Katharina Vorderbrügge (42) über Kultur in Zeiten von Corona
„Bereit, neue Formate auszuprobieren“

Vlotho (WB). Katharina Vorderbrügge (42) ist seit dem vergangenen Herbst bei der Stadt Vlotho für die Kulturarbeit zuständig. Unter anderem koordiniert sie das Programm für die Kulturfabrik. Im Interview spricht sie darüber, wie die Corona-Krise die Planungen über den Haufen geworfen hat und für neue Formate der Kulturarbeit sorgen wird.

Dienstag, 16.06.2020, 17:00 Uhr
Katharina Vorderbrügge ist als städtische Kulturbeauftragte für die Kulturarbeit in Vlotho zuständig. Foto: Jürgen Gebhard
Katharina Vorderbrügge ist als städtische Kulturbeauftragte für die Kulturarbeit in Vlotho zuständig. Foto: Jürgen Gebhard

 

Sie sind seit September vorigen Jahres Kulturbeauftragte der Stadt Vlotho. Im Frühjahr kam Corona. Hätten Sie sich einen schlechteren Start vorstellen können?

Katharina Vorderbrügge: Das erste halbe Jahr war doch super. Die Zusammenarbeit mit allen Einrichtungen der Kulturfabrik lief sehr gut an. Es gab verschiedene kleine und große Veranstaltungen, zum Beispiel Open-Stage als neues Format oder das Hammerfest-Konzert zwischen den Jahren. Anfang des Jahres sind wir als Stadt Mitglied im Kultursekretariat Gütersloh geworden. Dort haben sich verschiedene Städte zusammengeschlossen, auch um gemeinsam Fördergelder akquirieren zu können. Corona hat alle Kulturschaffenden zunächst in eine Schockstarre versetzt. Uns ist jedoch schnell klar geworden, dass es trotzdem verschiedene Möglichkeiten gibt, weiterhin Kultur anzubieten.

 

Welche Kulturveranstaltungen hatten Sie für 2020 geplant?

Vorderbrügge: Das Programm für das erste Halbjahr kam Ende des Jahres raus. Geplant waren Veranstaltungen, wie die Vlothoer sie kennen – vom Kulturfrühstück mit Vito und Mickey im Januar bis hin zu Bernd Gieseking im Juni. Die Veranstaltungen konnten zunächst wie geplant stattfinden.

 

Mitte März musste dann das gesamte weitere Programm abgesagt werden. Welche Veranstaltungsabsage bedauern Sie persönlich ganz besonders?

Vorderbrügge: Die Plakate für das zweite Open-Stage am 20. März waren schon gedruckt. Überall musste plötzlich wegen Corona alles ganz kurzfristig gecancelt werden – das hat nicht nur in Vlotho ganz große Lücken hinterlassen. Und viele Künstlerinnen und Künstler sind dadurch in eine sehr schwierige Situation gekommen, weil ihnen die Einnahmen weggebrochen sind.

 

Das Open-Stage hat dann doch stattgefunden...

Vorderbrügge: Wir haben es kurzfristig ins Internet verlegt. Unsere Künstlerinnen und Künstler hatten dafür extra Videos gedreht. Die Songs haben wir bei Facebook gestreamt. Das war unser erstes alternatives Corona-Kulturangebot.

 

Das nächste war das Autokino. Wie ist es dazu gekommen?

Vorderbrügge: Ich habe überlegt, was überhaupt möglich ist und habe auch geschaut, was in anderen Städten gemacht wird. Da war die Idee, ein Autokino zu machen, recht naheliegend. Ich habe Kontakt mit einem Event-Veranstalter aus dem Saarland aufgenommen, der so etwas macht. Auf dem Rückweg von Hannover hatte der noch freie Termine. Dann ging alles sehr schnell. Die Filme haben wir ausgesucht. Mit dem Online-Ticket-Verkauf hatten wir keinerlei Erfahrungen, doch auch das hat hervorragend funktioniert. Am 8. und 9. Mai hat „Evented“ dann die Leinwand und die Technik für vier Vorstellungen auf dem Burgparkplatz aufgebaut. Das Autokino hat nicht nur den Besucherinnen und Besuchern sehr viel Spaß gemacht. Es konnte nur so gut klappen, weil alle zusammengearbeitet haben: Bauhof, Stadtverwaltung, Jugendhof, Burgwirt und vor allem die vielen Helferinnen und Helfer vom Umsonst & Draußen-Verein. Sie alle wollten, dass es wieder ein wenig Kultur bei uns in Vlotho gibt. Und das ist uns gemeinsam gelungen.

 

Wird das Autokino wiederholt?

Vorderbrügge: Das fragen ganz viele Leute. Wir würden es gerne noch einmal machen. Die Frage ist nur, wo wir es machen können. Anfang Mai war das Burgrestaurant noch geschlossen, wir konnten den großen Parkplatz deshalb ohne Probleme nutzen. Eine Wiederholung ist frühestens im Spätsommer möglich, wenn es abends wieder früher dunkel wird. Ich könnte mir später einmal auch ein Open-Air-Kino ohne Autos vorstellen.

 

Die Corona-Krise ist noch nicht vorbei. Wird es noch andere Alternativ-Angebote geben?

Vorderbrügge: Wir wollen auf jeden Fall wieder Leben in den Kulturbetrieb bringen. Das Kulturbüro plant gerade gemeinsam mit Vlotho-Marketing den „Vlothoer Kultursommer“, der mit Beginn der Sommerferien starten soll. Alle Kulturangebote, die draußen mit Abstand möglich sind, sind denkbar. Was genau geplant ist, werden wir demnächst vorstellen.

 

Ist es schon absehbar, wann in der Kulturfabrik wieder ein reguläres Veranstaltungsprogramm stattfinden kann?

Vorderbrügge: Es wird in der zweiten Jahreshälfte ein Kulturprogramm in der Kulturfabrik und im Freien geben. Das Programm werden wir an die aktuellen Bedingungen anpassen müssen. Durch die vielen Absagen in den vergangenen Monaten ist deutlich geworden, was es heißt, auf Kultur verzichten zu müssen. Alle Kulturschaffenden sind deshalb bereit, neue Formate auszuprobieren. Das Kulturprogramm wird wegen Corona also ganz anders aussehen als sonst und es wird auch kein dickes Programmheft, sondern nur einen Flyer geben.

Werden im Sommer wieder Ferienspiele angeboten?

Vorderbrügge: Hier gilt Ähnliches. Es wird ein eingeschränktes Angebot geben. Gemeinsam mit den Vereinen und Organisatoren wird versucht, möglichst viel zu anzubieten.

 

Wie haben die anderen Einrichtungen in der Kulturfabrik – Bücherei, Heimatmuseum und Jugendkunstschule – die Corona-Krise bisher überstanden?

Vorderbrügge: Die lange Schließung war für alle nicht einfach. Das Jugendzentrum ist seit Anfang Juni unter Einschränkungen wieder geöffnet, zum Beispiel am Kicker gilt Maskenpflicht. Mit der Öffnung vieler Schulen zum 15. Juni ist das JUZ wieder wie gewohnt geöffnet. Auch die Stadtbücherei ist wieder geöffnet. In der Jugendkunstschule findet wieder Unterricht statt. Dort müssen wie überall die Hygiene-Regeln eingehalten werden. Das Heimatmuseum bleibt bis auf weiteres geschlossen. Es ist in den engen Gängen nur schwierig, sich aus dem Weg zu gehen und die notwendigen Abstände einzuhalten. Außerdem sind die Mitglieder des Heimatvereins, die das Museum betreuen, schon älter und gehören damit der Risikogruppe an.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7451195?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514631%2F
Corona-Ausgangsbeschränkungen erst ab 22 Uhr
In einem früheren Entwurf waren nächtliche Ausgangsbeschränkungen ab 21 Uhr vorgesehen. Vor allem dieser Punkt hatte in der Opposition für massive Kritik gesorgt.
Nachrichten-Ticker