Dustin Brosig und Florian Kröger absolvieren in Neuenheerse Ausbildung zum Metallbauer
Vom Balkon bis zum Geländer

Bad Driburg-Neuenheerse (WB). Edelstahl-Geländer, Überdachungen, Balkone, Stahlhallen, Treppen, Türen und Tore: Aus den Händen eines gelernten Metallbauers entstehen Konstruktionen, die Gebäude, Grundstücke und ganze Ortslagen in ihrem Erscheinungsbild prägen. Florian Kröger und Dustin Brosig (beide 17) möchten diese weithin sichtbaren Dinge eines Tages auch selber fertigen können. Deshalb erlernen sie seit dem 1. August das Handwerk des Metallbauers, Fachrichtung Konstruktionstechnik.

Freitag, 31.08.2018, 08:56 Uhr aktualisiert: 31.08.2018, 09:26 Uhr
Die neuen Azubis Dustin Brosig und Florian Kröger absolvieren erste Schweißarbeiten. Foto: Sabine Robrecht
Die neuen Azubis Dustin Brosig und Florian Kröger absolvieren erste Schweißarbeiten. Foto: Sabine Robrecht

Beim traditionsreichen Familienunternehmen Metallbau Knorrenschild in Neuenheerse haben die beiden Jungs ihre dreieinhalbjährige Berufsausbildung begonnen. Wenn sie um 7 Uhr in der Werkstatt an die Arbeit gehen, bleiben Hände und Gesicht nicht lange sauber. Das gehört dazu und macht den beiden Azubis aus Neuenheerse überhaupt nichts aus. Wie selbstverständlich sind sie in den Produktionsprozess eingebunden – als würden sie schon viel länger zur 15-köpfigen Mannschaft des Betriebes dazu gehören.

Kein Tag ist wie der andere

»Kein Tag ist wie der andere«, erzählen die neuen Azubis aus ihren ersten Arbeitswochen. Schon allein das breite Leistungsspektrum des Ausbildungsbetriebs bringt Abwechslung in den Alltag. Außerdem sind die beiden 17-Jährigen nicht nur in der Werkstatt, sondern auch auf Baustellen im Einsatz.

Sie kommen viel rum und lernen immer wieder neue Menschen kennen. Das ist es, was Florian Kröger und Dustin Brosig so viel Freude macht an ihrem Handwerksberuf. »Einen Bürojob könnte ich mir nicht vorstellen«, sagt Florian. »Das ist mir schon lange klar«, ergänzt er. »Ich habe schon sehr früh angefangen, Dinge selber zu machen.« Bei so vielen Vorbildern in der Familie ist der Ansporn groß.

»Mein Opa war Maurer, mein anderer Opa Elektriker. Mein Vater ist ebenfalls Elektriker.« Praktika in einer Tischlerei und in der Metallbranche bestärkten Florian in seinem Berufswunsch. Dustin Brosig ist sogar mit dem Werkstoff Metall aufgewachsen. »Mein Opa ist Schlosser. Mit ihm habe ich schon einiges gebaut.«

Ihren Ausbildungsbetrieb kennen beide aus Praktika. Hier sammelten sie wertvolle Praxis-Erfahrungen. Denn Martin Knorrenschild und sein Team lassen Praktikanten nicht nur an der Werkbank zuschauen, sondern mit anfassen.

»Wir lassen auch das Bedienen der Maschinen zu. Natürlich passen wir immer gut auf. Das Rotieren der Werkzeuge muss man spüren«, ist der Chef überzeugt. Er möchte den jungen Menschen ein Gefühl für den Werkstoff Metall vermitteln. Bei Dustin und Florian ist der Funke übergesprungen. Auch zu ihrer Heimat legen die beiden ein klares Bekenntnis ab. »Wir möchten gerne hier bleiben.«

Karrierechancen

Nach der Ausbildung eröffnen sich ihnen verschiedene Karrieremöglichkeiten: Ein Metallbauer kann nach bestandener Gesellenprüfung die Fachhochschule besuchen. »Mit Abschluss der Meisterschule steht der Weg in die Uni offen«, zeigt Martin Knorrenschild eine weitere Option auf.

Die Leidenschaft für den Werkstoff Metall hat in seiner Familie seit Jahrhunderten Tradition. Vor genau 25 Jahren übernahm der heutige Chef das Unternehmen. Sohn Maurice (21) besucht zurzeit die Meisterschule. Er legt im Oktober die Prüfung ab und arbeitet seit 2017 im elterlichen Betrieb mit. Die Nachfolge ist also gesichert. Und auch Tochter Soraya (24) ist der Metallbranche treu: Sie ist Groß- und Außenhandelskauffrau und arbeitet im Stahlhandel.

Zuhause steuern ihr Vater und sein Team auf den papierlosen Betrieb zu. »In der Werkstatt wird demnächst mit Tablets gearbeitet.« Die Mitarbeiter halten dann also keine Zeichnung mehr in Papierform in den Händen.

Auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung sei es geboten, kluge Köpfe für das Handwerk zu gewinnen, formuliert Martin Knorrenschild, der sich als Kreishandwerksmeister engagiert, eine branchenübergreifende Zukunftsaufgabe. »Die Anforderungen werden höher. Kenntnisse in Mathe und Informatik sind gefragt.«

Vor diesem Hintergrund begrüßt Knorrenschild die steigende Zahl der Abiturienten in der dualen Ausbildung. Auf dem Lehrstellenmarkt im Handwerk sehe es zwar noch dramatisch aus. Trotzdem scheine der Break-Even erreicht zu sein. »Die Bewerberzahlen nehmen wieder zu.« Daher malt der Kreishandwerksmeister auch nicht schwarz – und macht den Nachwuchs in seinem Betrieb mit Zuversicht für das Metallhandwerk fit.

Die Ausbildung

Die Ausbildung zum Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik, dauert dreieinhalb Jahre. Martin Knorrenschild in Neuenheerse bildet zurzeit vier junge Menschen aus. Der Unternehmer ist auch offen für Bewerber ohne Schulabschluss. Sie absolvieren zunächst eine Einstiegsqualifizierung mit Probejahr. Danach wird entschieden, ob der Bewerber oder die Bewerberin in die Ausbildung geht. Wenn das Probejahr gut läuft, wird es sogar auf die Lehrzeit angerechnet.

Das Metallhandwerk ist nach wie vor männerdominiert. Martin Knorrenschild ermutigt aber ausdrücklich auch junge Damen zur Ausbildung. Gute Erfahrungen mit Frauen haben er und sein Team gemacht: »Wir hatten junge Frauen bei uns, die für ihr Studium Praktika absolvierten. Die Kollegen waren alle angetan und von ihren Leistungen überzeugt.«

Die Vergütung in der Ausbildung liegt im ersten Jahr bei 695 Euro, im zweiten Jahr bei 751, im dritten bei 810 und im vierten Jahr bei 875 Euro. Im ersten Gesellenjahr beläuft sich der Einstiegslohn auf 14,80 Euro pro Stunde.

 

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