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Fr., 09.09.2016

Lebensbeschreibung des Badbegründers Caspar Heinrich von Sierstorpff veröffentlicht Pionier der Nachhaltigkeit

Verleger Hendrik Bäßler (von links), Herausgeberin Elisabeth Freifrau von Falkenhausen und Graf und Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff präsentieren die Original-Handschrift und das ansprechend gestaltete Buch.

Verleger Hendrik Bäßler (von links), Herausgeberin Elisabeth Freifrau von Falkenhausen und Graf und Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff präsentieren die Original-Handschrift und das ansprechend gestaltete Buch. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Bad Driburg (WB). Unter Tränen – und mit Gänsefeder und Tinte – hat der Begründer des Gräflichen Kurbades, Caspar Heinrich von Sierstorpff, an einem Frühlingstag 1834 im hohen Alter von 84 Jahren seine Lebenserinnerungen verschriftlicht. Ur-Urenkelin Elisabeth von Falkenhausen (93) macht dieses aufschlussreiche Dokument jetzt der Nachwelt in Buchform zugänglich.

Caspar Heinrich von Sierstorpff 1833.

»Caspar Heinrich Freiherr von Sierstorpff beschreibt sein Leben«: Der Titel des im Hendrik-Bäßler-Verlag Berlin erschienenen Buches spiegelt die Bescheidenheit wider, mit der diese bedeutende Persönlichkeit einst Rückschau gehalten hat. Selbstmarketing Fehlanzeige. Der honorige ältere Herr kokettiert in keinster Weise mit seinem großen Lebenswerk. Von Eitelkeit keine Spur. Auch Schönfärberei war seine Sache nicht. Caspar Heinrich von Sierstorpff lässt in seinen Aufzeichnungen Höhen, aber auch Tiefen unverblümt Revue passieren. Diese Authentizität und Nahbarkeit weckt beim Leser Respekt, aber auch Sympathie.

Diese gilt einer, wie Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff im Vorwort betont, »genialen und vielseitigen Persönlichkeit«. »Dass jemand in dieser Zeit gleichzeitig Kammerherr und selbstständiger Unternehmer war, ein immer noch wichtiges Standardwerk über heimische Hölzer schrieb, einen Landschaftspark anlegte, Häuser entwarf und einrichtete, mit den Kurgästen persönlich Kontakt pflegte, liebevoller Ehemann und Vater war, nebenbei eine Rezeptur für ein Herrenduftwasser schrieb und auch politisch aktiv war, ist wirklich außergewöhnlich«, fächert sie die Facetten dieses aufgeklärten Universalgenies auf.

Der Badgründer über...

... seine Entdeckung Driburgs: »Jagd, Landbau, Gartenbau und das Betreiben irgendeines Werkes für die Zukunft waren meine vorzüglichen Vergnügungen und Wünsche. Ich wünschte, ein Landgut zu besitzen, was mir solche gewähren und erfüllen möchte; ein solches von einiger Bedeutung war aber in der ganzen Gegend ohne zu große Aufopferung nicht zu erfinden. Ich suchte beim Fürsten um die Pachtung eines großen Domänen-Gutes nach, aber auch dabei fanden sich Hindernisse (...). Die in jener Zeit mit gutem Vorteil an verschiedenen Orten aufgenommenen Mineral-Quellen veranlassten endlich meine Unternehmungen zu Driburg.«

Sein forstwirtschaftliches Wirken entfaltet der in Hildesheim geborene Sierstorpff als Generalaufseher der Forsten und Jagden im Dienst des Herzogs von Braunschweig. Hier erweist er sich als Pionier der Nachhaltigkeit: Unter seiner Ägide wurde nur noch so viel Holz eingeschlagen wie wieder zuwächst. »Man zieht Buchen, Eichen und Fichten in Pflanzgärten heran und forstet damit die Kahlschläge wieder auf. Damit ist Caspar Heinrich seiner Zeit weit voraus«, erläutert der Berliner Verleger Hendrik Bäßler.

Die heutigen Nachfahren in Bad Driburg, Graf und Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff, fühlen sich dieser Nachhaltigkeit verpflichtet. »Wir haben ein eigenes Blockheizkraftwerk und bekämpfen das Unkraut nur mit heißem Wasser. Das sind wir unserem Gründervater und auch den nachfolgenden Generationen schuldig«, unterstreicht die Gräfin.

Eine der Rehakliniken und nicht zuletzt eine Quelle sind nach Caspar Heinrich benannt. Auch ist die Pflegeserie des Gräflichen Park Grand Resorts eine Reminiszenz. Denn der Herrendurft basiert auf dem Original des Badgründers, der im Oktober 1840 in den preußischen Grafenstand erhoben wird.

Der später so weltgewandte Visionär wächst geradezu abgeschottet von der Außenwelt auf. Beim Aufbruch ins Studium nach Erfurt empfindet er sich als ein aus dem goldenen Käfig entflohener Vogel. Nachdem er später als Geldanlage die Quellen mit umgebenden Ländereien in Driburg erwirbt und damit den Grundstein für das Kurbad legt, verbringt er ab 1783 die Winter in Braunschweig und die Sommer in Driburg. Das Kurbad erlebt einen rasanten Aufschwung. 1784 errichtet Sierstorpff das erste Badehaus mit 70 Zimmern. »In den nächsten Jahren folgen ein Gesellschafts- und Tanzhaus sowie ein Armen-Logierhaus«, berichtet Elisabeth Freifrau von Falkenhausen. »Alle diese noch heute das Ensemble prägende Fachwerkbauten hat Sierstorpff selbst konzipiert.«

Nachfahren führen Erbe des Badbegründers in seinem Sinne fort

Die heutigen Nachfahren führen sein Erbe – die Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff – im Sinne des Badgründers fort. Die biografischen Aufzeichnungen Caspar Heinrichs hüten sie im Archiv wie einen Schatz. Der Ur-Urenkelin Elisabeth Freifrau von Falkenhausen (Hannover) lag eine maschinengeschriebene Abschrift vor. Diese wollte sie für Kinder und Enkel vervielfältigen und wandte sich an den Verleger Hendrik Bäßler, mit dem sie andere Buchprojekte verwirklicht hatte. Bäßler entdeckte das Potenzial dieser Lebensbeschreibung und schlug eine größere Auflage vor.

Entstanden ist aus dieser Idee heraus eine Publikation, die Elisabeth von Falkenhausen als Herausgeberin mit einer Einleitung abrundet. Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff weckt mit ihrem Vorwort die Freude aufs Lesen. Ein Bildteil komplettiert den ansprechenden Gesamteindruck des handlichen Büchleins (ISBN 978-3-945880-12-8, 12,80 Euro).

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