Do., 15.08.2019

Friedhelm Henkst vollendet sein 70. Lebensjahr Unermüdlicher Helfer in Äthiopien

Friedhelm und Editha Henkst bei einem ihrer letzten Besuche in Äthiopien. Sie werden dort »Pap« und Mam« gerufen.

Friedhelm und Editha Henkst bei einem ihrer letzten Besuche in Äthiopien. Sie werden dort »Pap« und Mam« gerufen. Foto: Eilebrecht

Von Jürgen Köster

Bad Driburg (WB). »50 Brunnen, 16 Schulen, drei Waisenhäuser, 4600 Kinder«, fasst Friedhelm Henkst in knappen, aber aussagekräftigen Zahlen seine Hilfsaktionen zusammen, die er in Äthiopien initiiert hat. Heute vollendet er sein 70. Lebensjahr.

Tausende Menschen im Hochstift kennen den Bad Driburger: Das grüne T-Shirt der Welthungerhilfe, der Sonnenhut mit der äthiopischen Landesflagge und natürlich die Sammelbüchse in der Hand – so erleben sie ihn vor allem bei Volksfesten, aber auch täglich vor den Lebensmittelmärkten in der Region.

Zweite Heimat

Äthiopien sei seine zweite Heimat, berichtet der engagierte Bad Driburger. Einem äthiopischen Arzt habe er es zu verdanken, dass sein Fuß nach einem schlimmen Unfall mit einem Gabelstapler nicht amputiert werden musste. »Der Fuß bleibt dran«, habe der Mediziner gesagt und sich damit gegen seinen Chefarzt gestellt.

Jahre später wäre Henkst sein Fuß beinahe erneut zum Verhängnis geworden. Bei einem Hilfseinsatz in Äthiopien hatte er eine gefährliche Infektion am rechten Bein bekommen und wäre daran fast gestorben. Der 56-Jährige konnte noch rechtzeitig ausgeflogen werden und wurde im St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn mehrfach operiert.

Drei Herzinfarkte

Drei Herzinfarkte und »drei oder vier Schlaganfälle« habe er hinter sich. Zurzeit bereitet ihm seine Wirbelsäule überaus große Probleme. Er ist inzwischen meist auf einen Rollstuhl angewiesen, sammelt aber weiter, wie der gebürtige Haarener berichtet.

Er war eines von sieben Kindern. Seine Schwester sei mit drei Jahren gestorben, drei Brüder habe er innerhalb von neun Monaten verloren, blickt Henkst zurück. Er besuchte die Realschule in Lichtenau, absolvierte eine Elektrikerlehre bei Wieseler in Borchen und erwarb die Fachhochschulreife. Bei der Bundeswehr in Stadtoldendorf legte er die Meisterprüfung ab. Hier war er als Zeitsoldat zum Fahrlehrer ausgebildet worden.

In der Freizeit war Henkst als Schiedsrichter auf den Plätzen des Kreises zu finden. In Altenbergen wollte ihn der dortige Vereinsvorstand näher kennenlernen, bevor er bei einem Damenpokal-Turnier eingesetzt werden sollte und lud ihn zum Schützenfest ein. »Dort hat es Klick gemacht«, blickt er auf seine erste Begegnung mit seiner Frau Editha bei diesem Fest zurück. Sechs Wochen später war Verlobung, neun Monate danach die Hochzeit. 25 Jahre nach dem Schützenfest in Altenbergen ist das Paar noch einmal zu der Sitzbank zurückgekehrt, wo es sich zum ersten Mal geküsst hat.

Zunächst wohnten sie im Heimatort der Ehefrau, in Ottbergen, dann in Erkeln. »Vor 30 Jahren waren wir dort Königspaar«, erinnert sich Henkst. Über Buke kamen sie dann nach Bad Driburg.

Regionaldirektor getroffen

Im Garten des Hauses in der Schlesischen Straße steht ein grüner quadratischer Sonnenschirm der Welthungerhilfe. Bei einer Sammelaktion in der Detmolder Fußgängerzone hatte Henkst 2005 zufällig Bernhard Meier zu Biesen aus Heiligenkirchen kennen gelernt, der als Regionaldirektor in Addis Abeba die Welthungerhilfe in Äthiopien organisierte.

»Im Januar fliege ich zu einem sechswöchigen Hilfseinsatz nach Afrika und schaue mir Projekte vor Ort an, für die ich 2006 dann hier Geld sammele«, erklärte er seiner Frau. »Dann fahr du mal«, habe diese seinen spontane Idee lakonisch kommentiert. »Als die Fahrkarte eintraf, wurde sie ganz blass im Gesicht«, weiß Henkst noch genau. Inzwischen ist sie viele Male zusammen mit ihrem Mann in Äthiopien gewesen. »Sie begrüßen uns dort inzwischen mit ›Mam‹ und ›Pap‹«, erzählt der vielfach für sein Engagement ausgezeichnete Henkst.

Zunächst sei er vielfach »nur zum Reparieren« in Äthiopien gewesen. Etwa 30 Mal seien er inzwischen dorthin geflogen, hätte 1,5 Millionen Euro für diverse Projekte gesammelt.

»Das Land, das Land«, antwortet Henkst auf die Frage, was er an Äthiopien so liebe. Im Norden sehe es dort aus wie im Grand Canyon in den USA. Auf dem Weg nach Addis Abeba fühle er sich oft wie in der Schweiz oder in Österreich. »Und die Menschen«, setzt er seine Antwort fort. »Die schönsten Männer und Frauen Afrikas leben in Äthiopien. Und es sind stolze Menschen. Sie sind noch nie kolonialisiert worden. Die Italiener, die dies versuchten, haben sie mit Stöcken vertrieben. Meine Hilfe für sie wird weitergehen – bis dass der Tod uns scheidet.«

Geburtstagswunsch

Und daher ist auch sein Geburtstagswunsch logisch. Er will alles, was ihm zuteil wird, für Äthiopien verwenden. »Ein neues Projekt fange ich aber nicht mehr an. Es ist schon schwer genug, die bestehenden am Laufen zu halten.«

»Groß« feiern will Friedhelm Henkst seinen 70. Geburtstag nicht. »Das wird nächstes Jahr nachgeholt, wenn meine Frau so alt wird wie ich jetzt«, verrät er. Jetzt aber geht es erst einmal in den Urlaub – zum ersten Mal nach 20 Jahren.

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