Mögliche ICE-Trasse Bielefeld – Hannover von Exter über Wehrendorf nach Kalldorf
Mit Tempo 300 durch Vlotho

Vlotho (WB). Die Bahn plant seit Jahren eine schnelle ICE-Trasse zwischen Bielefeld und Hannover. Die aktuell von der Bahn favorisierte möglichst gerade Trasse führt quer über Vlothoer Gebiet. Dort könnten die Züge mit bis zu 300 km/h fahren. Der genaue Streckenverlauf ist nicht bekannt. Möglich wäre eine Linie von Tierpark Herford über die Loose, durch Exter und Wehrendorf, dann durch den Eiberg und den Winterberg bis nach Kalldorf, wo die Weser gequert werden müsste. Über die aktuellen Planungen wurde am Montagabend im Gemeindehaus Wehrendorf informiert. In einer nächsten Versammlung könnte eine Bürgerinitiative gegründet werden.

Dienstag, 29.09.2020, 18:12 Uhr
Um mit Höchstgeschwindigkeit fahren zu können, muss die Trasse für den ICE möglichst kurvenfrei sein. Auf der hier dargestellten Ideallinie liegt Vlotho. Foto: Grafik Kathrin Fischer
Um mit Höchstgeschwindigkeit fahren zu können, muss die Trasse für den ICE möglichst kurvenfrei sein. Auf der hier dargestellten Ideallinie liegt Vlotho. Foto: Grafik Kathrin Fischer

Die Grüne Liste Vlotho (GLV) hatte dazu den Journalisten Johannes Pietsch aus Bückeburg und Gesine Frank, Vorstandsmitglied der „Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn Minden – Bückeburg – Schaumburg – Porta Westfalica (BIGTAB), eingeladen. Auch der seit Jahren mit dem Thema vertraute Vlothoer Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze (SPD) sowie Vertreter der verschiedenen Ratsfraktionen und Bürgermeister Rocco Wilken nahmen teil. 30 angemeldete Besucher waren im Saal, zahlreiche weitere Besucher mussten aufgrund der Corona-Bestimmungen schon im Vorfeld abgewiesen werden.

Deutschland-Takt

„Wir wollen heute keine Panik machen. Wir wollen informieren“, mit diesen Worten begrüßte GLV-Chef August-Wilhelm König die Anwesenden.

Von einem Großprojekt, das möglicherweise bald die Vlothoer Landschaft durchschneidet, sprach Johannes Pietsch. Detailreich informierte er über das Gesamtprojekt, angefangen vom Bau der Eisenbahnstrecke im Raum Minden im 19. Jahrhundert bis hin zu dem von der Bahn geplanten Deutschland-Takt mit sehr schnellen ICE-Verbindungen. Die Bahnstrecke habe zwei große Fehler: zum einen die damals zur Anbindung von Bückeburg notwendige Spitzkehre, zum anderen die Lücke in der Vierspurigkeit zwischen Minden und Wunstorf, wodurch es zwangsläufig zu regelmäßigen Staus auf dieser wichtigen Schienenverbindung komme. Seit Jahrzehnten werde geplant, diese Fehler auszumerzen: durch eine 48 Kilometer lange Umgehung der Spitzkehre, durch einen trassennahen Ausbau entlang der vorhandenen Bahnlinie oder auch eine Strecke entlang der A2.

18 Minuten schneller

Seit März 2016 stehe der Ausbau der Bahnlinie von Porta Westfalica nach Hannover mit vordringlichem Bedarf im Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplanes 2030 – und zwar mit Tunnel durch den Jakobsberg. Im Dezember 2016 sei dann die Strecke Hannover (Seelze) – Bielefeld in den vordringlichen Bedarf des Bundesschienenwegeausbaugesetzes aufgenommen worden. Und nach dem seit Ende Juni 2020 aktuellen finalen Gutachter-Entwurf für den Deutschland-Takt solle die Strecke mit 300 km/h befahren werden. Die Fahrzeit würde sich um 18 Minuten von 49 auf 31 verkürzt.

„31 Minuten Fahrzeit auf 88 Kilometer: Das ist nur auf gerader Trasse zu schaffen. Die Luftlinie geht hier quer vor ihrer Haustür entlang“, sagte Johannes Pietsch. Um 300 km/h fahren zu können, müssten Kurven vermieden werden, ihr Radius betrage sechs Kilometer. Auch Steigungen dürfe es kaum geben. Tiefe Eingrabungen und Tunnel seien erforderlich. Aktuell solle der Bau nach dem seit diesem Jahr gültigen „Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz“ erfolgen, dieses Gesetz schränke Einspruchsmöglichkeiten weitgehend ein. Die Kosten werden auf mehr als 10 Milliarden Euro geschätzt. Pietsch: „Der Strecke Bielefeld – Hannover wird eine enorme Priorität beigemessen. Die wollen das unbedingt.“

Bürgerinitiative geplant

Letztlich wies er auf eine Pressemitteilung des Bundesverkehrsministeriums von 24. Juli 2020 hin. Unter der Überschrift „Planung und Umsetzung weiterer Schienenprojekte kann starten” heißt es dort, dass die Strecke Hannover – Bielefeld in den Deutschland-Takt (und damit mit den geforderten Zeiteinsparungen) aufgenommen werde.

Als Vertreterin der Bürgerinitiative BIGTAB stellte Gesine Frank fest, dass Verkehrswende und Ausbau der Bahn notwendig seien: „Priorität müssen aber der Nahverkehr und der Güterverkehr haben. Nicht der Fernverkehr.“ Sie forderte dazu auf, den Widerstand vor Ort zu organisieren und gemeinsam mit den anderen Bürgerinitiativen zu kämpfen.

Für den 21. Oktober wird zu einem nächsten Treffen ins Gemeindehaus Wehrendorf eingeladen. Dann soll über das weitere Vorgehen und die Gründung einer Bürgerinitiative beraten werden.

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