Mi., 24.10.2018

Hoteliers, Gastronomen und Werbering befürchten großen Image-Schaden »Ohne Park ist Driburg kein Bad mehr«

»Nicht kalkulierbar ist es, was es überhaupt kostet, den Park vorzuhalten. Das geht jedenfalls nicht zum Selbstkostenpreis«, meint Dr. Joachim Avenarius, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes im Kreis Höxter.

»Nicht kalkulierbar ist es, was es überhaupt kostet, den Park vorzuhalten. Das geht jedenfalls nicht zum Selbstkostenpreis«, meint Dr. Joachim Avenarius, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes im Kreis Höxter. Foto: Jürgen Köster

Von Jürgen Köster

Bad Driburg (WB). Hoteliers und Gastronomen in der Badestadt sorgen sich ernsthaft um den Standort, sollten die Verhandlungen zwischen Stadt und gräflichem Haus über einen neuen Dienstleistungsvertrag scheitern. »Das könnte für viele das Aus bedeuten«, sagt Heiner Eyers, Vorsitzender des Dehoga-Ortsverbandes.

Ähnlich problematisch bewertet auch Dr. Joachim Avenarius die Situation. »Aber eine Stadt muss sich auch entscheiden können, welche Dinge sie sich leisten kann oder will und zu welchem Preis«, stellt der Dehoga-Kreisvorsitzende fest, der zudem auch Vorsitzender Kur- und Verkehrsvereins Bad Driburg ist.

Wie berichtet, wird der Rat der Stadt bei seiner nichtöffentlichen Sitzung am Montag, 29. Oktober, über diesen neuen Dienstleitungsvertrag zu befinden haben.

Graf soll gedroht haben

Bisher zahlte die Stadt dafür, dass der Kurpark bereitgestellt wurde, 80 Prozent der Kurbeitragseinnahmen, mindestens aber 880.000 Euro jährlich an das gräfliche Unternehmen. Dieses soll nun zwei Millionen Euro pro Jahr fordern. Zudem ist bekannt geworden, dass Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff gedroht haben soll, den Kurpark ebenso zu schließen wie das Hotel mit dem dazu gehörenden Therapiezentrum. »Die wichtigen Kurortheilmittel Moor und Heilwasser gingen so verloren. Ohne Kurpark und Hotel wäre in Bad Driburg in spätestens fünf bis zehn Jahren noch weniger los als jetzt in Horn-Bad Meinberg«, befürchtet Eyers.

Sowohl die etwa zehn größeren Hotelbetriebe und Restaurants als auch die kleineren Pensionen wären über kurz oder lang stark betroffen. Ein potenzieller Gast aus dem Ruhrgebiet werde einen geschlossenen Kurpark nicht hinnehmen und sich für einen anderen Kurort entscheiden.

Eyers befürchtet sogar, dass Bad Driburg ohne Kurpark mittelfristig als Wohnort für mögliche Zuzügler dann weniger attraktiv werde als dies jetzt der Fall sei. Der Image-Schaden sei in jedem Fall erheblich. Dabei wäre eine höhere Kurtaxe, wie sie auch im Gespräch ist, für die meisten Betriebe im Hotel-  und Gaststättenbereich gar nicht so entscheidend. Diese würde 1:1 an den Gast weitergegeben. »Darüber diskutiert keiner meiner Gäste. Viele von ihnen wissen den Park zu schätzen«, berichtet Eyers. Für die kleineren Pensionen sei eher der Aufwand für die Erhebung der Taxe größer. Die Kliniken vor Ort hätten zum großen Teil Einzelverträge für die Patienten mit unterschiedlichen Befreiungs- und Ermäßigungstatbeständen.

Sehr gutes Miteinander

Eyers berichtet von einem eigentlich sehr guten Miteinander zwischen den Hotels und dem Gräflichen Park. Teilweise werde auch zusammengearbeitet – wie bei den Polizeikuren. »Die Gäste wohnen und essen im Hotel und ihre Anwendungen bekommen sie im Therapiezentrum des Parks.« Sollte der Kurpark geschlossen werden, befürchtet Eyers für seinen Betrieb, in den er erst vor kurzem erheblich investiert hat, einen kurzfristigen Umsatzrückgang in einer Größenordnung von 50 Prozent, »langfristig noch viel mehr«. »Das wäre dann schon existenzbedrohend«, beschreibt der vierfache Familienvater die Situation seines Betriebes (Hotel, Restaurant, 30 Betten).

Einen geschlossenen Kurpark bezeichnet auch Dr. Joachim Avenarius als »Supergau«. Er schreibt dem Park eine große Anziehungskraft zu. »Er ist jedoch nicht der Hauptgrund für die Gäste, um nach Bad Driburg zu kommen«, meint der Hotelier. Nicht kalkulierbar sei, was es koste, den Park vorzuhalten. »Das geht jedenfalls nicht zum Selbstkostenpreis«, meint Avenarius. »In der Politik müssen wird uns die Frage stellen, was uns der Park wert ist. Viele Städte müssen ähnliche Entscheidungen treffen, etwa bei defizitären Theatern, bei Musikschulen oder Bibliotheken.«

Kurbeiträge nicht anheben

Als problematisch sieht es Avenarius an, die Kurbeiträge weiter anzuheben. Viele Gäste, die nicht auf die entsprechenden Einrichtungen in der Stadt angewiesen seien, wären nicht bereit, diese Beiträge zu entrichten, etwa wenn sie bei einem zweitägigen Aufenthalt dann zwölf oder 13 Euro zusätzlich zu bezahlen hätten. Als Beispiel verwies der Dehoga-Kreisvorsitzende auf Motorradfahrer. Grundsätzlich glaube er, dass der Kurpark für Kurzzeitgäste von geringerer Bedeutung sei als für diejenigen, die länger in Bad Driburg blieben.

Eine grundlegende Bedeutung schreibt Klaus-Jürgen Egeling, Vorsitzender des Werberings, dem Kurpark zu. »Ohne Kurpark ist Bad Driburg kein Bad mehr«, stellt er ganz klar fest. Die Bad Driburger Kaufmannschaft unternehme alles, um die Stadt so attraktiv wie möglich zu halten. »Ein geschlossener Kurpark wäre auch in dieser Hinsicht natürlich kontraproduktiv.«

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