im Verband Holzindustrie in Herford, nahm er Kontakt zur Vlothoer CDU-Spitze mit Edith Sellmann und Bernd Kortemeyer auf und bewarb sich erfolgreich um ein Kreistagsmandat. 2006 bis 2014 war er Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion. Von 1995 bis 2005 war er Mitglied der CDU.

Kommentar

Jetzt wird es spannend. Vor einer Woche erst hatte Hans Schemel seinen Hut ins Rennen geworfen. Der amtierende Bürgermeister mache seinen Job zwar gut. Für die politische Kultur und die Demokratie sei es jedoch wichtig, dass es noch einen anderen Kandidaten gibt. So oder ganz ähnlich hatte der Linken-Kommunalpolitiker und bekannte Hammerfest-Altrocker es begründet, Rocco Wilken herausfordern zu wollen. Was übrigens bei Facebook zu ganz witzigen Kommentaren geführt hatte:„Ein sehr unfairer Kampf! Der durchtrainierte Exteraner gegen den Rock’n’Roll-Opa! So geht das ja nicht!“ Antwort eines anderen Users: „Täusch dich da mal nicht, als Bassist musst du schnell sein und im richtigen Moment zuschlagen, dass Schemel das kann, hat er jahrelang gezeigt.” Dass er keine Chance hat, weiß er. Acht Prozent wie bei der vorigen Bürgermeisterwahl oder etwas mehr: Dieses Achtungsergebnis peilt Hans Schemel an. Das ist realistisch.

Mit der Kandidatur von Christoph Roefs ist das Rennen nun auf einmal relativ offen. Im Herforder Kreistag hat dieser Bürgermeister-Kandidat von 1999 bis 2004 mitgearbeitet, davon jahrelang als CDU-Fraktionschef. Politische Erfahrungen hat der Mann also reichlich. In Vlotho hat er sich erst im vorigen Herbst in den Seniorenbeirat wählen lassen. Ansonsten ist er in seiner Heimatstadt bislang weniger aufgefallen. Als Unternehmensberater sollte Christoph Roefs in der Lage sein, das Unternehmen Stadt zu führen. Wäre er nicht aus der CDU ausgetreten, dann könnte er nun auf den Rückhalt der Vlothoer Christdemokraten zählen, die es vorziehen, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen. Ohne deren Unterstützung hat es Christoph Roefs ungleich schwerer, die Vlothoer in den nächsten Wochen hinter sich zu scharen und sie davon zu überzeugen, tatsächlich einen besseren Job als Rocco Wilken zu machen. Jürgen Gebhard

 

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