Heimische Politiker nehmen Stellung zur möglichen ICE-Trasse
„Dramatisch für Vlotho“

Vlotho (WB). Die mögliche Trassenführung der ICE-Linie Bielefeld – Hannover quer über Vlothoer Gebiet sorgt für lebhafte Diskussionen . Hier Stellungnahmen aus der heimischen Politik:

Mittwoch, 30.09.2020, 16:52 Uhr
Eine Hochgeschwindigkeitstrasse, die möglicherweise durch Vlothoer Gebiet führt, soll Bielefeld und Hannover in 31 Minuten verbinden. Foto: Holger Hollemann / dpa
Eine Hochgeschwindigkeitstrasse, die möglicherweise durch Vlothoer Gebiet führt, soll Bielefeld und Hannover in 31 Minuten verbinden. Foto: Holger Hollemann / dpa

August-Wilhelm König

Der Exteraner Ortsvorsteher und Fraktionschef der Grünen Liste Vlotho, August-Wilhelm König , spricht von einem Déjà-vu: Ähnliches habe er vor fast 45 Jahren schon einmal erlebt. Damals ging es um den geplanten Bau der Autobahn 5, die sein Heimatdorf durchschneiden sollte: „Die Bürgerinitiative hat gemeinsam mit vielen anderen darum gekämpft, dass es am Ende nicht so gekommen ist.“ Die bei dem ICE-Projekt von der Bahn geforderte Einsparung von 17 Minuten Fahrzeit im Fernverkehr sei offensichtlich nur mit der Trasse durch unser Gebiet zu erreichen. In Vlotho könne man nicht warten, bis man belastbare Fakten vom Ministerium habe: „Ich gehe davon aus, dass eine Bürgerinitiative gegründet wird.“ Der erforderliche Protest solle keine Aktion der GLV sein: „Der Protest wird parteiübergreifend.“

Stefan Schwartze

Bundestagsabgeordneter Stefan Schwartze (SPD) will sich noch nicht festlegen, ob es tatsächlich eines Tages zu dieser Streckenführung kommen könnte: „Die Möglichkeit besteht jedoch.“ Das Verkehrsministerium müsse nun die Pläne auf den Tisch legen, die dann genau zu prüfen und zu hinterfragen seien. Die letztlich gewählte Trassenführung liege noch nicht vor, man könne sie aus verschiedenen Unterlagen ablesen. Jetzt gehe es darum, sich zu organisieren und gemeinsam mit anderen Bürgerinitiativen, Gemeinden und Kreisen zu kämpfen und der Region Gehör zu verschaffen. Schwartze weist darauf hin, dass es die heutige Diskussion gar nicht geben würde, wenn 2005 die geplante 48 Kilometer lange Streckenbegradigung im Raum Bückeburg tatsächlich wie geplant gebaut worden wäre. Schwartze: „Für mich ist der Zug noch nicht durch Vlotho gefahren.“

Rocco Wilken

Vlothos Bürgermeister Rocco Wilken stellt fest: „Unsere Stadt ist jetzt schon extrem zerschnitten.“ Er weist auf die L778 und auf die B514 hin, außerdem auf die Bahnlinie, die die Stadt von der Weser trennt und auf die A2, die über Vlothoer Gebiet führt: „Die Folgen fordern unsere Stadtentwicklung jeden Tag aufs Neue heraus.“ Das Mammutprojekt der Bahn würde unsere Landschaft und unseren Lebensraum radikal durchschneiden. Milliarden an Steuergeldern würden ausgegeben, ohne dass damit eine Verbesserung der Mobilitätsströme, der Pendler- und Güterverkehre, des Klima- und des Umweltschutzes vor Ort erreicht würde. Wilken: „Neben dem Grundsatz, dass wir uns informieren und sachlich mit dem Thema ausein­andersetzen werden, spreche ich mich schon jetzt ausdrücklich gegen den Neubau einer Hochgeschwindigkeitstrasse fern aller bestehenden Trassen aus. Ich kündige meinen Widerstand an.“

Mario Hecker

Der Kalletaler Bürgermeister Mario Hecker hat von der möglichen ICE-Strecke, die auch durch Kalldorf oder Erder führen könnte, durch die Berichterstattung in dieser Zeitung erfahren. Gemeinsam mit dem Vlothoer Bürgermeister werde er versuchen, an detaillierte Informationen zu kommen. Die Bahn müsse erklären, wie realistisch eine solche Streckenführung sei. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein solches Projekt mit dem Naturschutz in der Weseraue in Einklang zu bringen sei. Und zu den extrem hohen Kosten für 18 Minuten Zeitersparnis sagt er: „Mir würden viele Dinge einfallen, wie man diese vielen Milliarden den Bürgern und der Umwelt zugute kommen lassen könnte.“

Dr. Eckhard Neddermann

Dr. Eckhard Neddermann aus Wehrendorf, neu gewähltes Ratsmitglied für die FDP, sagt: „Das ist dramatisch für Vlotho.” Diese Trassenführung sei ein massiver Eingriff zu Lasten von Mensch und Natur. Er fordert: „Der Rat muss ins weitere Verfahren einbezogen werden. Der Rat muss unsere Interessen im Verfahren vertreten.“ Eine Bürgerinitiative müsse alle verfügbaren Fakten auch der Befürworter sammeln, um ein Handlungskonzept erstellen und Alternativen aufzeigen zu können. Sollte die Bahn am Ende nicht von ihrem Vorhaben abzubringen sein, dann müsste alles versucht werden, um den Schaden für Vlotho so gering wie möglich zu halten.

Guido Koch

„Für mich war der streckennahe Ausbau der ICE-Linie gesetzt“, sagt der in Steinbründorf lebende SPD-Fraktionsvorsitzende Guido Koch . Das Beschleunigungsgesetz für die Bahn habe man im Wahlkampf zwar zur Kenntnis genommen, allerdings habe man nichts von den möglichen Folgen für Vlotho geahnt. Dieses Gesetz hebele die Bürgerbeteiligung de facto aus: „Wir werden zwar im Verfahren gehört, aber wir haben dort nichts zu sagen.“ Er könne sich vorstellen, dass der Rat eine Resolution gegen diese Trasse verabschieden werde. Koch: „Zum Glück haben wir mit Stefan Schwartze einen Abgeordneten, der die Vlothoer Interessen in Berlin vertreten wird.“ Mit einer Bürgerinitiative würde er auf die Straße gehen. Viel sinnvoller als dieses Großprojekt sei die Wiederbelebung der alten Kleinbahntrasse, um den Nahverkehr in der Region attraktiv zu machen und Pendlerströme zu reduzieren: „Das Verfahren dafür, in dem sehr viele Beteiligte berücksichtigt werden müssten, würde viele Jahre dauern. Und am Ende würde es wahrscheinlich noch nicht einmal genehmigt.“

Heinrich Halewat

„Die Bahn hat ihre Zielvorgaben. Wir Vlothoer haben auch Ziele und die müssen wir durchsetzen“, sagt Valdorfs Ortsvorsteher Heinrich Halewat (CDU). Die mögliche ICE-Trasse sei ein großer Eingriff in unsere Kulturlandschaft mit wertvollen Landschaftsschutzgebieten und Ackerböden. Eine mindestens 60 Meter breite Betontrasse, wie sie benötigt werde, gehöre hier nicht hin: „Ich bin dafür, dass wir uns vor Ort organisieren. Es wird sehr schwierig werden, gegen die Planungen der Bahn anzukommen.“

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