Sa., 20.07.2019

Mikroplastik soll es nicht mehr geben – Kork statt Kunststoffgranulat Kunstrasenplätze auf Prüfstand

Blick über die Fläche des Kunstrasenplatzes im Bad Driburger Iburgstadion: Der Platz erhält eine Korkfüllung. Das bisherige Kunstoffgranulat hat ausgedient. 2022 soll das Kunststoffgranulat aufgrund einer EU-Richtlinie ausgedient haben.

Blick über die Fläche des Kunstrasenplatzes im Bad Driburger Iburgstadion: Der Platz erhält eine Korkfüllung. Das bisherige Kunstoffgranulat hat ausgedient. 2022 soll das Kunststoffgranulat aufgrund einer EU-Richtlinie ausgedient haben. Foto: Jürgen Köster

Von Jürgen Drüke

Höxter (WB). Weg vom Kunststoffgranulat hin zum Kork. Das gilt für den Belag von Kunstrasenplätzen. Beim Neubau eines Platzes im Brakeler Schulzentrum und bei der Sanierung des Kunstrasens im Bad Driburger Iburgstadion wird Kork bereits verwendet.

Der Hintergrund: Die Europäische Union plant ein Verbot von Mikroplastik für 2022. Wie reagieren Städte und Sportvereine im Kreis Höxter darauf? »Bei uns wird aktuell ein neuer Kunstrasenplatz im Schulzentrum an der Gesamtschule gebaut. Wir steigen vom Kunststoffgranulat auf eine Korkfüllung um«, berichtet Bau­ingenieur Christoph Rustemeier vom Bauamt der Stadt Brakel. Seit Mitte Juni läuft die Baumaßnahme in der Nethestadt.

EU-Planung

»Fast zeitgleich wurde die geplante EU-Richtlinie bekannt. Deshalb haben wir nach einer Alternative Ausschau gehalten – das ist Kork. An den Kosten ändert sich gegenüber Kunststoffgranulat nichts. Allerdings könnte das für zukünftige Kunstrasenplätze, die aufgrund der geplanten EU-Verordnung saniert werden müssen, anders aussehen«, ordnet Rustemeier die Marktlage aufgrund der sich abzeichnenden großen Nachfrage nach Kork ein. Auf der anderen Seite würden die Preise für Kunststoffgranulat bereits rapide nach unten gehen. »Wer jetzt einen Kunstrasenplatz in alter Form baut, wird diesen erheblich günstiger erstellen«, so Rustemeier. Für den Kunstrasenplatz im Pahenwinkel, der inzwischen zwölf Jahre besteht, haben Verwaltung und Rat in Brakel noch keine Entscheidung getroffen. Erst vor anderthalb Jahren sei das Granulat im Pahenwinkel erneuert worden. »Der Kunstrasenplatz ist inzwischen zwölf Jahre alt. Ein Kunstrasenplatz in dieser Machart hält 15, maximal 20 Jahre. Das heißt, bis zum Inkrafttreten der geplanten ­EU-Richtlinie könnte der Platz mit einem Gemisch aus Kork und Sand versehen werden«, erklärt der Brakeler Bauingenieur. Inzwischen habe es auch Anfragen aus Warburg und Bad Driburg in Sachen Kunstrasenplatz an die ­Experten aus Brakel gegeben.

Driburg hat reagiert

Der Kunstrasenplatz des Iburgstadions in Bad Driburg wird aktuell erneuert. »Wir verwenden kein Kunststoffgranulat. Es ist bereits ein Kork-Sandgemisch«, sagt Baudezernent Martin Kölczer von der Stadt Bad Driburg. Beim erst vor zwei Jahren eingeweihten Kunstrasenplatz in Neuenheerse und dem neuen Kunstrasen-Kleinspielfeld in Dringenberg warten sie bei der Stadt Bad Driburg ab. »Wir sind da sehr gelassen. Wenn sich die Gesetzte und Richtlinien ändern, werden wir reagieren«, so Kölczer weiter.

Kostenfaktor Sanierung

»Vom DFB liegt uns noch keine Stellungnahme vor, wie die Kommunen und Vereine mit der Problematik Mikroplastik in Kunstrasenplätzen umgehen sollen«, sagt FLVW-Kreisvorsitzender Hermann-Josef Koch auf WB-Anfrage. Der Kostenfaktor für das Herausfiltern des herkömmlichen Kunststoffgranulats belaufe sich bei einer Sanierung auf etwa 60.000 Euro. »Inzwischen habe ich mit einigen Kommunen im Kreis Höxter Rücksprache genommen«, berichtet Koch. Die Stadt Beverungen wolle zunächst abwarten und plane vorerst keine Kunstrasenprojekte. Das hat laut Koch Bürgermeister Hubertus Grimm mitgeteilt. »Ich persönlich halte die geplante EU-Richtlinie, wenn sie denn mit dem Verbot von Kunstrasenplätzen einhergehen sollte, für übertrieben«, betont Koch. Im Kreis Olpe gebe es beispielsweise über 40 Kunstrasenplätze. Dort müssten sie den Fußball-Spielbetrieb einstellen, wenn die Plätze alle auf einen Schlag erneuert werden müssten. Gleiches treffe auf viele Städte und Kreise in Deutschland zu.

Es wird etwas teurer

»Kork ist als Naturstoff eine Alternative«, weiß Roland Merker, Vorsitzender des Stadtsportverbands Höxter. In Albaxen, hier wird im kommenden Jahr ein Kunstrasenplatz für das Zentrum Nord gebaut, und in Brenkhausen, hier ist 2021 ein Kunstrasenplatz für das Zentrum West in Planung, würde demnach Kork als Füllung berücksichtigt. Nach seinem Kenntnisstand sei das Korkgranulat etwas teurer. »Generell sehe ich die Entwicklung gelassen. Wir sollten das Kind allerdings nicht mit dem Bade ausschütten und bedacht vorgehen.«

»In der Stadt Höxter gibt es aktuell nur einen Kunstrasenplatz an der Weserkampfbahn. Der wird nicht von der Stadt, sondern vom SV Höxter betrieben. In den nächsten Wochen werden wir intensiv prüfen, welche anderen Füllmaterialien, wie zum Beispiel Kork, eine umweltverträgliche Alternative für die Errichtung von neuen Kunstrasenplätzen darstellen«, so Pressesprecher Sebastian Vogt von der Stadt Höxter.

Nach Angaben des Frauenhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits-und Energietechnik sind Kunstrasenplätze die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in der Umwelt. Auf einem Kunstrasenplatz liegen laut Institut etwa 35 Tonnen Mikroplastik, das durch Wind und Regen in die Umwelt und über die Kleidung und Schuhe der Spieler ins Wasser gelangt.

Im Kreis Höxter gibt es in Höxter, Warburg, Brakel, Borgentreich, Steinheim, Bad Driburg und Neuenheerse Kunstrasenplätze. Beverungen und Dringenberg verfügen über Kleinspielfelder. Geplant sind weitere Kunstrasenplätze in Peckelsheim, Albaxen, Brenkhausen, Siddessen und Eversen.

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