Fr., 28.09.2018

Manuel Gollnick erlernt den Beruf des Bäckers »Das Arbeitsklima ist hier extrem gut«

Manuel Gollnick schätzt das gute Arbeitsklima in der Backstube. Deren Leiter Benjamin Zell hat den Auszubildenden unter seine Fittiche genommen. Er weiß genau, worauf es ankommt, hat er doch selbst seine Ausbildung bei Goeken backen gemacht.

Manuel Gollnick schätzt das gute Arbeitsklima in der Backstube. Deren Leiter Benjamin Zell hat den Auszubildenden unter seine Fittiche genommen. Er weiß genau, worauf es ankommt, hat er doch selbst seine Ausbildung bei Goeken backen gemacht. Foto: Jürgen Köster

Von Jürgen Köster

Bad Driburg (WB). Als Kind hat ihm das Plätzchen backen zusammen mit der Oma schon Spaß gemacht, heute bereitet ihm sein Ausbildungsberuf große Freude: Manuel Gollnick (18) erlernt den Beruf des Bäckers.

»Ich bin in fünf Minuten am Arbeitsplatz, dann ist es nicht ganz so schlimm, wenn man mal um vier Uhr raus muss. Arbeitsbeginn ist um 5 Uhr«, berichtet Gollnick, der die Geschwister-Scholl-Schule in Brakel besucht hat.

Start mit Praktikum

Die Ausbildung zum Bäcker

Die Ausbildung zum Bäcker erstreckt sich über drei Jahre. Es ist ein anerkannter Ausbildungsberuf in Industrie und Handwerk. Bäcker stellen Brot, Kleingebäck, Feinbackwaren, Torten und Desserts sowie Backwarensnacks her. Bäcker finden Anstellungen in handwerklichen Bäckereien, in industriellen Großbäckereien, in Fachgeschäften wie Spezial- und Diät-Bäckereien sowie in der Gastronomie und im Cateringbereich. Im ersten Ausbildungsjahr beträgt die Vergütung zurzeit 565 Euro brutto, im zweiten 670 Euro, im dritten 800 Euro. Von September 2019 an sollen im ersten Ausbildungsjahr 615 Euro, im zweiten 700 Euro und im dritten 820 Euro monatlich gezahlt werden. Das Gehalt nach der Ausbildung hängt von der Art der Beschäftigung und dem Betrieb ab. Es liegt etwa zwischen 1700 und 2100 Euro brutto.

Bei einem Praktikum in den Osterferien hat er den Betrieb Goeken backen in Bad Driburg näher kennen gelernt. »Das Arbeitsklima ist hier extrem gut«, hat er damals schon erkannt und kann diesen Eindruck nach seinen ersten zwölf Monaten als Azubi nur bestätigen. Er habe eigentlich ständig einen Gesellen an seiner Seite, der ihn bei seiner Arbeit unterstützt und Tipps gibt. »Hart, aber herzlich«, beschreibt Gollnick den Umgangston, der ihm durchaus liege.

Er habe gern mit Menschen zu tun, das komme bei der Arbeit in der Bad Driburger Bäckerei nicht zu kurz. Grundsätzlich sei er optimistisch und offen an seine Aufgaben herangegangen. Das sei ihm bisher stets zugute gekommen. »Das Praktische« liege ihm mehr als »das Schulische«, räumt er ein.

»Dabei sind die fachlichen Kenntnisse heute wichtiger denn je«, betont Bäckermeister Benjamin Zell. Der 26-Jährige ist Leiter der Backstube und dort für 45 Mitarbeiter verantwortlich. Er schätzt die offene Art seines Azubis Manuel Gollnick. Dieser hat sich gewundert, dass er von Beginn an sehr viel hat praktisch arbeiten können.

»Ich habe ganz unterschiedliche Aufgaben zu erledigen gehabt«, erzählt er. Baguette auflegen oder Streusel selber machen haben ebenso dazu gezählt wie die Herstellung von Körnerbrötchen oder das zügige Bleche schieben »in den Sticken«, wie der Ofen bei den Bäckern kurz genannt wird. Aber auch das Rundwirken des Teiges will gelernt sein. »Dafür muss man erst ein Gefühl entwickeln«, weiß der Azubi inzwischen. Beeindruckt hat ihn zu Beginn wie unglaublich schnell große Mengen an Berlinern gebacken werden können.

65 Auszubildende

Auch das Herstellen von Torten wird in der Ausbildung vermittelt. »Aber nur am Rande«, räumt Zell ein. »Ein schlechter Bäcker ist immer noch ein guter Konditor«, stellt er eine provozierende These auf, räumt aber auch ein, dass Torten »nicht so sein Ding« sind. Das Herstellen von feinen Backwaren wie Plunder und Croissants steht für die Azubis erst im dritten Lehrjahr auf dem Programm. Zwei Tage sind diese in der Schule, drei im Betrieb, zwei Tage haben sie frei. Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt acht Stunden.

65 Auszubildende in drei Lehrjahren und in fünf verschiedenen Berufen beschäftigt das Unternehmen Goeken backen, berichtet Personalchefin Anne Goeken-Schmidt. Die persönliche Betreuung der Azubis ist ihr wichtig. Nach einem Vorstellungsgespräch folgt in der Regel ein Praktikum. In einer Azubi-Akademie lernen die neuen Lehrlinge in den ersten zwei Wochen den Betrieb näher kennen.

Auch während der Ausbildung tut das Unternehmen viel für den Nachwuchs. Es gibt ein Bonus-Programm für gute Noten in der Schule und ein Berufsschul-Taxi, weil beispielsweise die Konditoren zur Schule nach Bielefeld müssen. Der »Azubi des Monats« kann einen Monat lang umsonst Auto fahren. Goeken backen ist sogar bei der Wohnungssuche behilflich. Es gibt einen Fitness-Raum und einen Azubi-Stammtisch.

»Wir sind viel bei Berufemessen in der Region vertreten oder finden bei Speed-Datings neue Azubis«, berichtet die Personalchefin. »Wir holen die Azubis da ab, wo sie stehen«, betont sie.

Nachwuchs bekommt Paten

14 Meister geben den jungen Nachwuchskräften in der Bäckerei Hilfestellungen bei allen fachlichen Aufgaben. Hinzu kommen spezielle »Azubi-Paten«. »Wichtig ist es, dass die jungen Leute merken ›die tun etwas für uns‹«, sagt Anne Goeken-Schmidt.

Manuel Gollnick kann das nur bestätigen. Er hat sich vom ersten Tag an in der Bäckerei wohl gefühlt und blickt auch ein wenig nach vorn. »Den Meister zu machen, wäre schon prima«, sagt er, weiß aber natürlich auch, dass er bis dahin noch so einiges lernen muss.

 

Die WESTFALEN-BLATT-Serie:

In dieser Serie stellt das WESTFALEN-BLATT Berufe vor, in denen Auszubildende Mangelware sind. Wir wollen wissen, warum sie sich für eine Karriere als Handwerker entschieden haben. Heute geht es um Manuel Gollnick, angehender Bäcker. Berichtet haben wir über Maurer Mateusz Nickel , Gärtnerin Jenny Vogt , Fliesenleger Johnny Töws, die Metallbauer Dustin Brosig und Florian Kröger und Dachdecker Max Müller .

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