Di., 03.12.2019

Kulturgeschichtlicher Beitrag: Heimatverein Nieheim gibt spannendes Heft heraus Alte Ziegelhütten im Fokus

Der Vorsitzende des Nieheimer Heimatvereins, Ulrich Pieper (rechts), und Johann-Friedrich Freiherr von der Borch (Gutsbesitzer aus Holzhausen) stehen genau dort, wo sich 1741 die Nieheimer Ziegelhütte am Rande des Waldes befunden haben muss.

Der Vorsitzende des Nieheimer Heimatvereins, Ulrich Pieper (rechts), und Johann-Friedrich Freiherr von der Borch (Gutsbesitzer aus Holzhausen) stehen genau dort, wo sich 1741 die Nieheimer Ziegelhütte am Rande des Waldes befunden haben muss. Foto: Harald Iding

Von Harald Iding

Nieheim/Brakel/Bad Driburg (WB). Dichter Nebel hängt zwischen den schemenhaften Bäumen am Waldrand – einige Kilometer oberhalb von Erwitzen. Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper und Gutsherr Johann-Friedrich Freiherr von der Borch steigen aus dem Geländewagen. „Genau hier muss die Nieheimer Ziegelhütte vor rund 280 Jahren gestanden haben“, sagt Pieper, der unter seinem Arm die neueste Publikation des Heimatvereins mit rotem Einband geklemmt hat.

Der Verein ist einer besonderen „Fährte“ in die Vergangenheit gefolgt und hat passend zur Vorweihnachtszeit als zweiten „kulturgeschichtlichen Beitrag“ ein 32-seitiges Heft herausgebracht – in einer Auflage von zunächst 300 Exemplaren. „Die dürften bestimmt wieder weggehen wie warme Semmeln. Denn schon die erste Publikation über die Plattdeutsche Sprache im vergangenen Jahr fand reißenden Absatz – 1000 Hefte haben wir verkauft“, ist Stadtheimatpfleger Pieper stolz. Selbst Universitäten hätten jetzt Exemplare dieses profunden Wissens in ihren Regalen stehen.

Auch mit dem neuen Beitrag will der Verein die Geschichte der Stadt Nieheim und seiner Umgebung auf interessante Weise dokumentieren und für die Nachwelt festhalten.

Ulrich Pieper: „Weitere Hefte, wie über das Jüdische Leben in Nieheim und das Sackmuseum, sind bereits in Vorbereitung.“ Die neuen Hefte zu einem Selbstkostenpreis in Höhe von fünf Euro seien ab sofort im Sackmuseum erhältlich sowie unter anderem in den Buchhandlungen Saabel (Bad Driburg) und Schröder (Brakel) sowie bei „Schreib und Buch“ Reineke in Steinheim (Center) und in der Lottoannahmestelle Bea gegenüber dem Rathaus Nieheim. Pieper: „Wer ein Exemplar zugeschickte haben möchte, braucht nur auf den Anrufbeantworter des Sackmuseums sprechen. Dann schicken wir es gerne zu – für sieben Euro, inklusive Porto und Verpackung.“

Die in dem Beitrag beschrieben Ziegelhütten hätten jahrhundertelang die Städte Nieheim, Brakel und Bad Driburg sowie andere Orte mit gebrannten Steinen versorgt. Dieses spannende Thema kennt kaum einer und die lokalen Zusammenhänge werden in dem Heft ausführlich, auch mit Skizzen, Karten und Bildern, erläutert.“ Neben Backsteinen wurden Dachziegel hergestellt. „Auf diese Weise leisteten die Hütten ihren Beitrag für die Brandverhütung, weil die Strohdächer nach und nach durch Ziegeldächer ersetzt werden konnten.“  Die ältesten in den Quellen befindlichen Daten gehen bei den Ziegelhütten von folgenden Jahreszahlen aus: Brakel (Träger: Stadt beziehungsweise Fürstbischof), erster Beleg 1556, Betriebsdauer von rund 300 Jahren; Driburg (Träger: Stadt), erster Beleg von 1660, Betriebsdauer von ca. 200 Jahren; Nieheim (Ort: Maifers, Stadt und Bonhausen, Gutsherr von der Borch), erste Belege von 1708 und 1712 – am Ende folgt die Fusion beider Ziegelhütten.

Der Autor des zweiten „Kulturgeschichtlichen Beitrags“ des Heimatvereins Nieheim ist Karl Prinz. Dazu sagt Pieper: „Im Gespräch mit Karl Prinz über das alte Forsthaus Kirchgrund, zwischen den Dörfern Erwitzen und Pömbsen gelegen, machte ich ihn auf eine alte, in der Nähe gelegene Ziegelei der Stadt Nieheim um das Jahr 1741 aufmerksam. Aus dieser Forschung entstand ein Werk von Prinz, das nun als Beitrag des Heimatvereins vorliegt. Es ist besonders erfreulich, dass dabei die Städte Brakel und Bad Driburg mit einbezogen worden sind!“

Gebrannte Steine

Hintergrund: Ziegel sind gebrannte Steine, die aus Lehm oder Ton unter Beimischung von Sand hergestellt werden – heutzutage in Ziegeleien mit Hilfe vollautomatischer Anlagen. Der Begriff „Ziegelhütte“ werde dagegen verwendet, um die vorindustrielle Produktionsstätten“ zu bezeichnen, in denen Backsteine und Dachziegel handwerklich gefertigt wurden – jahrhundertelang bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Kommentare

Ziegelsteine

Ich finde es großartig, dass Nieheim wichtige geschichtliche Ereignisse aufgreift. Wie wäre es aber mal damit: In Nieheim sind viele Flüchtlinge und Spätaussiedler z.B. aus Oberschlesien nach dem 2. Weltkrieg angekommen. Wie sind die Nieheimer mit diesen Menschen in den Jahren von 1950 bis 1970 umgegangen? Dazu gäbe es eine Menge zu sagen. Es geht nicht um Aufrechnung, aber um Tatsachen, die für die betroffenen Familien nicht positiv waren. " Rucksackdeutsche" war noch harmlos.

Aber: Ich finde die Arbeit von Herrn Pieper großartig. WN

1 Kommentare

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