Do., 16.05.2019

Rettungswache in Bad Driburg eröffnet – zwei neue Fahrzeuge und mehr Platz Für den Notfall gerüstet

Landrat Friedhelm Spieker (rechts) übergibt den Schlüssel für die Rettungswache symbolisch an Wachleiter Hubertus Eilert (Zweiter von rechts). Die Eröffnung feierten mit (von links) Andreas Niggemeier, Matthias Kämpfer, Dr. Rolf Schulte, Burkhard Deppe, Thomas Rüthers und Thomas Wunram.

Landrat Friedhelm Spieker (rechts) übergibt den Schlüssel für die Rettungswache symbolisch an Wachleiter Hubertus Eilert (Zweiter von rechts). Die Eröffnung feierten mit (von links) Andreas Niggemeier, Matthias Kämpfer, Dr. Rolf Schulte, Burkhard Deppe, Thomas Rüthers und Thomas Wunram. Foto: Angelina Zander

Von Angelina Zander

Bad Driburg (WB). Vor 14 Jahren, am 19. September 2005 ist in der Höxteraner Innenstadt ein Wohnhaus explodiert. Kein Routineeinsatz für Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei. Im Gegenteil: Mit drei Toten und 64 Verletzten ist es der größte Einsatz in Höxter, erinnert sich Dr. Michael Stoltz.

Er war damals vor Ort, als Leitender Notarzt. Seine Aufgabe war es, die Arbeit der Notärzte zu koordinieren und mit den Einsatzkräften von Feuerwehr und Polizei einen Plan zu erarbeiten, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. »Die Innenstadt musste geräumt werden, Häuser durchsucht«, sagt Stoltz. »Ein dramatischer Einsatz.«

Seit 25 Jahren ist er als Leitender Notarzt tätig – und damit ein Ehrenamtlicher der ersten Stunde in diesem Bereich im Kreis Höxter. Ebenso wie Dr. Peter Bartella und Dr. Rolf Schulte. Ihnen dankte Landrat Friedhelm Spieker gestern bei der Eröffnung der Rettungswache Bad Driburg für ihr Engagement. »Wenn die Katastrophe vor der Tür steht, ist es wichtig jemanden zu haben, der helfen kann«, sagte er.

Ziel: 12 Minuten bis zum Einsatzort

Damit im Ernstfall auch Notärzte und Feuerwehrleute schnell vor Ort sein können, ist in der Straße Kochs Kämpe eine neue Rettungswache entstanden. In ländlichen Gebieten sollten Einsatzkräfte innerhalb von zwölf Minuten an der Notfallstelle sein, erläuterte Spieker. Vom neuen Standort erreiche die Feuerwehr das südliche Stadtgebiet nun schneller. Außerdem sei die alte Rettungswache zu klein geworden. »Die Zahl der Aktiven ist deutlich gestiegen. Das macht mehr Fahrzeuge nötig.«

Zwei neue Fahrzeuge hat Pater Thomas Wunram, Sprecher der Notfallseelsorger, bei der Eröffnung gesegnet – ebenso wie die Rettungswache. Vor 18 Monaten war der erste Spatenstich für das 2,2 Millionen Euro teure Projekt gesetzt worden. Nun ist die Wache bezogen worden.

Wenn jedoch ein besonders großer Schadensfall im Kreis Höxter eintrifft, dann sind neben den Notärzten auch die Leitenden Notärzte zur Stelle. Und das war in den vergangenen 25 Jahren bereits drei Mal der Fall. Dr. Rolf Schulte zählte in seiner Rede einige Vorfälle auf: die Wohnhausexplosion in Höxter 2005, ein Busunfall in Bödexen im Jahr 2007 und ein Gasaustritt in Bad Driburg 2011.

Gehören zu den ersten Leitenden Notärzten im Kreis Höxter (von links): Dr. Rolf Schulte, Dr. Michael Stoltz und Dr. Peter Bartella. Foto: Angelina Zander

Aber wie unterscheidet sich die Aufgabe eines Notarztes von dem eines Leitenden Notarztes? »Sie haben eine organisatorische Weisungsbefugnis«, sagte Schulte. Das bedeutet, dass sie unter anderem den Einsatz der Notärzte vor Ort koordinieren und die Verteilung der Verletzten auf die Krankenhäuser regeln. Ärztlich tätig werden sie dabei nicht – obwohl die 16 Leitenden Notärzte im Kreis Höxter hauptberuflich als Ärzte tätig sind oder waren.

Seit 25 Jahren Leitende Notärzte

Die Karriere von Dr. Peter Bartella begann bei der Marine. Bei der Marinefliegerei leistete er seinen Wehrdienst, habe mehrere Abstürze miterlebt. »In Brakel habe ich dann eine Chefarztstelle bekommen.« Dort arbeitete er als Chefarzt der Chirurgie und bildete sich in Kursen als Leitender Notarzt weiter.

Michael Stoltz ist auf einem anderen Weg Leitender Oberarzt geworden: Nach seinem Medizin-Examen habe er 1984 in Höxter als Assistenzarzt angefangen. Dort habe auch die Ausbildung von Notärzten begonnen. 1989 ließ er sich als Arzt nieder. Der Bereich der Intensivmedizin und der Notarzttätigkeit habe ihm viel Spaß bereitet, so dass er sich entschieden habe, sich als Leitender Notarzt zu engagieren.

Rolf Schultes Weg zum Leitenden Notarzt startete bei der Bundeswehr. Als Truppenarzt habe er einen Fehler begangen, der die Trinkwasserversorgung im Feldlazarett zerstört habe. Doch dieser Vorfall habe ihn nur noch mehr motiviert, in diesem Bereich tätig zu sein, sagte er.

»Fehler sind dazu da, um daraus zu lernen.« Dass er bei »Großschadensereignissen« im Einsatz ist, habe für ihnen einen entscheidenden Reiz: »Man tut möglichst viel für alle.« Der 62-Jährige ist hauptberuflich Unfallchirurg am Klinikum Weser-Egge. Im November will er seine ehrenamtliche Tätigkeit als Leitender Notarzt aufgeben, verkündete er bei der Eröffnung.

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