Vlothoer Popstar Joris beendet Konzertsaison mit Open-Air-Auftritt in Lingen an der Ems
„Musik ist das, was uns zusammenhält“

Lingen/Vlotho (WB). Mit einem Open-Air-Konzert vor 460 Zuschauern hat sich Singer- und Songwriter Joris von der diesjährigen Konzertsaison verabschiedet. Der Auftritt in Lingen an der Ems sollte ein Stück Normalität zurück in das Kulturgeschehen bringen – es war ein Versuch.

Dienstag, 15.09.2020, 13:39 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 13:42 Uhr
Abschied von der Corona-Konzertsaison: Joris und seine Bandkollegen blicken auf ein außergewöhnliches Musikjahr zurück. Foto: Dirk Sonntag
Abschied von der Corona-Konzertsaison: Joris und seine Bandkollegen blicken auf ein außergewöhnliches Musikjahr zurück. Foto: Dirk Sonntag

Joris ist Vlothos erfolgreichster Musikexport und spricht zum Abschied seiner wenigen Konzertauftritte in diesem Jahr unumwunden aus, was ihm fehlt: „Keine Frage, wir Musiker sind nicht systemrelevant. Aber Musik ist das, was uns zusammenhält. Ich bin glücklich, dass wir Kompromisse finden und die Musik nicht verstummt.“

Was möglich ist, sieht beim Sommer-Open-Air in Lingen so aus: 460 Konzertbesucher haben sich im Vorfeld ein Ticket für Joris gekauft. Eine Abendkasse gibt es nicht, obwohl das Konzert längst nicht ausverkauft ist. So möchte der Veranstalter, die Stadt Lingen, die Bildung von Menschenschlangen vermeiden.

Es gibt keine Stehplätze

Rund 70 Mitarbeiter achten vor Ort auf die Einhaltung des Hygienekonzepts und organisieren das Geschehen. Dazu zählen zwei scheinbar endlos lange, abgetrennte Eingangsstraßen, durch die die Besucher das Veranstaltungsgelände erreichen. Gleich dahinter warten ein halbes Dutzend Desinfektionsspender. Wer seine Hände nicht unaufgefordert desinfiziert, wird vom Ordnungspersonal höflich daran erinnert.

Beim Eingang und auf dem Gelände gilt Maskenpflicht, erst am Platz dürfen die Zuschauer ihr Gesicht unverhüllt zeigen. Stehplätze sind gestrichen, jeder Gast ist mit seinem festen Sitzplatz registriert. „So können wir alles bis ins Detail nachvollziehen“, erklärt eine freundliche Mitarbeiterin.

Stimmung anfangs ausbaufähig

Statt Festivalgefühl mit Würstchen-, Crêpes-, Cocktailbuden und anderen Verkaufsständen verlieren sich zwei Getränkewagen und der Imbissstand „Fritten-Schlitten“ auf dem weitläufigen Gelände, das sonst als Großraumparkplatz genutzt wird. Der Andrang bei „Fritten-Schlitten“ und den Getränkewagen ist überschaubar, die Stimmung vor Beginn des Konzerts ausbaufähig.

Kein Vergleich zu Festivals, bei denen Joris in den vergangenen Jahren auftrat, da waren Verkaufsstände schon im Vorfeld dicht umlagert und fröhliches Stimmengewirr füllte die Plätze. „Die Leute sind vorsichtig“, heißt es von der Stadt Lingen – und bedächtig zurückhaltend.

Zugabe „Herz über Kopf“

In diesem Umfeld sind Joris und seine vier Bandmitglieder bei ihrem Auftritt nicht zu beneiden. Trotzdem versprüht der ehemalige Vlothoer von Beginn an Lebensfreude, sorgt für gute Stimmung. Nach den ersten Liedern erheben sich einige Besucher von ihren Sitzplätzen, tanzen und singen vor ihren Stühlen. „Hier würde ich jetzt eigentlich sagen, nehmt euren Nachbarn in den Arm – aber das geht heute nicht“, mahnt Joris.

Dann widmet er sich dem, was er so gut wie nur wenige andere Künstler kann. Er macht Musik und treibt seine Band zur Höchstleistung an – als wäre es ein Festivalauftritt vor 10.000 Fans. Als Zugabe spielt Joris seinen größten Erfolg „Herz über Kopf“ und seinen aktuellen Hit „Nur die Musik“. Da sitzt niemand mehr auf den Stühlen, die Stimmung erinnert einen Augenblick lang an ausgelassene vergangene Zeiten.

„Ich weiß, das Konzert hier ist etwas Besonderes“, sagt Joris. Und er weiß: Für ein Zurück zur Normalität in der Kultur ist es noch ein langer, beschwerlicher Weg.

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