100 Jahre Textilhaus Finkhäuser in Vlotho – Pandemie macht Strich durch Jubiläumsaktionen
Modisch in dritter Generation

Vlotho (WB) -

Das 100-jährige Bestehen seines Unternehmens hatte sich Jürgen Finkhäuser anders vorgestellt: Sein Textilhausin Vlotho befindet sich seit Wochen im Corona-Lockdown, der Verkauf ist nur sehr eingeschränkt und unterstützt durch Internetauftritt, Telefonberatung und WhatsApp-Fotos möglich. „Das funktioniert ganz ordentlich“, sagt er. Seine Kunden dürfen den Laden wegen der Pandemie nicht betreten. Bestellte Ware übergibt er kontaktlos durch das Seitenfenster.

Montag, 01.03.2021, 04:37 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 04:40 Uhr
2021: Mit Mund-Nasen-Maske übergibt Jürgen Finkhäuser am Fenster die vorbestellten Waren. Wegen Corana dürfen die Kunden den Laden nicht betreten.
2021: Mit Mund-Nasen-Maske übergibt Jürgen Finkhäuser am Fenster die vorbestellten Waren. Wegen Corana dürfen die Kunden den Laden nicht betreten. Foto: Jürgen Gebhard

Pünktlich zum Stichtag 2. März erhalten die Stammkunden eine Postkarte. „Alle anderen Aktionen holen wir nach, wenn Corona vorbei ist“, sagt Jürgen Finkhäuser und verweist darauf, dass die Vorgeschichte seines Modegeschäftes eigentlich sogar bis 1892 zurückreicht: In jenem Jahr kauften der Schneidermeister Franz Finkhäuser und dessen Ehefrau Maria für 120.000 Mark ein altes baufälliges Haus im Herzen der Weserstadt. Der Kaufpreis war für den Schneiderbetrieb mit bis zu 10 Mitarbeitenden kaum aufzubringen. Das Haus drohte einzustürzen und die sieben Kinder (Marie, Klara, Eleonore, Lieschen, Anna, Fritz und Hugo) wollten auch versorgt sein.

100 Jahre Finkhäuser Vlotho

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Die Not war so groß, dass Schneidermeister Franz zwischenzeitlich nach Amerika reiste, um dort nach einem besseren Job zu suchen. Der Vlothoer Pfarrer schrieb ihm allerdings, dass er bei seiner Familie gebraucht würde. Und so kehrte er nach nur wenigen Monaten wieder zurück zu Frau und Kindern.

Am 15. Juli 1895 eröffnete „Frau Wwe. Herm. Timcke“ (wie es in einer Zeitungsanzeige hieß) in dem vom Schneidermeister angemieteten vorderen Teil des Hauses ein Geschäft mit Kurz-, Weiß- und Wollwaren. Einige Jahre später, am 2. März 1921, übernahmen schließlich Hugo und Luise, Kinder des Schneidermeisters, diese Räume und eröffneten am heutigen Standort des Modehauses ihren Laden „Geschwister Finkhäuser“.

Ein Jahr später heiratete Hugo und führte das Geschäft zusammen mit seiner Frau Rosa weiter. „Hugo und Rosa konnten es noch nicht ahnen. In den folgenden Jahrzehnten sollten Inflation, Hochwasser und Krieg die wirtschaftliche Entwicklung prägen. Eine nicht sehr einfache Zeit für den Start in die Selbstständigkeit“, heißt es in der Firmenchronik. Schon zwei Jahre nach der Eröffnung konnten die beiden Milliarden- und sogar Billionenumsätze generieren. Jürgen Finkhäuser: „Man könnte meinen, dass sie alles richtig gemacht hatten. Doch 1923 das Jahr einer unvorstellbaren Weltwirtschaftskrise. Im Umfeld einer Hyperinflation verlor das Geld in kürzester Zeit seinen Wert.“

Kaum hatte man sich davon erholt, kam nur acht Jahre später die nächste Herausforderung: Am 7. Mai 1931 trat der Forellenbach neben dem Haus aus seinem damaligen Bachbett über die Ufer und vernichtete im Erdgeschoss des Ladens große Teile des Warenlagers und der Einrichtung.

Stillstand war in den 100 Jahren nie eine Option.

Jürgen Finkhäuser

Im Jahr 1948 stieg Sohn Walter Finkhäuser ins Geschäft ein. Neue Lieferanten mussten gefunden werden, denn die Versorgungs- und Beschaffungslage war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst schwierig. Nach der Hochzeit im Jahr 1960 arbeitete sich Walters Frau Ilse schnell in die Handelsmaterie ein und gestaltete die gemeinsame berufliche Zukunft prägend mit.

Nach seiner Lehre bei Leffers in Bielefeld stieg der heutige Inhaber Jürgen Finkhäuser als dritte Generation in den Betrieb ein. Sein Vater half noch bis zu seinem Tod 2004 mit. „Stillstand war in den 100 Jahren nie eine Option“, sagt der heutige Inhaber und verweist auf Erweiterungen, Renovierungen und strukturelle Veränderungen. Er erinnert unter anderem an die verschiedenen Modenschauen in den 1990er Jahren und an den Wandel des Sortiments – Kinderwäsche, Tischwäsche und ein großer Teil der traditionellen Handarbeitsabteilung sind im Laufe der Zeit gewichen, bekannte und trendige Marken wie Opus, Cecil, Street One und Casamoda wurden eingeführt.

Zukunftsfähig zu sein, heiße auch, durch täglichen Datenaustausch den Warenfluss mit den Lieferanten zu optimieren: „ So verbessert sich unser Angebot und so haben wir mehr Zeit für die individuelle Beratung – das gilt auch in den Zeiten des Lockdowns, der hoffentlich bald zu Ende ist .“

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