Kosten enorm gestiegen – Bürgermeisterkonferenz votiert für dezentrale Lösung
Tierheim-Projekt gescheitert

Bad Driburg-Siebenstern (WB/jk). Das Tierschutzzentrum in Siebenstern wird in der geplanten Form nicht verwirklicht. Das steht seit der Bürgermeisterkonferenz am Donnerstag fest. Grund sind enorme Kostensteigerungen für den Neubau des Tierheims in Siebenstern.

Freitag, 16.03.2018, 14:21 Uhr aktualisiert: 16.03.2018, 15:38 Uhr
Das umzäunte Grundstück an der Kohlstätte ist im Besitz der Deutschen Tierschutz-Union. Der Vorstand will in Kürze über eine alternative Nutzung des Geländes beraten. Die Sanierung hätte 1,1 Millionen Euro kosten sollen. Foto: Jürgen Köster
Das umzäunte Grundstück an der Kohlstätte ist im Besitz der Deutschen Tierschutz-Union. Der Vorstand will in Kürze über eine alternative Nutzung des Geländes beraten. Die Sanierung hätte 1,1 Millionen Euro kosten sollen. Foto: Jürgen Köster

Die Unterbringung von Fundtieren im Kreis Höxter soll nun auch in Zukunft dezentral erfolgen. Dafür haben sich die Bürgermeister aller zehn Städte bei ihrer Konferenz ausgesprochen. Grund für diese Entscheidung ist die Steigerung der Kosten für die geplante Sanierung des Tierheims in Siebenstern von den vorgesehenen 490.000 Euro auf 1.080.000 Euro.

Alternative Lösungen

Seit der Schließung des Tierheims im Jahr 2014 hätten alle zehn Städte des Kreises Höxter alternative Lösungen für die Unterbringung von Fundtieren gefunden, teilte Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln als Sprecher der Bürgermeister des Kreises am Freitag mit. So würden Fundtiere der Stadt Höxter im Tierheim Detmold untergebracht, aus Steinheim in einem Tierheim in Paderborn-Benhausen. Alle anderen Städte des Kreises hätten mit der Tierpension Apollo in Liebenau eine Vereinbarung zur Aufnahme abgeschlossen. »Diese Einrichtungen wurden bereits mehrfach von den zuständigen Kreisveterinärämtern überprüft und erfüllen alle Tierschutzrichtlinien«, heißt es in der Erklärung der Bürgermeister.

Im Jahr 2015 hatten sich alle zehn Städte für das von der Deutschen-Tierschutz-Union vorgeschlagene Sanierungs- und Betreiberkonzept entschieden. Dieses beinhaltete eine Baukostenbeteiligung der zehn Städte des Kreises Höxter von insgesamt 150.000 Euro sowie eine Pro-Kopf-Pauschale von 70 Cent pro Einwohner und Jahr für den laufenden Betrieb.

Kosten von 1.080.000 Euro

In der Bürgermeisterkonferenz am Donnerstag hatte die Deutsche-Tierschutz-Union eine aktualisierte Neuberechnung des Bauvorhabens vorgestellt. Daraus ergibt sich, dass sich die geplanten Kosten für den Neubau des Tierheims auf etwa 1.080.000 Euro mehr als verdoppeln. Somit müssten die Städte des Kreises Höxter einen deutlich erhöhten Investitionszuschuss von etwa 670.000 Euro leisten, damit das Projekt realisiert werden könne.

Nach langer und intensiver Diskussion unter Beteiligung des Kreisveterinäramtes hätten sich die Bürgermeister des Kreises Höxter dafür ausgesprochen, es bei den dezentralen Lösungen zur Unterbringung von Fundtieren zu belassen.

»Überrascht und enttäuscht«

Der Vorstand der Deutschen Tierschutz-Union zeigte sich am Freitag von dieser Entscheidung »überrascht und enttäuscht«.

Damit sei das Neubau- und Sanierungsvorhaben des ehemaligen Tierheims in seiner bisher geplanten Form nicht mehr realisierbar«, teilte Susan Smith als Vorstandsmitglied der Deutschen Tierschutz-Union mit.

Diese habe im November des vergangenen Jahres das Architekturbüro RSK Architekten aus Brakel gebeten, eine Aktualisierung der Berechnung für den geplanten Neubau zu erstellen. Smith: »Die errechneten Kosten belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro und sind damit gut doppelt so hoch wie die Berechnung aus dem Jahr 2014. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: die allgemeine Baukostenpreissteigerung innerhalb von vier Jahren sowie der Wegfall von ehrenamtlichen Leistungen für den Bau.«

Vergleich zu ähnlichen Projekten

Die errechneten Kosten für den Neubau von 1,1 Millionen Euro seien im Vergleich zu ähnlichen Projekten anderer Regionen mit vergleichbarer Einwohnerzahl noch moderat, urteilt Smith. Sie führt beispielhaft Kosten für Tierheim-Neubauten in Amberg in der Oberpfalz (1,8 Millionen Euro), Lübbecke im Kreis Herford (1,3 Millionen) und Hagen (2,6 Millionen Euro) an.

Die aktualisierte Kostenverteilung habe nun vorgesehen, dass sich alle zehn Städte mit insgesamt 670.000 Euro an dem Neubau beteiligen. Nach Meinung von Smith sei dies »für jede Stadt in finanzieller Hinsicht machbar« und »eine zukunftsorientierte sowie bürgerfreundliche Investition«. Die beschlossene dezentrale Lösung bedeute, dass es keine zentrale Anlaufstelle für Fundtiere im Kreis Höxter gebe und auch in Zukunft nicht geben werde, sondern alle Fundtiere außerhalb des Kreises Höxter untergebracht würden.

Der Vorstand der Deutschen-Tierschutz-Union wolle bei seiner kommenden Vorstandssitzung über eine alternative Nutzung des vereinseigenen Geländes des ehemaligen Tierheims in Bad Driburg beraten.

Oster-Basar

Am kommenden Sonntag, 18. März, findet auf dem Gelände in Bad Driburg Siebenstern ab 11 Uhr ein Oster-Basar statt. Die Deutsche-Tierschutz-Union lädt alle interessierten Menschen des Kreises Höxter dazu ein und wird dort auch Fragen zu diesem Thema beantworten.

Kommentare

Bernd R.  schrieb: 16.03.2018 19:29
Typisch Politik
Kriegen die Gemeinden mit den teils horrenden Hundesteuern den Hals einfach nicht voll?
1 Kommentare
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