Etwa 1600 Sorten: Preisgekrönte Geschichte beginnt in Vlothoer Fachgeschäft
Willkommen in der Weinstadt

Vlotho (WB). Nicht alle Wege führen nach Vlotho, aber die zum besonderen Wein eben doch. Denn auf der Suche nach einer speziellen Sorte verschlug es den Weinkenner Edgar Wilkening in das Fachgeschäft Schmidt in der Langen Straße. Was an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden müsste – wäre daraus nicht eine preisgekrönte Geschichte samt Vlotho-Sidekick entstanden.

Donnerstag, 30.07.2020, 05:00 Uhr
Etwa 1600 Sorten: Preisgekrönte Geschichte beginnt in Vlothoer Fachgeschäft: Willkommen in der Weinstadt

Bierfreies Experiment

„Born Digital Wine Awards“ heißt das literarische Kräftemessen, das es seit 2015 gibt. In ihm geht es darum, „herausragende journalistische Inhalte aus aller Welt zu würdigen, die sich auf digitalem Wege mit dem Thema Wein befassen“. Ein gewaltiger Anspruch für einen Wettbewerb, von dessen Existenz wohl vor allem die Teilnehmenden und die Juroren wissen. Doch sei’s drum: Edgar Wilkening überzeugte die Jury mit der Geschichte einer aus seiner Sicht „tollkühnen Foodpairing-Mutprobe“: Er kombinierte Grünkohl mit Wein.

Dass die Kombination scheinbar nicht zusammenpassender Lebensmittel geschmacksmäßig funktionieren kann, hatte der Autor zuvor während seiner Zeit in Hamburg erfahren. Jetzt wollte er das bierfreie Experiment in Westfalen wiederholen ­ und suchte nach einem Wein aus Südafrika. Dieser hatte sich bei der hanseatischen Generalprobe als am besten geeignet herausgestellt.

„Verschlafenes Nest“

„Bei welchem Händler können Sie auf ein Sortiment Pinotage aus 12000 Kilometern Entfernung zählen?“, fragt der Autor – und gibt dem Leser nach einer Internet-Recherche die Antwort: „In einem kleinen verschlafenen Nest namens Vlotho.“ Eine wenig schmeichelhafte Charakterisierung, doch Edgar Wilkening, Weinkenner und Weltbürger zugleich, ist erkennbar kein Mann des Understatements. Immerhin teilt er dem Leser an späterer Stelle mit: „Es gibt ihn wirklich, diesen Ort Vlotho.“

Auch die Weinhandlung ist da, sie hat geöffnet. Und der aus der 84.000-Einwohner-Metropole Minden angereiste Wilkening gerät ins Schwärmen: „Sie hatte eine ganz beachtliche Auswahl an Pinotage. Und zwar vorrätig. Ich war geplättet.“ Am Ende verlässt der Kenner die von ihm anfangs bespöttelte Stadt mit vier Varianten der Rebsorte Pinotage. Die Voraussetzungen für das Wein-/Grünkohlexperiment waren geschaffen. Die daraus folgende Geschichte über das Mit- beziehungsweise Gegeneinander von Wein, Grünkohl, Bier und westfälischer Sturheit gefiel der Jury so gut, dass sie sie mit dem ersten Platz bedachte.

Den Weinhändler Uwe Schmidt erfüllt Wilkenings Expertenlob mit Genugtuung. Auf einer Fläche von 800 Quadratmetern bietet er etwa 1600 Sorten Wein an – darunter 600 aus Italien und 350 aus Südafrika. Seine Kunden kommen schwerpunktmäßig aus den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke, aber auch zum Beispiel aus dem Raum Bielefeld. Hinzu kommt das Online-Geschäft.

Affinität zu gutem Essen und Trinken

Schmidts Eltern hatten ein Lebensmittelgeschäft in Valdorf, so dass ihm das Einzelhändler-Gen gewissermaßen in die Wiege gelegt wurde. Dass sich der 54-Jährige im Laufe der Jahre vom Getränkemarkt-Allrounder zum Spezialisten entwickelt hat, hat nicht nur wirtschaftliche Gründe: „Der Weinhandel ist vor allem aus der Leidenschaft für Wein entstanden.“ Liebe zum Wein – das steht für Schmidt für die Affinität zu gutem Essen und Trinken.

Von Kunden, die zum ersten Mal kommen, kennt der Händler den Wilkening-Effekt – dass die Leute überrascht sind, dass es in Vlotho einen Laden mit einem derart großen Wein-Angebot gibt.

Dabei stellt er die Räumlichkeiten auch für Veranstaltungen wie Geburtstage, ja sogar Hochzeiten zur Verfügung: „100 Gäste finden hier Platz und im vergangenem Jahr waren wir an jedem Wochenende ausgebucht.“ Corona sorgt hier gerade für eine Pause, doch das Weingeschäft floriert weiter.

Für Wilkening wiederum brachte der Weinkauf nicht nur die Erkenntnis, dass es in Vlotho ein gut aufgestelltes Fachgeschäft gibt, sondern auch, dass es beim anschließenden Grünkohlessen gar nicht so sehr um die Wahl des richtigen Weines ging. Wirklich keinen Spaß versteht der Westfale, so stellt der Autor fest, bei der Frage nach der richtigen Zubereitungsform für Grünkohl. Mit Butterschmalz oder mit Gänseschmalz, mit Hafergrieß oder Perlgraupen? Heftiger Streit bricht aus, der Wein gerät ins Hintertreffen. Am Ende muss der Schnaps ran, um für den Westfälischen Frieden zu sorgen.

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