Erhöhte Radonwerte in einige Räumen der Grundschule gemessen
Regelmäßiges Lüften reicht zunächst

Bad Driburg (WB). »Es sieht nicht danach aus, als ob umgehend besondere Maßnahmen nötig wären. Uns ist es aber wichtig, zeitig und umfassend zu informieren«. So hat Bürgermeister Burkhard Deppe die Ergebnisse von Kontrollmessungen zur Radonkonzentration in der Grundschule unter der Iburg kommentiert. In einigen Räumen wurde der Referenzwert überschritten, in einigen nicht.

Dienstag, 15.10.2019, 00:18 Uhr aktualisiert: 15.10.2019, 02:10 Uhr
In den Häusern vier und drei waren bereits vor 25 Jahren erhöhte Radonwerte festgestellt worden. Danach folgte eine Sanierung. Foto: Jürgen Köster
In den Häusern vier und drei waren bereits vor 25 Jahren erhöhte Radonwerte festgestellt worden. Danach folgte eine Sanierung. Foto: Jürgen Köster

Aus der Lehrerschaft sei – wohl auch vor dem Hintergrund der anstehenden Umbaumaßnahmen – die Anregung zu den neuen Messungen gekommen, berichtete Schulleiterin Roswitha Roß. Hintergrund: 1995 waren in den Häusern drei und vier

Was ist Radon?

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das überall vorkommt. Man kann es weder sehen, riechen noch schmecken. Es ist ein radioaktives Zerfallsprodukt von Uran, das natürlich im Boden vorkommt, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt informiert. Da Radon ein Gas ist, kann es leicht aus Gesteinen und Böden entweichen und sich mit der Bodenluft oder gelöst in Wasser ausbreiten.

Im Freien ist die Radonkonzentration in der Luft gering. In Gebäuden kann sie jedoch deutlich höher sein. Vom Untergrund unter dem Gebäude hängt es ab, wie viel Radon zur Verfügung steht, das ins Gebäude eintreten kann. Vom baulichen Zustand des Gebäudes hängt ab, wie viel Radon eindringen kann.

Gesundheitlich relevant sind die radioaktiven Zerfallsprodukte des Radons. Diese senden energiereiche, radioaktive Strahlung aus, die das unmittelbar umgebende Lungengewebe schädigen.

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erhöhte Radonwerte festgestellt worden. Sie hätten zwischen 580 und 670 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) Luft gelegen, erinnerte Wolfgang Tewes vom Amt für Tiefbau und Gebäudemanagement.

Bei einer anschließenden Sanierung seien Fußböden und Estrich entnommen und erneuert worden, eine Bitumenschicht habe die Gebäude zum Boden hin abgedichtet. Nachfolgende Messungen hätten dann Werte von 160 bis 180 Bq ergeben. Damals sei die Stadt bei den Messungen vom Materialprüfungsamt NRW begleitet worden.

Mit den aktuellen Messungen hat die Stadt das Büro NCC aus Braunschweig beauftragt, das mit dem Institut für Umwelt-Analyse aus Bielefeld zusammenarbeitet. Dessen Geschäftsführerin, Diplom-Biologin Petra Günther, bewertete die Messergebnisse.

Diese waren mittels eines Radon-Exposimeters und in einem zweiten Durchgang mit einem noch empfindlicheren Gerät ermittelt worden. Die Ergebnisse seien bezogen auf den Referenzwert von 300 Bq, der kein Grenzwert sei, »auffällig«, aber nicht besorgniserregend. In vielen Räumen habe er aber über dem »üblichen regionalen Niveau« gelegen. Eine abschließende Aussage sei jedoch nur bei einer Messung über zwölf Monate möglich. Wie Petra Günther erklärte, liege das Niveau im Kreis Höxter durchschnittlich bei etwa 150 Bq.

Nur Stampfbeton

In den Räumen waren Werte von unter anderem 317, 421 und 376 Bq aufgetreten. Schon durch Lüften der Räume hätten diese auf 57, 41 beziehungsweise 204 Bq gesenkt werden können. Maßgeblich für die Radonkonzentration ist der erdberührende Bereich der Gebäude. Wie Wolfgang Tewes erläuterte, seien die Grundschulgebäude in den 1950er Jahren teilweise auf Streifenfundamenten entstanden, zwischen denen sich nur Stampfbeton befunden habe. Die Gebäude der früheren Gemeinschaftsgrundschule seien demgegenüber auf eine Betonsohle errichtet worden. Radon könne über Spalten, Fugen und Risse im Keller oder auch entlang von Kabel- und Rohrdurchführungen in Gebäude eindringen.

Zusammen mit den Fachgutachtern will die Stadt in den nächsten Wochen weitere Untersuchungen vornehmen lassen, um den Grund für die Radonkonzentration zu ermitteln. Bis die weiteren belastbaren Ergebnisse vorliegen, reiche zunächst regelmäßiges Lüften der Räume aus, wie Petra Günther erklärte. »Quellen und Eintrittswege des Radons müssen identifiziert werden. Danach können Maßnahmen geplant werden.«

»Die Stadt ist sich ihrer großen Verantwortung gegenüber den Kindern und der Lehrerschaft bewusst«, betonte Bürgermeister Deppe. Die Stadt werde alles Notwendige für ein gesundes Raumklima in den Schulgebäuden tun. Natürlich würden die Gegebenheiten in die Überlegungen zum anstehenden Umbau des gesamten Schulkomplexes einfließen, versicherte Wolfgang Tewes. Die vier Gebäude der früheren KGS werden nach ersten Plänen entweder abgerissen und ersetzt oder von Grund auf saniert.

Fragen zur Messung

Wer Fragen zur Radonmessung hat, kann sich bis zum 25. Oktober montags bis freitags von 8.30 bis 18 Uhr an Petra Günther, Telefon 05253/882222, vom Institut für Umweltanalyse wenden. Bisher hätten sich erst drei Eltern bei ihr gemeldet, berichtete sie. Auch die Schulpflegschaftsvorsitzende Diana Sander-Kanne hat erst drei Anrufe in der Angelegenheit erhalten, nachdem am Freitag eine Elterninformation herausgegeben worden sei. »Von Panik in der Elternschaft kann überhaupt keine Rede sein«, sagte sie.

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