Eigentümer will Hotel Lütke in Vlotho entweder verkaufen oder ausbauen
„So geht es nicht weiter“

Vlotho (WB). An der Fassade des ehemaligen Hotels Lütke prangen jetzt „Zu verkaufen“-Schilder. Als Gewerbeflächen, als Grundstück – offenbar gibt es da mehrere Optionen. Doch Besitzer Willi Kordes spürt nach eigenen Angaben keinen Verkaufsdruck. Der Vlothoer Unternehmer hat eigene Pläne mit der historischen Immobilie.

Samstag, 08.08.2020, 04:00 Uhr
Einst war das Hotel Lütke die erste Adresse in Vlotho. Seit 20 Jahren steht inzwischen leer. Jetzt wird ein Käufer gesucht. Foto: Jürgen Gebhard
Einst war das Hotel Lütke die erste Adresse in Vlotho. Seit 20 Jahren steht inzwischen leer. Jetzt wird ein Käufer gesucht. Foto: Jürgen Gebhard

Das Hotel Lütke kennt nahezu jeder in Vlotho. Seit 1871 gab es ein Hotel an der Weserstraße 29, ab 1947 auch noch ein Kino. Wer einst etwas zu feiern hatte, ließ sich im Restaurant verwöhnen. Doch diese Zeiten sind schon lange vorbei. „Urbexer“, Kinder und andere Abenteuerlustige erkunden heute illegal das abgesperrte Gebäude, das seit Anfang der 2000er Jahre leer steht und verfällt.

Videos aus dem Inneren

Wie Fotos oder Videos aus dem Inneren zeigen , gibt es immer noch den Verkaufsstand im Obergeschoss, in dem einmal Kinokarten und Popcorn zu haben waren. In der Gaststube stehen Reste von Sitzmöbeln. Ein verrottendes Klavier harrt neben einer kahlen Betonmauer aus. Einen Raum des Hauses haben sich Obdachlose oder andere Besucher komplett mit stockfleckigen Matratzen ausgepolstert.

Immer wieder bessert der Besitzer die Absperrungen aus, doch die ungebetenen Gäste finden jedes Mal erneut einen Weg ins Innere. Damit könnte es vorbei sein, wenn Willi Kordes tatsächlich seine Pläne in die Tat umsetzt und einen Ausbau beginnt.

„Wir haben jahrelang Grundsteuer für nix und wieder nix bezahlt und lange genug gezögert“, sagte Willi Kordes jüngst im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es soll ‘was passieren, so geht es nicht weiter. Und selbst abreißen wollen wir das Haus nicht.“

Warten auf Angebot

Stattdessen habe er Architekten eingeschaltet und begonnen, eine zweigleisige Strategie für die Zukunft zu entwickeln: entweder der Ausbau – oder doch der Verkauf. „Wenn ein gescheites Angebot kommt, ist es weg“, so Kordes. Verschenken werde er die Immobilie aber nicht, bisherige Interessenten hätten unrealistische Vorstellungen gehabt.

Willi Kordes würde lieber Übernachtungsmöglichkeiten für Weser-Radwegtouristen anbieten. Oder das fast viergeschossige Gebäude in ein Wohnhaus mit kleiner Gaststätte umwandeln. Als Nicht-Gastronom könne er aber keine Luxusprojekte finanzieren. Trotzdem ist sich Kordes sicher: „Wenn man das vernünftig aufbaut, kann man ein Schmuckkästchen daraus machen.“

Bürgermeister Rocco Wilken verfolgt die Privatinitiative mit Interesse. „Politik und Stadtverwaltung sind immer froh, wenn hier in der Stadt in alte Immobilien investiert wird“, sagt er. Gerade Übernachtungsmöglichkeiten in der Innenstadt seien rar, und auch barrierefreie Wohnungen in dieser Lage würden Vlotho fehlen. Es sieht allerdings derzeit nicht so aus, als habe Willi Kordes Fördermittel zu erwarten.

1871 bis 1938

Die Geschichte des Hauses in der Weserstraße 29 begann 1871. August Delkeskamp baute das großzügige Gebäude und eröffnete ein Hotel. In einer alten Werbeanzeige von 1902 wird mit einem Tennisplatz, Garten und Billardmöglichkeiten geworben. Vertreter der Wirtschaft, die „Vlothoer Ressource“, hatten 1904 ihren Clubraum bei Delkeskamp. Sie trafen sich, um ihre Interessen zu besprechen. Irgendwann in den 1920er Jahren gab Delkeskamp das Haus auf.

1938 bis 1958

Als Hans Lütke am 15. April 1938 das Hotel kaufte und dort einzog, war Sohn Bernhard zehn Jahre alt. Als 14-Jähriger begann er seine Kochlehre im Kurhaus Bad Oeynhausen. In den 1940er Jahren erhielt das Haus den Namen „Hotel Lütke“. Während des Krieges wurden darin französische Soldaten einquartiert. Für die Soldaten, die in der Bürgerschule und den späteren Ratsstuben untergebracht waren, kochten viele Helfer unter der Regie von Bernhard Lütkes Mutter. Am 30. Mai 1947 eröffnete Hans Lütke im gleichen Haus ein Kino mit 500 Plätzen. In den „Weserlichtspielen“ zeigte er Filme, Theaterstücke und Operetten: Vor der Bühne gab es einen Orchestergraben mit Platz für 60 Musiker.

Ufa-Stars wie Lale Andersen und Grethe Weiser kamen nach Vlotho. Ensembles vom Landestheater Detmold oder dem Theater des Westens traten regelmäßig auf. 1957 verpachtete Hans Lütke das Kino.

1958 bis 1999

1959 übernahmen Bernhard und Ehefrau Aenne Lütke Hotel und Kino. Gemeinsam bildeten sie Lehrlinge aus: er die Köche, sie die Restaurantfachleute. Das Haus florierte. Im Saal lernten viele Vlothoer das Tanzen. Wer etwas zu feiern hatte, der ging zu Lütke.

Einige Umbauten sorgten dafür, dass das Hotel auf dem neuesten Stand blieb. 1972 ließ Lütke ein drittes Geschoss aufsetzen, um die Bettenzahl erhöhen zu können. Schließlich feierten Lütkes 1988 mit vielen Gästen bei Hummer und Austern eine „Triade“: Bernhard Lütke wurde 60, das Hotel 50 und das Kino 40 Jahre alt.

Ab 1993 suchte Bernhard Lütke einen Nachfolger. Er fand 1995 Thomas Pfeiffer und Annette Stephan. Ein Jahr später beklagte Pfeiffer, es kämen nur 20 Besucher pro Kinovorstellung, nötig wären 60. Das Paar benannte das Hotel 1997 in „Das alte Kino“ um. Das nützte aber nichts: Das Haus musste schließlich versteigert werden.

1999 bis heute

Die Vlothoer Unternehmer-Familie Kordes pachtete zunächst das Kino für die Theatergruppe „Spotlight“ und erwarb schließlich das ganze Haus. Zu der im Juni 2000 geplanten Eröffnung des „Hotel Minske“ kam es nicht. Das Haus steht leer und verfällt.

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