Sa., 27.07.2019

Nach der Fichte bereitet die nächste Baumart immer größere Sorgen Nun geht die Buche in die Knie

Marina Jürgens (von links), Dirk Kreienmeier und Roland Schockemöhle ziehen neben einer abgestorbene Buche eine Bilanz der Waldschäden. Nach der Fichte gibt es im Hochstift auch massive Absterbeerscheinungen bei der Buche.

Marina Jürgens (von links), Dirk Kreienmeier und Roland Schockemöhle ziehen neben einer abgestorbene Buche eine Bilanz der Waldschäden. Nach der Fichte gibt es im Hochstift auch massive Absterbeerscheinungen bei der Buche. Foto: Jürgen Köster

Von Jürgen Köster

Bad Driburg-Neuenheerse (WB). Wenn die Neuenheerser Försterin Marina Jürgens in ihrem Revier auf den Gradberg schaut, wird sie ernst. 80 Prozent des Waldes dort sind geschädigt. Wo sonst sattes Grün dominiert, hat nun die Farbe Braun die Vorherrschaft übernommen. »Die 170 bis 180 Jahre alten Buchen sterben von oben her ab«, sagt die Försterin. Dies ist nur ein Beispiel für die Entwicklung im gesamten Hochstift.

Von den gut 73.000 Hektar Waldfläche sei etwa ein Drittel über alle Baumarten hinweg von der Dürre betroffen, berichtet Regionalforstamtsleiter Roland Schockemöhle. Zwischen 7000 und 10.000 Hektar der Buchenbestände zeigten Schadsymptome. Vor allem östlich des Eggekamms habe der Regen gefehlt. »Die Folgen haben sich 2018 bereits gezeigt. Jetzt ist es noch mal schlimmer«, sagt Schockemöhle. Die Buche sei in unterschiedlicher Ausprägung geschädigt, »aber das geschieht mit großer Dynamik. Mancherorts sieht es aus wie im Herbst.«

Tägliche Veränderung

Der Wald verändere sich fast täglich schildert auch Marina Jürgens ihre Beobachtungen. »Erst wird der Wald rot, dann braun.« Die heimischen Buchenstandorte seien durch Kalkböden geprägt. Der lasse das Wasser schnell durchsickern. Die eigentliche Bodenschicht mit Speicherfähigkeit sei relativ dünn. Das vertrocknende Kronenlaub lasse mehr Licht durch. Die Bäume würden immer weniger widerstandsfähig.

Und dann kommt der Buchenprachtkäfer. Er hat leichtes Spiel.

Buchenprachtkäfer kommt

»2018 ging die Fichte in die Knie, der Borkenkäfer kam, nun geht die Buche an den Grund, und der Buchenprachtkäfer ist da«, sagt Schockemöhle.

Was die Schäden aus wirtschaftlicher Sicht bedeuten, erklärt Dirk Kreienmeier, Fachgebietsleiter Landeseigener Forstbetrieb im Regionalforstamt, an einer Baumscheibe einer Rotkernbuche. »Eigentlich ein Prachtstamm«, sagt er zunächst, zeigt dann aber auf den markierten Bereich des Holzes, der unter der Dürre gelitten hat. »Dort machen die Zellen dicht. Das Holz kann nicht mehr chemisch behandelt werden«, erklärt der Fachmann. Das lässt den Preis verfallen. Zwischen 128 und 130 Euro je Kubikmeter hätte der Stamm eigentlich gebracht. Nun blieben vielleicht noch 60 Euro. Der »Paradestamm« tauge nur noch als Palettenholz.

Neben dem Schädlingsbefall werde die Verwertung dadurch erschwert, dass die Absterbeprozesse sehr schnell einsetzten. »Sie müssen heute schon wissen, wann exakt das Holz am Wegrand zum Abtransport bereit liegt, damit es ohne Befall abgeholt werden kann«, sagt Kreienmeier. »Das Zeitfenster ist ausgesprochen eng.«

Funkgesteuerte Keile

Dabei seien die personellen Kapazitäten im Forst derzeit ausgeschöpft. Und: Die Verarbeitung der trockenen Bäume sei sehr gefährlich. Heimische Firmen, die Buchenholz verarbeiten, könnten durchaus in Engpässe geraten, weil ihnen der Rohstoff fehle. Das Forstamt starte derzeit einen Versuch bei 100 Bäumen, die mit Hilfe von funkgesteuerten Keilen gefällt würden.

Für die Zukunft strebt Schockemöhle bei der Wiederbewaldung ein möglichst breit gefächertes Baumportfolio an. »Wir müssen mischen, mischen und noch einmal, mischen, sagt der Forstamtsleiter.

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