Auch Vlothoer Erstwähler ab 16 Jahren können am Sonntag ihr Kreuzchen machen
Einmischen statt raushalten

Vlotho (WB). Wer mindestens 16 Jahre alt ist, darf in ein paar Tagen mitentscheiden, wie sich Vlotho in den nächsten fünf Jahren weiterentwickeln wird. Doch nur jeder zweite Wahlberechtigte hat 2014 von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht.

Montag, 07.09.2020, 04:27 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 04:30 Uhr
Haben bereits Briefwahl gemacht (von links): Jule Sträter, Paulina Schiewer und Emin Sarikaya. Foto: Jürgen Gebhard
Haben bereits Briefwahl gemacht (von links): Jule Sträter, Paulina Schiewer und Emin Sarikaya. Foto: Jürgen Gebhard

Rathaussprecher Axel Mowe: „Wir hatten in Vlotho damals eine Beteiligung von nur 51 Prozent.“ Auf kommunaler Ebene müsste diese Zahl eigentlich viel höher sein, meint er. Schließlich gehe es bei einer Kommunalwahl um die Stadt, in der man lebt und in der man viele der Kandidaten persönlich kennt.

Niedrigere Beteiligung

Mowe hat auch die Vergleichszahlen der anderen Wahlen. Da war die Beteiligung stets größer: Landtagswahl 2017: 65 Prozent, Bundestagswahl 2017: 75 Prozent, Europawahl 2019: 61 Prozent. Liegt die geringe Beteiligung bei den Kommunalwahlen vielleicht an den Jungwählern? Eine Antwort darauf kann der Rathaus-Sprecher nicht geben. Das Alter der Wähler werde nämlich nicht erfasst: „Solche Statistiken gibt es nicht.“

Die 16-jährige Lina Windmüller gehört zu den Vlothoerinnen und Vlothoern, die am 13. September zum ersten Mal wählen dürfen. „Ich habe in meinem Freundeskreis gefragt“, sagt die Schülerin der EF des Weser-Gymnasiums, „manche gehen wählen, aber viele sind sich noch unsicher.“ Sie selbst findet es wichtig, wählen zu gehen: „Wir haben dieses Privileg und sollten es auch nutzen. Ich möchte dazu aufrufen, wählen zu gehen. Mit 16 ist man alt genug, auf kommunaler Ebene mitzubestimmen.“

Interesse für die eigene Stadt

Sie hat sich über die prinzipielle Ausrichtung der Parteien informiert, aber so ganz steht ihre Entscheidung noch nicht fest. Allerdings, sagt sie, habe die politische Entscheidung, den Vlothoer Schülern iPads zu besorgen , für gewisse Sympathiewerte gesorgt.

Die klassischen Informationskanäle wie Haustürbesuche von Kandidaten und Informationsstände in der City oder vor dem Supermarkt nutze sie eher nicht, sagt die 16-Jährige. Generell bekommen viele junge Vlothoer aber durchaus mit, was vor ihrer Haustür passiert, und interessieren sich dann auch dafür – so hat Lina sich beispielsweise mit dem Ausbau der Höltkebruchstraße und der Debatte über Straßenausbaubeiträge befasst.

Wichtig für Vlothos Zukunft und für ihre Wahlentscheidung sei die Angebotsinfrastruktur für Kinder und Jugendliche in Vlotho. „Das JUZ ist ein guter Ort, aber viele gehen nicht hin, weil sie nicht wissen, was sie da machen könnten.“ Sie fände es gut, wenn in der Kulturfabrik mehr Partys stattfinden könnten und hat sich beim Abschluss des Kultursommers über die Zukunftsperspektiven der Kulturfabrik informiert. „Da waren viele gute Ideen dabei“, findet Lina.

Persönlichkeiten sind wichtig

Emin Sarikaya (19), Paulina Schiewer (20) und Jule Sträter (21) sind ebenfalls Jungwähler. Und da sie als zukünftige Verwaltungsfachangestellte im Vlothoer Rathaus arbeiten, ist es für sie selbstverständlich, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Am kommenden Sonntag sind sie im Dienst, deshalb haben sie bereits Briefwahl gemacht. Für viele andere in ihrem Alter sei die Kommunalwahl kein Thema. Die allermeisten würden wohl nicht wählen, vermuten sie.

„Es ist wichtig, dass sich Leute im Rat für ihre Stadt engagieren“, sagt Emin Sarikaya. Die Wünsche und die Stimmen der jungen Leute dürften nicht unter den Tisch fallen. Deshalb sollte man wählen gehen – egal, wie alt man ist: „Wenn man wie wir im Rathaus viele der Leute persönlich kennt, ist das natürlich von Vorteil.“

Lokale Vorbilder

Mit seinen beiden Kolleginnen ist sich der junge Mann einig, dass es bei einer Kommunalwahl weniger auf den Namen einer Partei als vielmehr auf die Persönlichkeiten ankomme. Und wer wie er in Vlotho wohnt und im Rathaus arbeitet, könne mit der Bürgermeisterwahl sogar den eigenen Chef wählen: „In welcher Firma geht das schon?“

Reden junge Leute in ihrer Freizeit viel über Politik? Im Freundeskreis sei Politik selten ein Thema, in den Familien werde schon eher darüber gesprochen, sagen die drei. Selber politisch aktiv zu werden, ist für sie derzeit noch kein Thema. Axel Mowe ermuntert seine Kollegen und alle anderen jungen Leute, sich beizeiten politisch zu engagieren: „In Vlotho haben wir mit Stefan Schwartze einen Bundestags- und mit Christian Dahm einen Landtagsabgeordneten. Beide haben auch einmal klein angefangen.“

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