So., 16.12.2018

Stadtkapelle Bad Driburg unternimmt Vereinsfahrt des Jahrhunderts Mit Instrumenten in die Savanne

Die Kinder aus Äthiopien lassen es sich nicht nehmen, die deutschen Instrumente einmal selbst auszuprobieren. Die Stadtkapelle hat mehrere Konzerte gegeben und dabei unter anderem die Nationalhymne Äthiopiens gespielt.

Die Kinder aus Äthiopien lassen es sich nicht nehmen, die deutschen Instrumente einmal selbst auszuprobieren. Die Stadtkapelle hat mehrere Konzerte gegeben und dabei unter anderem die Nationalhymne Äthiopiens gespielt. Foto: Stadtkapelle Bad Driburg

Von Ellen Waldeyer

Bad Driburg (WB). Wenn ein siebenstündiger Flug auf 6000 Kilometern Strecke mit 25 gut gelaunten Musikern besetzt ist, dann reist die Stadtkapelle Bad Driburg nach Äthiopien, um bei der Eröffnung eines Hospizes sowie eines Kindergartens, der nun ihren Namen trägt, ein Ständchen zu spielen.

Johanna Eilebrecht wird von den Kindern und Jugendlichen belagert, die alle ein Autogramm haben wollen. Foto: Stadtkapelle Bad Driburg

Neue Erfahrungen, das Entdecken einer völlig anderen Kultur und Landschaft sowie die Musik, die alle Menschen der Welt zusammenführen kann – das hat die außergewöhnliche Vereinsfahrt der Bad Driburger Stadtkapelle geprägt. Sie wird auch beim Weihnachtskonzert (siehe Kasten »Lichterglanz und Schneegestöber«) noch einmal thematisiert.

Benefizkonzerte gespielt

Die Idee nach Äthiopien zu reisen kam eigentlich von Friedhelm Henkst, der immer wieder neue Projekte in Äthiopien für die Freunde Äthiopiens sowie die Welthungerhilfe plant und verwirklicht.

Die Bad Driburger Stadtkapelle hat bereits mehrere Benefizkonzerte für seine Projekte gespielt. So bat Henkst die Musiker, mit nach Äthiopien zu reisen, um die Einweihung des Hospizes, das sein Lebenswerk ist, sowie eines Kindergartens musikalisch zu untermalen. Der Kindergarten, aufgrund dessen nun auch äthiopische Mütter Arbeit und Familie verbinden können, trägt nun den Namen der Bad Driburger Stadtkapelle.

Wie Henkst berichtet, bietet das Hospiz Platz für etwa 89 Personen und entspricht etwa dem westlichen Standard. »Für Äthiopien also purer Luxus«, sagt der Bad Driburger: »Es wurde maßgeblich von August Barkhausen finanziert. Allerdings fehlte noch etwas Geld für die Inneneinrichtung.«

So eine Vereinsfahrt ließ sich die Stadtkapelle nicht nehmen, auch wenn die Organisation äußerst kompliziert war. Immerhin benötigte jedes einzelne Mitglied ein Visum, einen Reisepass sowie alle nötigen Impfungen für das ostafrikanische Land.

Nach einem Dreivierteljahr Planung ging die Reise vom Frankfurter Flughafen los. Jeder reiste mit zwei Koffern mit je 23 Kilogramm Inhalt. Das eine Gepäckstück für sich selbst, in dem anderen Koffer wurden unzählige Geschenke für die Äthiopier transportiert. Darunter befanden sich Teddybären, Schreibutensilien sowie Fußballtrikots.

Geschenke im Gepäck

Friedhelm Henkst (von links), August Barkhausen und Bischof Abraham Desta durchtrennen das Band zur Eröffnung des Hospizes. Foto: Stadtkapelle Bad Driburg

Mit einem Bus, dessen Größe mit dem Bürgerbus Bad Driburgs vergleichbar ist, reisten die 25 Mitglieder im Alter von 17 bis 82 Jahren der Stadtkapelle beengt, aber bei guter Laune durch die Savanne und über staubige Straßen.

Die Stadtkapelle blieb aber nicht nur an einem einzigen Ort in Äthiopien, sondern sie reiste auch durchs Land und spielte auch an zwei Schulen ein Konzert.

Zu den präsentierten Stücken dort gehörte auch die äthiopische Nationalhymne. Dirigent Martin Rieckmann hat viel Arbeit darauf verwandt, diese zu arrangieren. Die Musiker wurden mit fröhlichem Kinderlachen und glänzenden Kinderaugen belohnt. Die Kinder waren außer sich vor Freude: Sie sangen die Hymne voller Inbrunst mit. Sie hatten die Hymne vorher noch nie auf solchen Instrumenten live gehört. So wurden die Musiker nach ihrem Spiel beinahe überrannt und gefeiert wie Popstars. Kinder forderten Autogramme und immer wieder Zugaben.

Jede Menge Lebensfreude

Martin Rieckmann: »Die Stimmung an diesen Schulen ist unbeschreiblich gewesen. Die Menschen haben solch eine Lebensfreude, die wir uns als Europäer nicht vorstellen könnten.«

Aber die Musiker traten nicht nur durch Musik in Kontakt mit der afrikanischen Bevölkerung, sondern sie lieferten sich auch ein Fußballspiel, das die Bad Driburger allerdings 4:1 verloren. Darauf waren die Äthiopier überaus stolz.

»Man kann das kaum verarbeiten, was man dort gesehen hat. Man ist psychisch auf jeden Fall aufgerüttelt. Man möchte unbedingt helfen. Wir haben unermessliche Armut gesehen, aber auch großartige Lebensfreude. Dort herrscht ein anderes Verständnis fürs Leben«, beschreibt Frank Heinemann, maßgeblicher Organisator der Fahrt und Notenwart der Kapelle, die Situation vor Ort.

Kontakt besteht weiter

Es gab nicht immer fließendes Wasser, und auch der Strom war teilweise unterbrochen. Die Einwohner in Äthiopien wohnen zumeist in Lehmhütten ohne richtiges Mobiliar und bewirtschafteten ihre Felder auch heute noch mit selbst gebauten Pflügen.

»Es erinnert einen schon etwas an die Eisenzeit, obwohl man auch Entwicklungsschritte in dem Land sieht. So werden nun Brunnen neben Schulen gebaut, damit die Kinder auf dem Weg zur Schule Trinkwasser mitbringen können«, erklärt Raimund Eilebrecht, Kassierer der Stadtkapelle, der sich ebenfalls an der Organisation der Reise beteiligt hatte.

Auch nach der Fahrt besteht noch Kontakt zu einheimischen Kindern dort, und die Bad Driburger erhoffen sich, eine Brieffreundschaft oder sogar eine Patenschaft aufrecht erhalten zu können.

Einmalige Reise

Eine Reise dieser Art soll aber einmalig bleiben. »Das war sicherlich die Vereinsfahrt des Jahrhunderts. Wir sind froh, dass wir die Organisation auf uns genommen haben und behalten diese abenteuerliche Reise in guter Erinnerung«, betonte Martin Rieckmann.

Ein Konzert der Stadtkapelle ist am 23. Dezember um 15.30 Uhr in den Driburger Brunnenarkaden geplant.

Die Stadtkapelle hoffe auch auf weitere Spenden für die Inneneinrichtung des Hospizes. Interessierte können sich auf der Internetseite www.freunde-aethiopiens-ev.de informieren.

Die Stadtkapelle Bad Driburg hat das ostafrikanische Äthiopien besucht. 25 Mitglieder im Alter von 17 bis 82 Jahren sind dorthin gereist. Ein Kindergarten trägt jetzt den Namen des Vereins. Foto: Stadtkapelle Bad Driburg

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