CDU Vlotho hat in den vergangenen Jahrzehnten noch nie so wenig Prozente erhalten
Historisch schlecht

Vlotho (WB). Landesweit hat die CDU bei der Kommunalwahl 34,3 Prozent und damit insgesamt die meisten Stimmen erzielt. „Laschet spürt Rückenwind für Kurs der Mitte“ titelte diese Zeitung am Dienstag, der Kommentar dazu: „Für die SPD siehts düster aus“. Ganz anders in Vlotho: Dort ist es schlecht um die CDU bestellt . In Vlotho haben die Christdemokraten mit 27,62 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis mindestens seit 1994 erhalten. Damals waren es 40,11 Prozent.

Donnerstag, 17.09.2020, 03:58 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 08:54 Uhr
Der Abstand zwischen SPD und CDU ist groß: Früh zeigen das die Diagramme, die am Wahlabend im Schulzentrum präsentiert werden. Foto: Jürgen Gebhard
Der Abstand zwischen SPD und CDU ist groß: Früh zeigen das die Diagramme, die am Wahlabend im Schulzentrum präsentiert werden. Foto: Jürgen Gebhard

Nur bei den Kommunalwahlen 1989 und 1984 stand die Vlothoer CDU mit 27,50 beziehungsweise 21,49 Prozent noch etwas schlechter da als heute – allerdings nur, wenn man das Ergebnis für sich alleine sieht: Im Streit um die Abberufung des damaligen Stadtdirektors Jürgen Stracke hatten sich sechs Fraktionsmitglieder von der CDU abgespalten und als Vlothoer Bürger Union (VBU) auf Anhieb 10,80 beziehungsweise 14,48 Prozent bekommen. Aufs konservative Lager (CDU plus VBU) entfielen damit zu jener Zeit insgesamt 38,30 und 1984 35,97 Prozent.

Die CDU war 2020 ohne einen eigenen Bürgermeisterkandidaten in die Wahl gegangen. Für den unabhängigen Bewerber Christoph Roefs (ein ehemaliges CDU-Mitglied) hatte sie Sympathie bekundet , ihn aber im Gegensatz zur FDP nicht zum eigenen Kandidaten gemacht.

„Klare Kane“ vermisst

Für Jürgen Flaake – CDU-Spitzenkandidat bei der Bürgermeisterwahl 2015 und bis dahin Ratsmitglied (ab 2009) und Fraktionsvorsitzender (ab 2012) – war das ein großer Fehler. „Wie die CDU sich zu Christoph Roefs gestellt hat, war das nicht Fisch noch Fleisch“, sagt er dem WESTFALEN-BLATT. In der Politik komme es darauf an, eine „klare Kante“ zu zeigen. Mit „Wischi-Waschi“ erreiche man nichts. Christoph Roefs sei ein guter Mann und hätte die Unterstützung verdient. Die Vlothoer CDU hätte mit ihm alle Chancen gehabt.

Schon bei der vorletzten Bürgermeisterwahl (gegen Bernd Stute) sei es nicht überall gut angekommen, dass die CDU auf einen eigenen Kandidaten verzichtet habe, meint Flaake. Und diesen Fehler habe man nun ohne Not wiederholt. Im Rat sei seine Partei in der Versenkung verschwunden, statt Opposition zu machen und sich deutlich zu positionieren. „Man darf nicht zu allem Ja und Amen sagen.“ Der Wähler habe die CDU in der vergangenen Legislaturperiode kaum wahrgenommen. Dafür habe es jetzt bei der Wahl die Quittung gegeben.

„Nicht anders zu erwarten“

Kürzer eine Stellungnahme von Ratsherr Michael Ennulat, der im Dezember nach 50 Jahren Parteizugehörigkeit die CDU und die Fraktion verlassen hat und noch bis Ende der Legislaturperiode als Unabhängiger im Kommunalparlament einen Sitz hat: „Die CDU war in der Vergangenheit nicht zu hören. Das Ergebnis jetzt war nicht anders zu erwarten.“

Eine genaue Wahlanalyse konnte Stadtverbandsvorsitzender Walter Brandt am Mittwoch noch nicht abgeben. Die Vergleichszahlen der vergangenen Jahre habe er sich noch nicht angeschaut. Das Thema werde am Abend im Stadtverband erörtert. Dann werde auch über mögliche Konsequenzen gesprochen.

Kommentar

Da gibt es nichts zu beschönigen: Die Vlothoer CDU ist die ganz große Verliererin dieser Kommunalwahl. Die CDU hat im neuen Stadtrat nur noch 9 von 34 Sitzen. Über das schlechte Abschneiden werden sich SPD (13 Sitze) und Grüne Liste (6) freuen. Mit ihrem gemeinsamen Bürgermeister Rocco Wilken können sie ganz komfortabel alle Entscheidungen treffen, ohne jemand anderen fragen zu müssen. In den vergangenen Jahren wurden im Stadtrat und in den Ausschüssen die allermeisten Entscheidungen einvernehmlich gefasst. Streit gab es praktisch nie. Unterschiede zwischen den einzelnen Fraktionen waren kaum wahrnehmbar. Dafür und für das nur halbherzige Bekenntnis zum Bürgermeisterkandidaten Christoph Roefs hat es nun die Quittung gegeben. Die CDU sollte ihre Niederlage als Chance sehen. Sie sollte sich auf ihre Rolle als Oppositionspartei besinnen. Sie sollte hart arbeiten. Sie sollte sich konstruktiv einbringen. Sie sollte ihre eigene Meinung vertreten, um öffentlich wieder wahrnehmbar zu werden. Nur dann kann es wieder aufwärts gehen mit der CDU. Jürgen Gebhard

 

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