Stadt und Verein „Vlothoer für Flüchtlinge“ stehen vor neuen Herausforderungen
Wohnraum und Helfer gesucht

Vlotho (WB). Die Arbeit des Vereins Vlothoer für Flüchtlinge und der Mitarbeiter des Fachdienstes Soziales der Stadt ist gerade jetzt in Corona-Zeiten bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen vor große Herausforderungen gestellt. So sucht die Stadt aktuell privaten Wohnraum für einige aus den Landeseinrichtungen neu zugewiesene Flüchtlingsfamilien.

Samstag, 26.09.2020, 03:30 Uhr
Sie kümmern sich um die Flüchtlinge und Migranten, die nach Vlotho kommen, von links: Ralf Tschechne, Ariane Schormann, Rocco Wilken, Wolfgang Vogelsang und Ulrich Ammon. Der Verein „Vlothoer für Flüchtlinge“ sucht dringend Betreuer und Sprachmittler für seine Flüchtlingsarbeit. Foto: Joachim Burek
Sie kümmern sich um die Flüchtlinge und Migranten, die nach Vlotho kommen, von links: Ralf Tschechne, Ariane Schormann, Rocco Wilken, Wolfgang Vogelsang und Ulrich Ammon. Der Verein „Vlothoer für Flüchtlinge“ sucht dringend Betreuer und Sprachmittler für seine Flüchtlingsarbeit. Foto: Joachim Burek

Wohnraum gesucht

„Sind es bis März nur acht Personen gewesen, die seit Jahresbeginn in Vlotho neu untergebracht werden mussten, ist die Zahl ab Juli 202o auf 16 angewachsen. Zuletzt haben wir noch fünf Familien zugewiesen bekommen. Weitere sind angekündigt“, berichten Wolfgang Vogelsang und Ralf Tschechne vom Fachdienst Soziales der Stadt Vlotho. Nach der Erstunterbringung in den städtischen Wohnheimen werde nun insbesondere privater Wohnraum für Flüchtlingsfamilien mit vier bis fünf Personen oder für Einzelpersonen gesucht. In einem Aufruf bittet die Stadt die Vlothoer um Mithilfe. „Die Flüchtlingsbetreuung würde die Geflüchteten bei der Anmietung von privatem Wohnraum unterstützen und begleiten“, erläutert Tschechne. Wohnungsangebote können an die Mailadresse Asylbetreuung@Vlotho.de oder die Telefonnummer 05733/924-115 gerichtet werden.

Schwerpunkt Integration

In einem Sachstandsbericht hatten außerdem auf Einladung von Bürgermeister Rocco Wilken mit Ulrich Ammon und Ariane Schormann zwei Vertreter des Vereins „Vlothoer für Flüchtlinge“ einen Überblick über ihre Vereinsarbeit gegeben. „Die Hauptarbeit hat sich nach den ersten beiden Jahren vom Schwerpunkt Flüchtlingshilfe auf den Schwerpunkt Integration verschoben“, stellten Ulrich Ammon und Ariane Schormann fest. Das Aufgabenfeld für die Helfer des Vereins reiche inzwischen von der Hilfe bei der Ausweisbeschaffung, bei der Stellung von Anträgen und bei Gesprächen mit dem Ausländeramt über die Hilfe bei Verhandlungen mit möglichen Arbeitgebern bis zur Unterstützung bei Informationsgesprächen mit Grundschulen und weiterführenden Schulen.

Verein sucht Helfer

Als aktuell eines der größten Probleme bei ihrer Flüchtlingsarbeit sehen die Vereinsvertreter im Fehlen von Helfern und Sprachmittlern. „Leider ist unser Mitarbeiterstab aus gesundheitlichen Gründen etwas kleiner geworden. Wir sind zur Zeit nur acht bis zehn Betreuer. Daher brauchen wir auch aus allen Generationen neue Helfer, durchaus auch jüngere Leute für die Familienbetreuung und für die Schulaufgaben-Nachhilfe“, appelliert Ammon an die Hilfsbereitschaft der Vlothoer. Insbesondere Sprachmittler, gerne auch ehemalige Lehrer, die Einstiegskurse zum Spracherwerb geben könnten, würden gebraucht. Besonders seien Frauen für den Unterricht bei Flüchtlingsfrauen oder -familien willkommen. „Diese Hilfe beim Spracherwerb ist deshalb so wichtig, da deutsche Sprachkenntnisse bei der Vermittlung von Jobs, von Ausbildungsplätzen oder auch zum Führerscheinerwerb dringend notwendig sind“, so die Mitarbeiter der Vereins.

Aktuelle Probleme

Die Flüchtlingsarbeit sei leider aufgrund der coronabedingten Auflagen in Teilen nur eingeschränkt möglich, erläutert Ulrich Ammon. „Vor allem das bewährte Freitagstreffen ‚Von Mensch zu Mensch‘ in der Kulturfabrik ist seit sechs Monaten ausgesetzt“, bedauert er. Wünschenswert sei dafür ein Hygienekonzept zu erarbeiten, um diese Treffen wieder aufzunehmen, so Ammon.

Neben der großen Gruppe derer, die einen Arbeitsplatz suchten, gebe es aber auch die Gruppe der Wenigen, die nicht arbeiten wollten,zeigte der Vereinssprecher Felder auf, wo es noch manchmal hakt. Probleme machten auch die Frauen, die selbst nach vier Jahren kein Deutsch lernten und sich ganz in die Familie zurückzögen. Ammon: „Hier brauchen wir Helfer, die motivieren und diejenigen darunter erreichen, die angesprochen und begeistert werden wollen.“

Die Kooperationspartner

Einen Dank sprachen die Vereinsvertreter an die Kooperationspartner aus, mit denen seit Jahren erfolgreich zusammengearbeitet werde. Hier wurden die hauptamtlichen Flüchtlingsbetreuer in Vlotho, das Ausländeramt Herford, das Kommunale Integrationszentrum Herford, das Job-Center, die Kulturfabrik und die Jugendfreizeitstätte (Merle Stemmer) in Vlotho genannt. Ebenso wurden die vielen Flüchtlingshelfer, die nicht Vereinsmitglied sind, sowie die zahlreichen Arbeitgeber in der Weserstadt erwähnt, die sich um Flüchtlinge und Migranten kümmern.

Integrationserfolge

Schließlich zählten Ulrich Ammon und Ariane Schormann einige Beispiele für gelungene Integration in Vlotho auf. Da gibt es den Syrer, der jetzt seinen Bachelor in Architektur gemacht hat, die Syrerin, die ihr Tierarztstudium in Hannover abgeschlossen hat und nun in Vechta praktiziert sowie den jungen Afghanen, der extra von Braunschweig nach Vlotho umzogen ist, um hier eine Ausbildung zu beginnen.

Abschließend signalisierte Bürgermeister Wilken, dass die Stadt die Arbeit des Vereins weiter tatkräftig unterstützen wird. „Zur Solidarität gehören alle dazu. Und in Vlotho haben wir eine gute Kultur des Miteinanders“, resümierte der Bürgermeister.

 

Kommentare

Klaus Frohn  schrieb: 26.09.2020 18:01
#Wir haben Platz??
Ich bin jetzt leicht irritiert! Tausende laufen durch die Städte und skandieren, "wir haben Platz" und nun wird in der Zeitung um Wohnraum gebettelt. Wie vertragen sich diese beiden Verhaltensweisen miteinander?
1 Kommentare
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