Hans-Dieter Stieber besucht die „MS Klostersande“ – Stapellauf einst in Uffeln
Schiffbaugeschichte wird lebendig

Vlotho/Elmshorn (WB/bu). „Das war eine unvergessliche Fahrt. Zwar habe ich früher an solchen Schiffen mitgebaut, aber gefahren bin ich auf einem Binnengüterschiff noch nie.“ Hans-Dieter „Max” Stieber, von 1953 bis 1956 als gelernter Schiffbauer auf der Uffelner Werft von Büsching und Rosemeyer beschäftigt, ist begeistert von einem Ausflug nach Elmshorn wieder heimgekehrt. Dort hatte er an einer Fahrt auf Krückau und Elbe nach Hamburg auf der „MS Klostersande“ teilnehmen dürfen, die seinerzeit in der Uffelner Werft gebaut worden war und 1968 vom Stapel lief.

Mittwoch, 15.07.2020, 10:00 Uhr
Der ehemalige Uffelner Werftmitarbeiter Hans-Dieter Stieber aus Kalldorf (links) wird von Martin Beckmann vom Förderkeis MS Klostersande begrüßt. Zum Dank gib er ein Harmonika-Konzert. Foto: Hartmut Krafczyk
Der ehemalige Uffelner Werftmitarbeiter Hans-Dieter Stieber aus Kalldorf (links) wird von Martin Beckmann vom Förderkeis MS Klostersande begrüßt. Zum Dank gib er ein Harmonika-Konzert. Foto: Hartmut Krafczyk

Möglich gemacht hat dieses Stück lebendiger Schiffbaugeschichte der Förderkreis MS Klostersande, der von der Suche Stiebers nach alten Werftkollegen – „Werftstrategen“, wie er es nennt (Bericht vom 27. Februar 2019) – erfahren hatte und ihn zu dieser Schiffstour einlud.

Martin Beckmann vom Förderkreis MS Klostersande, der das Schiff nun betreibt, hat den 82-jährigen Kalletaler auf seiner Tour begleitet und berichtet:

Förderkreis MS Klostersande betreibt das Schiff

„Die ‚MS Klostersande‘ ist eines der vier Schiffe, mit denen die Köllnflocken-Werke seinerzeit den Hafer am Stammwerk in Elmshorn angeliefert haben.“ Bis ins Jahr 2000 habe sie Hafer nach Elmshorn gebracht und sei nach ihrer Außerdienststellung vom Förderkreis 2013 wieder nach Elmshorn geholt worden. Das Schiff sei fahrtüchtig, als Binnengütermotorschiff zugelassen und unternehme einige Reisen im Jahr, so der Förderkreissprecher.

Hans-Dieter Stieber ist an diesem Tag Ehrengast auf der MS Klostersande, heißt es in dem Reisebericht. Er ist extra aus Kalletal an der Weser angereist, um sich die Klostersande und das Fahrgebiet einmal anzuschauen. „Mit leuchtenden Augen steht er im Steuerhaus. Neben ihm am Ruder Sascha Haase, der ehrenamtlich das Schiff sicher über die Krückau, den ‚Hausfluss Elmshorns‘, steuert. Keine leichte Aufgabe. Mit 55 Metern Länge und gut 6,80 Metern Breite ist es eine echte Herausforderung, mit dem Schiff die enge und leider schon sehr verschlickte Krückau zu befahren“, heißt es im Bericht Beckmanns.

„Max“ Stieber ist begeistert über den guten Zustand des Schiffes. „Das ist nach so vielen Jahrzehnten keine Selbstverständlichkeit“, kommentiert er seine Eindrücke von der „MS Klostersande“.

Eindrucksvolles Binnengütermotorschiff

Stieber weiß, wovon er spricht: Von 1953 bis 1956 lernte er auf der Uffelner Schiffswerft Büsching und Rosemeyer Schiffbauer. Die Uffelner Werft habe sich damals gegen etliche Wettbewerber mit einem durchdachten, modernen Konzept durchgesetzt. Die Köllnflocken-Werke hätten das Schiff auch bei Kremer in Elmshorn bauen lassen können. Aber das mehreckige Ruderhaus, das neuartige Ruder der Firma Becker, dass ein ausgezeichnetes Manövrierverhalten garantierte sowie die neuartige, relativ schnell laufende und sehr klein bauende Antriebsmaschine hätten den Ausschlag für die Werft an der Weser gegeben, informiert der Förderkreis.

Dass die „Klostersande“ noch existiert, habe er nicht gewusst. Umso mehr sei er erstaunt, gewesen, als ihn der Förderverein des Schiffes anrief, berichtet Stieber. Das Angebot, auf der nächsten Reise einmal an Bord zu sein, habe er spontan angenommen, so der rüstige Senior.

Harmonika-Konzert an Bord

„Max“ Stieber, der auch als Musiker unter anderem mit den „Fidelen Kalletalern“ bekannt geworden ist, hat zu dem Ausflug auf der Elbe seine Steirische Harmonika mitgebracht. Mit bekannten Seemannsliedern von Hans Albers oder Evergreens wie „Wir lagen vor Madagaskar“ habe ich an Bord ein kleines Konzert gegeben und für Stimmung gesorgt“, berichtet Stieber nach seiner Rückkehr.

Großen Respekt hat der gelernte Schiffbauer, der später auch bei der Vlothoer Firma Stübbe als Schlosser gearbeitet hat, dass sich heute ein Förderverein um das Schiff kümmert und es in fahrfähigen Zustand hält. Erstaunt sei er darüber, dass die „MS Klostersande“ eine Zulassung als Binnengütermotorschiff aus Stahl besitzt.

„Vielleicht gibt es ja noch Kollegen von damals, die am Bau der ‚Klostersande‘ mitgearbeitet haben“, fragt sich Stieber nachdenklich.

Die Geschichte der „MS Klostersande“

1967 hatten die Köllnflocken-Werke einen Schiffbauarchitekten aus Travemünde mit der Planung des Schiffes beauftragt. Gebaut hat das Schiff Büsching & Rosemeyer in Uffeln. Schon ein Jahr später erfolgte die feierliche Übergabe an den neuen Eigner. Fortan transportierte das auf den Namen „MS Klostersande“ getaufte Binnengütermotorschiff aus Stahl mit jeder Fahrt 450 Tonnen Hafer aus der norddeutschen Umgebung nach Elmshorn. Inzwischen wird der Hafer per Lkw angeliefert. Doch die Elmshorner hatten „ihre“ Klostersande ins Herz geschlossen. Heute gehört das Schiff einem gemeinnützigen Förderverein. Auf dem Schiff kann man sich trauen lassen oder in maritimen Ambiente feiern. Gäste kommen zu Kino- und Theatervorführungen sowie Konzerten an Bord. Einige Male im Jahr geht die „MS Klostersande“ geht auf Reisen – nach Hamburg, Lübeck oder sogar Wolfsburg.

 

 

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