Auf dem Hof Bohlmeier in Vlotho gibt es mehr als 40 bewohnte Nester
Schwalben lieben den Reiterhof

Vlotho (WB). Der Reiterhof Bohlmeier an der Dornberger Heide ist seit vielen Generationen die Heimat von Rauchschwalben. Zurzeit gibt es dort in den verschiedenen Stallungen mehr als 40 bewohnte Schwalbennester. „Seit frühester Kindheit sind Schwalben für mich willkommene Sommerboten, die irgendwann im April eintreffen und das Ende des Winters verkünden“, erinnert sich Hof-Eigentümerin Ina Bohlmeier. Sie ist seit jeher fasziniert von den etwa 18 Zentimeter langen blitzschnellen Flugkünstlern. Gemäß der Bauernregel „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ weiß sie, dass der ersten ankommenden Schwalbe viele weitere folgen.

Freitag, 31.07.2020, 21:00 Uhr
Überall in den Stallungen gibt es Schwalbennester. Foto: Gisela Schwarze
Überall in den Stallungen gibt es Schwalbennester. Foto: Gisela Schwarze

Ina Bohlmeier lädt Groß und Klein ein, auf ihrem schwalbenfreundlichen Areal die Sommerboten zu besuchen und bei der Aufzucht des Nachwuchses zu beobachten: „Nach zwei Wochen Brutzeit schlüpfen in der Schwalbenkolonie die Jungen, die dann von den Eltern noch etwa drei Wochen gefüttert werden“, berichtet sie. Die Vögel in ihrem Reiterhof haben den ganzen Tag zu tun. Allein im Pferdestall befinden sich 25 bebrütete Nester mit ständigem Schwalbenflug und Fütterungsbetrieb. Die Zugvögel ernähren sich von fliegenden Insekten und von den im Luftstrom treibenden Spinnen, die sie im Flug erbeuten, berichtet Ina Bohlmeier.

Zierliche Zugvögel

Die Hofeigentümerin bewundert die zierlichen Zugvögel: „Sie sind nur 20 Gramm leicht und absolvieren beim Vogelflug zweimal jährlich Stecken von jeweils 12.000 Kilometern.“ Ina Bohlmeier ist begeistert von der unerschöpflichen Energie der kleinen Flugkünstler, die pro Sommer mindestens zwei Bruten mit zwei, drei oder mehr Jungen aufziehen und dann riesige Flugstrecken auf sich nehmen, um südlich der Sahara bis zur Südspitze Afrikas während der kalten Jahreszeit zu überwintern.

Die Rauchschwalben sind in unseren Breiten zu Sorgenkindern des Naturschutzes geworden: Immer mehr Bauernhöfe wurden aufgegeben. Reiterhöfe sind ein kleiner Lichtblick und werden von den Rauchschwalben als Alternative zu Schweine- und Kuhställen angenommen. Als Kulturfolger haben sie sich an eine von Menschen geprägte Umgebung angepasst. Sie bauen ihre Nester im Inneren von Pferdeställe, Schuppen, Garagen oder Carports. Offene Türen zu jeder Tages- und Nachtzeit sind für Rauchschwalben eine Voraussetzung.

Die Intensivierung der Landwirtschaft, zunehmende Hygieneanforderungen und die starke Versiegelung der Landschaft machen den Vögeln zu schaffen. Rauchschwalben stehen als gefährdet auf der Roten Liste. Ihr Name entstand dadurch, dass die Art früher gerne in Schornsteinen und Rauchfängen brütete.

NABU zeichnet Häuser aus

„Zu Glück gibt es immer mehr Menschen, die den Rauchschwalben ein Quartier bieten wollen“, freut sich Ina Bohlmeier.

„Wenn Schwalben am Haus brüten, geht das Glück nicht verloren“, wissen die Bauern seit jeher. Sie heißen Schwalben willkommen, obwohl die Nester mit Dreck und Vogelkot verbunden sind. Die Nester sind oben offen. Sie bestehen hauptsächlich aus Lehm, den die Vögel an Pfützen oder Gewässerrändern sammeln. „Aus 1000 und mehr mit Speichel behafteten Lehmklümpchen wird ein napfförmiges Nest zusammengemörtelt“, erklärt Ina Bohlmeier. Nester aus dem Vorjahr würden von den Schwalben instandgesetzt und erneut benutzt.

Seit dem Jahr 2010 zeichnet der Naturschutzbund Deutschland (NABU) schwalbenfreundliche Häuser aus. Hauseigentümer wie Ina Bohlmeier, die in ihren Gebäuden einen Brutplatz für Schwalben bieten, erhalten Hinweisplaketten, die für Besucher und Passanten die Beherbergung von Schwalben dokumentieren. „Es ist höchste Zeit, etwas zu tun für die heimischen Schwalben und dem Mangel an geeigneten Nistmöglichkeiten entgegen wirken“, wünscht sich Ina Bohlmeier.

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